Das vierte deutsche Handynetz lÀsst weiter auf sich warten
18.09.2023 - 09:51:24Der Telekommunikationskonzern 1&1 verschiebt erneut den Start seines Handynetzes. Der Hebel soll nun erst im Dezember umgelegt werden und nicht schon Ende September, teilte der Konzern am Montag in Montabaur mit.
Der Bau eines eigenen Netzes ist fĂŒr 1&1 eine schwierige Sache. Eine Ende 2022 ausgelaufene Ausbaupflicht, der zufolge 1000 5G-Antennen aktiviert werden sollen, wurde nach Lieferschwierigkeiten von Ausbaupartnern deutlich gerissen. Es ging Ende 2022 zunĂ€chst planmĂ€Ăig nur mit einer Mini-Version als Festnetz-Ersatzprodukt los, von dem mobile Nutzer nichts hatten. In der kommenden Woche sollte das vierte deutsche Handynetz endlich starten, dazu kommt es jetzt aber nicht.
Hintergrund dafĂŒr ist ein Wechsel der Partner von 1&1. Der Anbieter nutzt derzeit noch das Handynetz von TelefĂłnica (O2). Wenn er aber sein eigenes Netz aktiviert, verliert er nach einer Ăbergangszeit seinen Status als virtueller Netzbetreiber - ab Januar dĂŒrfte 1&1 dann keine VertrĂ€ge mehr verkaufen, die auch das 5G-Netz von O2 nutzen. Ab Sommer 2024 greift nach Unternehmensangaben eine 5G-Kooperation mit Vodafone (National Roaming) - ab dann sind 1&1-Kunden wieder deutschlandweit mit 5G versorgt.
2019 erstmals Frequenzen ersteigert
1&1 hat zwar bei der Bundesnetzagentur einen Antrag gestellt, damit die Ăbergangszeit erweitert wird - und zwar bis zum Beginn des National-Roaming-Deals mit Vodafone. DarĂŒber hat die Regulierungsbehörde allerdings noch nicht entschieden. «Der Antrag von 1&1 und die Stellungnahmen der Netzbetreiber werden derzeit geprĂŒft», teilte ein Sprecher der Netzagentur am Montag zum Stand des Verfahrens mit.
HĂ€tte 1&1 trotzdem schon nĂ€chste Woche sein eigenes Netz gestartet, wĂ€re die Firma auf Risiko gegangen - bei einer Ablehnung ihres Antrags wĂŒrde sich ihre Stellung am Markt ab Januar 2024 verschlechtern. Um dies zu vermeiden, verschiebt 1&1 den Handynetz-Starttermin.
1&1 hat 2019 zum ersten Mal eigene Mobilfunk-Frequenzen ersteigert. Bisher nutzt die Firma Netze anderer Betreiber, um HandyvertrĂ€ge zu verkaufen. FĂŒr die Netznutzung zahlt 1&1 Miete. Mit den eigenen Frequenzen will das Unternehmen in Sachen MobilfunkgeschĂ€ft aber auf eigenen Beinen stehen. Bisher gibt es in Deutschland drei Handynetze, von der Deutschen Telekom, von Vodafone und von TelefĂłnica (O2). Branchenexperten rechnen durch das vierte Netz mit einem verschĂ€rften Wettbewerb, der den Verbrauchern nutzen könnte.





