ROUNDUP, Bauern

Bauern setzen Proteste fort - Viele haben VerstÀndnis

10.01.2024 - 14:23:27

Blockierte Autobahn-Auffahrten, Sternfahrten und Kundgebungen: Die Bauernproteste gehen weiter, neue ZugestÀndnisse der Bundesregierung im Streit um Subventionen gibt es aber nicht.

Trotz VerkehrseinschrĂ€nkungen haben die meisten Menschen nach einer Umfrage aber VerstĂ€ndnis fĂŒr die Bauern.

In einer reprĂ€sentativen Umfrage des Instituts Yougov fĂŒr die Deutsche Presse-Agentur gaben 45 Prozent an, sie hielten die Aktionen fĂŒr voll und ganz gerechtfertigt. Weitere 27 Prozent sehen die Proteste als "eher gerechtfertigt" an. Etwa jeder fĂŒnfte Befragte ist nicht oder ĂŒberhaupt nicht damit einverstanden.

Nach einer weiteren Yougov-Umfrage war allein am Montag knapp jeder fĂŒnfte Befragte "verkehrstechnisch von den Bauernprotesten" am 8. Januar betroffen. GrĂ¶ĂŸere VersorungsengpĂ€sse stellten sich bislang nicht ein.

Aktionswoche bis Montag

Höhepunkt der Aktionswoche soll am Montag (15. Januar) eine Demonstration in Berlin sein. Auch an diesem Donnerstag sind wieder Proteste angesetzt, etwa in Frankfurt am Main, Hannover und Karlsruhe. Am Mittwoch gab es Großkundgebungen mit zahlreichen Traktoren etwa in Dresden und Augsburg. In Bremerhaven blockierten Bauern laut Hafengesellschaft Zugangsstraßen und damit den Betrieb des Containerterminals. An mehreren Orten in Deutschland versperrten Bauern auch wieder zeitweise Autobahnauffahrten.

Die Proteste der Landwirte richten sich gegen geplante SubventionskĂŒrzungen der Bundesregierung. Schrittweise abgeschafft werden soll danach die SteuerbegĂŒnstigung auf Agrardiesel. Dass die Ampelkoalition einen Teil ihrer KĂŒrzungsplĂ€ne zurĂŒckgenommen hat, reicht dem Bundesbauernverband nicht aus.

Bundesagrarminister Cem Özdemir (GrĂŒne) betonte bei einer Kundgebung im baden-wĂŒrttembergischen Ellwangen, dass er nicht mit den geplanten SubventionskĂŒrzungen fĂŒr die Landwirte einverstanden sei. Seine Worte wurden jedoch mit Buhrufen und Trillerpfeifen begleitet.

Özdemir warnt vor Spaltung

Den Zeitungen der Funke-Medienruppe (Mittwoch) sagte Özdemir: "Die Menschen auf dem Land haben das GefĂŒhl, abgehĂ€ngt zu sein." Sie sorgten sich, dass sie in einer zunehmend von StĂ€dtern dominierten Politik unter die RĂ€der kommen. "Das ist ein gefĂ€hrlicher Spaltpilz, der zu VerhĂ€ltnissen wie in den USA fĂŒhren kann: Man redet nicht mehr miteinander, man glaubt einander nicht mehr und unterstellt sich gegenseitig alles Böse dieser Welt."

BauernprÀsident Joachim Rukwied zeigte sich im ZDF-"Morgenmagazin" zufrieden mit den bisherigen Aktionen, zu denen an vielen Orten auch die Initiative Land schafft Verbindung aufgerufen hatte. "Die Proteste sind gut verlaufen, ordentlich verlaufen, wir haben die Rettungsgassen frei gehalten", sagte Rukwied. Das bisherige Entgegenkommen der Bundesregierung nannte er einen faulen Kompromiss. Die Landwirte behielten sich weitere Aktionen nach dem 15. Januar vor.

Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst schlug zur Lösung ein Gremium analog zur Kohlekommission vor. Der Bund solle eine Kommission mit allen relevanten Interessenvertretern zur Zukunft der Landwirtschaft einberufen, sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post" (Mittwoch). Die Vorsitzende der "Wirtschaftsweisen", Monika Schnitzer, unterstĂŒtzte geplante KĂŒrzungen fĂŒr Landwirte und andere Gruppen im Bundeshaushalt 2024. "Subventionsabbau wird von vielen gefordert, aber niemand hebt freiwillig die Hand, um KĂŒrzungen bei sich selbst anzubieten", sagte die Ökonomin dem Blatt.

@ dpa.de