ROUNDUP, EuropÀer

EuropÀer und Selenskyj suchen Linie mit Trump zur Ukraine

13.08.2025 - 06:00:05

Bleiben die EuropĂ€er und Wolodymyr Selenskyj außen vor, wenn Donald Trump und Wladimir Putin am Freitag in Alaska ĂŒber die Zukunft der Ukraine verhandeln? Bei einer von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) initiierten Videokonferenz, an der heute auch der ukrainische PrĂ€sident teilnehmen soll, wollen europĂ€ische Staats- und Regierungschefs das verhindern.

Bei der Schalte mit dem US-PrĂ€sidenten geht es fĂŒr die EuropĂ€er und die Ukraine darum, eine gemeinsame Linie mit Trump fĂŒr dessen Treffen mit Kremlchef Putin im nördlichsten US-Bundesstaat zu finden.

Wie sieht der Fahrplan fĂŒr die Videoschalten aus?

Merz will enge europĂ€ische VerbĂŒndete der Ukraine um 14.00 Uhr im Lagezentrum des Kanzleramts zu einer Vorbesprechung der Folgeberatungen mit Trump zusammenschalten. Teilnehmen sollen die Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Finnland, EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen, EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa, Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte sowie Selenskyj.

Bei der von 15.00 Uhr an geplanten Videoschalte mit Trump soll auch dessen VizeprĂ€sident JD Vance dabei sein. Im Anschluss will der Bundeskanzler die Ergebnisse in einer Runde aus Mitgliedern der sogenannten Koalition der Willigen unter FederfĂŒhrung von Deutschland, Frankreich und Großbritannien nachbesprechen. Merz plant, die Öffentlichkeit nach der Schalte mit Trump in einer Pressekonferenz zu informieren.

Was wollen die EuropÀer erreichen?

Die EuropĂ€er und Selenskyj befĂŒrchten, dass sich Trump und Putin in Alaska auf Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland verstĂ€ndigen könnten, die Kiew strikt ablehnt. Sie dĂŒrften von Trump eine Zusage erreichen wollen, dass er mit Putin keinen Deal ĂŒber die Köpfe der Ukrainer und der EuropĂ€er hinweg macht. Aber wird er darauf eingehen? Und selbst wenn: HĂ€lt sich der US-PrĂ€sident daran - und falls ja, wie lange?

Der deutsche Regierungssprecher Stefan Kornelius hatte erklĂ€rt, bei den GesprĂ€chen solle es um weitere Handlungsoptionen gehen, um Druck auf Moskau zu erzeugen. Zudem solle ĂŒber die Vorbereitung möglicher Friedensverhandlungen und damit verbundene Fragen zu GebietsansprĂŒchen und Sicherheiten gesprochen werden. Der britische Premierminister Keir Starmer forderte erneut Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine.

Außenminister Wadephul: Gewalt darf keine Grenzen verschieben

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte nach einer Schaltkonferenz mit seinen EU-Kolleginnen und -Kollegen am Montag den deutschen Kurs fĂŒr das GesprĂ€ch mit Trump abgesteckt - und Spekulationen ĂŒber Gebietsabtretungen der Ukraine fĂŒr einen Frieden mit Russland eine Absage erteilt. "Gewalt darf keine Grenzen verschieben", schrieb er auf X. Deutschland unterstĂŒtze Trumps Ziel, den russischen Angriffskrieg zu beenden. Ergebnis mĂŒsse ein gerechter und dauerhafter Friede sein.

Im ZDF-"heute journal" sagte Wadephul aber auch, die Ukraine wisse, dass die Verhandlungen mit Russland schwierig wĂŒrden. Kiew werde "möglicherweise auch Verzichte" zu erwarten haben. "Aber das ist spĂ€ter zu entscheiden." Mit Blick auf den Ukraine-Gipfel von Trump und Putin ergĂ€nzte er, es gehe um die europĂ€ische Sicherheit. "Wir werden nicht zulassen, dass ĂŒber die Köpfe der EuropĂ€er hinweg hier entschieden wird."

Welches Ziel hat Trump beim GesprÀch mit Putin?

Trump stellt das am Freitag in der Stadt Anchorage geplante Treffen mit Putin als Versuch dar, einem Ende des seit rund dreieinhalb Jahre andauernden russischen Angriffskriegs nĂ€herzukommen. In diesem Zusammenhang sprach er von einem möglichen Gebietstausch zwischen der Ukraine und Russland. Am Montag versicherte Trump in Washington aber auch: "Ich werde keinen Deal machen" - dies sei nicht seine Aufgabe. Eine Waffenruhe wĂŒrde er dennoch gern sehen, fĂŒgte er hinzu.

Das Weiße Haus bestĂ€tigte, dass am Freitag ein EinzelgesprĂ€ch zwischen den beiden PrĂ€sidenten geplant sei. Selenskyj ist bisher nicht nach Alaska eingeladen. Trump kĂŒndigte an, er werde den ukrainischen PrĂ€sidenten und europĂ€ische Staats- und Regierungschefs direkt nach dem Gipfel ĂŒber das GesprĂ€ch mit Putin zu informieren. Und Trump stellte ein Treffen von Selenskyj und Putin in Aussicht: "Das nĂ€chste Treffen wird mit Selenskyj und Putin sein, oder mit Selenskyj, Putin und mir." Er bot an hinzuzukommen, sofern er bei einem Treffen der beiden benötigt werde.

Können die EuropÀer auf offene Ohren hoffen?

Trump betont immer wieder, dass die USA nicht weiter fĂŒr den ukrainischen Verteidigungskampf zahlen wollen. Auch Zusagen fĂŒr Sicherheitsgarantien zugunsten der Ukraine nach einer möglichen Waffenruhe oder gar einem Friedensschluss will der US-PrĂ€sident bisher nicht machen. Sowohl fĂŒr die Finanzierung des kĂŒnftigen Abwehrkampfes der Ukraine gegen Russland wie auch fĂŒr die Absicherung eines möglichen Waffenstillstands oder Friedens dĂŒrfte Trump also auch auf die EuropĂ€er angewiesen sein. Das könnte dazu beitragen, dass er sich deren Forderungen nicht völlig verschließt.

Was Selenskyj ausschließt

Der ukrainische PrĂ€sident schloss vor den nun anstehenden Videoschalten jegliche Entscheidungen zur Ukraine beim Alaska-Gipfel von Trump und Putin erneut aus. "Zur Ukraine können sie ohne uns nichts beschließen", sagte er der Nachrichtenagentur RBK-Ukraine zufolge in der Hauptstadt Kiew. Er hoffe, dass Trump dies bewusst sei.

Selenskyj zeigte sich zugleich ĂŒberzeugt, dass es zu einem Dreiertreffen zwischen Trump, Putin und ihm kommen werde, um den Krieg zu beenden. Er betonte auch, dass die Ukraine nicht auf ihre Gebiete im Osten verzichten wolle und könne. Der Donbass wĂŒrde Russland zu einem spĂ€teren Zeitpunkt nur als "Sprungbrett" fĂŒr einen neuen Krieg dienen, warnte Selenskyj - so wie schon die Krim als Sprungbrett fĂŒr Moskaus Angriffe gegen die SĂŒdukraine gedient habe. Bei einer Aufgabe der ukrainischen Positionen im Donbass könnten Putins Truppen spĂ€ter in Richtung Charkiw, Saporischschja und Dnipropetrowsk vorstoßen.

@ dpa.de