BMW-Abfindungen: Freiwillige Ausstiege bringen teils mehr als 650.000 Euro
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie deutschen Premiumhersteller BMW und Mercedes-Benz setzen bei ihren aktuellen Spar- und UmstrukturierungsplÀnen auf kostspielige Personalprogramme. Wie aus Medienberichten hervorgeht, erreichten die freiwilligen Abfindungen bei BMW in EinzelfÀllen BetrÀge von mehr als 650.000 Euro.
Bei Mercedes-Benz konnten langjÀhrige BeschÀftigte je nach Alter und Einkommen Summen von bis zu einer halben Million Euro erzielen. Branchenkenner analysieren diese Entwicklung vor dem Hintergrund des anhaltenden Spardrucks in der deutschen Automobilindustrie.
Experten sehen hohe Folgekosten verspÀteter Anpassungen
Das AusmaĂ der Abfindungsprogramme stöĂt in der Fachwelt auf geteilte Reaktionen. Frank Schwope von der FHM Berlin betonte laut einem Bericht der Berliner Zeitung, das grundlegende Problem bestehe darin, dass die Konzerne die Situation ĂŒberhaupt so weit hĂ€tten kommen lassen.
Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut in Bochum merkte wiederum an, dass schnelles Handeln beim Umbau viel Geld koste. Um betriebsbedingte KĂŒndigungen zu vermeiden und PersonalkĂŒrzungen rasch umzusetzen, greifen die Autobauer daher tief in die Kasse.
Vorzeitiges Anmeldeende nach starker Nachfrage bei BMW
Bei BMW stieĂ das freiwillige Programm auf enormes Interesse. Der Konzern schloss die Anmeldephase nach knapp drei Wochen vorzeitig ab, da die intern festgelegte ZielgröĂe bereits erreicht war. SchĂ€tzungen gehen von rund 5.000 Teilnehmenden aus.
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Der MĂŒnchener Autobauer, der weltweit rund 154.000 BeschĂ€ftigte zĂ€hlt, plant bis Ende 2027 den Abbau von rund 8.000 Stellen, von denen mehr als die HĂ€lfte auf Standorte in Deutschland entfallen soll.
Der Abbau betrifft ausschlieĂlich indirekte Bereiche auĂerhalb der Produktion, etwa Verwaltung, Planung sowie Forschung und Entwicklung. Rund 40.000 BeschĂ€ftigte in Deutschland erhielten ein entsprechendes Angebot.
BMW stellte fĂŒr das Programm gut eine Milliarde Euro zurĂŒck, wobei bereits im laufenden Jahr Kosten im dreistelligen Millionenbereich anfallen. Ab 2028 peilt das Management jĂ€hrliche Einsparungen von rund einer Milliarde Euro an. Die Höhe der EntschĂ€digungen orientiert sich an Betriebszugehörigkeit und Gehalt, wobei die MaximalbetrĂ€ge bei ĂŒber 650.000 Euro liegen.
Mercedes-Benz weitet Angebote auf Werke und Verwaltung aus
Auch Mercedes-Benz reorganisiert seine Belegschaft und reaktiviert ab Dezember erneut sein Freiwilligenprogramm fĂŒr indirekte Arbeitsbereiche bis Ende September des Folgejahres. Das Angebot richtet sich an BeschĂ€ftigte mit mindestens drei Jahren Betriebszugehörigkeit, vor allem in Finanzen, Verwaltung und Entwicklung.
In frĂŒheren Runden erhielten langjĂ€hrige Angestellte ab 45 Jahren Abfindungen von 30 MonatsgehĂ€ltern plus 22.500 Euro, womit inklusive Bonuszahlungen BetrĂ€ge von ĂŒber 300.000 Euro und bei Ă€lteren KrĂ€ften fast eine halbe Million Euro möglich waren.
ZusĂ€tzlich bietet der Stuttgarter Konzern in den Komponentenwerken Stuttgart-UntertĂŒrkheim und Berlin Abfindungen von bis zu 330.000 Euro fĂŒr freiwillig ausscheidende Fertigungsmitarbeiter an.
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Ziel des Konzerns ist es, jĂ€hrlich rund 800 Millionen Euro einzusparen und die Zahl der LeiharbeitskrĂ€fte in Deutschland um mehrere Tausend zu reduzieren, wĂ€hrend die BeschĂ€ftigungssicherung fĂŒr StammkrĂ€fte noch rund zehn Jahre lĂ€uft.
Hintergrund der SparmaĂnahmen ist auch das schwierige Marktumfeld: Von Juli bis September ging der Absatz von Mercedes-Benz auf dem chinesischen Markt im Vorjahresvergleich um 31 Prozent zurĂŒck.
Arbeitsgerichte bestĂ€tigen Spielregeln fĂŒr Abfindungsverfahren
Die rechtlichen Rahmenbedingungen solcher Massenprogramme beschĂ€ftigten bereits mehrfach die Gerichte. Das Landesarbeitsgericht DĂŒsseldorf bestĂ€tigte, dass das Prinzip einer Vergabe nach Eingang der Meldung rechtens ist, nachdem ein Teamleiter eine mögliche Abfindung von 298.777 Euro verpasst hatte, weil seine Anmeldung nach sieben Minuten und 38 Sekunden einging.
Das Landesarbeitsgericht Köln wies die Klage eines Mitarbeiters ab, der eine summe von 110.587,62 Euro erhalten hatte und nachtrĂ€glich die Anwendung spĂ€ter eingefĂŒhrter, gĂŒnstigerer Konditionen einforderte.
