Blei am Arbeitsplatz: EU senkt Grenzwert von 0,15 auf 0,03 mg/ m³
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDem südkoreanischen Unternehmen DN Automotive wird vorgeworfen, Beschäftigten vor speziellen Gesundheitsuntersuchungen Blei-Chelat-Injektionen verabreicht zu haben. Mit den Injektionen sollte offenbar der Blutbleispiegel der Belegschaft gesenkt werden, anstatt die Arbeitsbedingungen im Betrieb zu verbessern.
Wie die südkoreanische Plattform asiae.co.kr am 25. Oktober berichtete, wirft der Vorfall ein Schlaglicht auf eine gravierende Regelungslücke: Das geltende südkoreanische Arbeitsschutzgesetz (OSH Act) enthält derzeit keine klare Vorschrift, die eine derartige Manipulation direkt unter Strafe stellt.
Ministerium prüft Rechtslage und schaltet Ermittlungsbehörden ein
Um den Fall aufzuarbeiten, plant das südkoreanische Arbeitsministerium für den 27. Oktober eine umfassende Prüfung. Bei diesem Schritt soll die genaue Rechtsgrundlage für mögliche Sanktionen ermittelt werden. Zudem steht die Frage im Raum, inwieweit die Arbeitgeber sowie die involvierten medizinischen Einrichtungen juristisch zur Verantwortung gezogen werden können.
Den Berichten zufolge wurden die Chelat-Injektionen in einer allgemeinen medizinischen Einrichtung verabreicht und nicht in einer Klinik, die vom Ministerium offiziell für entsprechende arbeitsmedizinische Untersuchungen benannt wurde.
Weil das Arbeitsschutzgesetz selbst keine Handhabe für direkte Sanktionen bietet, hat das Ministerium die Polizei eingeschaltet. Die Ermittler prüfen nun, ob das Vorgehen gegen andere Gesetze verstößt, darunter etwa Bestimmungen zur Geschäftsschädigung. Damit soll verhindert werden, dass Arbeitgeber gesundheitliche Messwerte manipulieren, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.
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Internationale Schutzstandards und Grenzwerte für Blei
Der Vorfall steht in deutlichem Gegensatz zu etablierten internationalen Vorschriften zum Arbeitsschutz. In den USA untersagt die zuständige Behörde OSHA eine rein präventive Chelatbehandlung. Eine Chelattherapie ist dort lediglich zu Behandlungszwecken und nur unter strenger ärztlicher Aufsicht gestattet, um einen Missbrauch zur Verschleierung von Expositionen oder gesundheitliche Risiken für Arbeitnehmer auszuschließen.
Auch auf europäischer Ebene wurden die Rahmenbedingungen für Blei am Arbeitsplatz verschärft. Die Europäische Union senkte im Jahr 2024 den Arbeitsplatzgrenzwert für Blei von 0,15 mg/m³ auf 0,03 mg/m³.
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Der Fall in Südkorea verdeutlicht vor diesem Hintergrund die Notwendigkeit eindeutiger gesetzlicher Vorschriften, damit Unternehmen toxische Belastungen an der Quelle reduzieren und nicht durch medizinische Manipulationen den Anschein erwecken, Grenzwerte würden eingehalten.
