ROUNDUP, Experten

Zustand vieler Böden schlecht - Experten fordern mehr Schutz

09.01.2024 - 12:39:50

Böden können große Mengen Kohlenstoff speichern, sie reinigen Wasser, sind wichtiger NĂ€hrstofflieferant fĂŒr Pflanzen und unerlĂ€sslich fĂŒr die ErnĂ€hrung der Weltbevölkerung.

Damit diese wichtigen Funktionen erhalten bleiben, muss ihr Schutz Experten zufolge dringend vorangetrieben werden. Durch FlĂ€chenversiegelungen, intensive Landwirtschaft und Klimawandel seien viele Böden in einem schlechten Zustand, heißt es im am Dienstag in Berlin vorgestellten "Bodenatlas".

Herausgeber sind die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der TMG Think Tank for Sustainability. Stiftung und BUND geben jĂ€hrlich einen Atlas zu einem bestimmten Thema heraus, der der Wissensvermittlung dienen soll.

Insgesamt gelten den Herausgebern zufolge allein in der EuropÀischen Union mehr als 60 Prozent der Böden als geschÀdigt. 50 bis 80 Prozent der Böden weltweit hÀtten ihren Humusgehalt verloren, sagte Imme Scholz, VorstÀndin der Heinrich-Böll-Stiftung, am Dienstag in Berlin. Humus wird die fein zersetzte organische Substanz in Böden genannt. Er beeinflusst die BodenqualitÀt, stellt NÀhrstoffe bereit und fördert die Bodenstruktur.

Pro Hektar könnten im Boden bis zu 15 Tonnen Kleinlebewesen vorhanden sein, sagte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt. Die Artenvielfalt sei enorm. Besonders schĂ€dlich sei es, dass in Deutschland tĂ€glich 55 Hektar Land fĂŒr Siedlungsbau oder VerkehrsflĂ€chen verloren gingen. Das entspricht etwas mehr als der FlĂ€che der Vatikanstadt. Betroffen sind laut Bandt landwirtschaftliche Böden, Waldböden und Naturschutzböden.

Durch die Bebauung könnten Böden kein Wasser mehr aufnehmen oder atmen, wodurch die biologische Vielfalt schwinde und die AnfĂ€lligkeit fĂŒr Hochwasser und DĂŒrren steige. Das kann laut Scholz verheerende Folgen haben, wie derzeit an der Hochwasserkatastrophe in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen zu sehen sei. Zwar habe die Umwandlung von fruchtbarem Boden in Siedlungs- und StrukturflĂ€che seit der Veröffentlichung des vorherigen "Bodenatlas" im Jahr 2015 abgenommen, sagte Jes Weigelt, stellvertretender GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Think Tank. Trotzdem sei die Zahl neuversiegelter FlĂ€chen immer noch "deutlich zu hoch".

Kritisch zu sehen ist laut "Bodenatlas" auch die Bildung von WĂŒsten. Davon spricht man, wenn Böden so geschĂ€digt sind, dass sie ihre Funktionen schlechter oder gar nicht mehr erfĂŒllen können. "13 Mitgliedstaaten der EU geben mittlerweile an, von WĂŒstenbildung betroffen zu sein", sagte Scholz. Das seien nicht nur LĂ€nder im Mittelmeerraum, sondern auch LĂ€nder wie Ungarn oder Bulgarien.

Böden können Experten zufolge mehr Kohlenstoff speichern als WĂ€lder und sind wichtiger Lebensraum fĂŒr viele Tiere. Mindestens ein Viertel aller Lebewesen der Erde bewohnen Böden, wie im "Bodenatlas" erklĂ€rt wird. "Böden sind lebenswichtig fĂŒr die Anpassung an den Klimawandel", sagte Scholz. Demnach nehmen gesunde Böden mit einer ausgeglichenen Porenstruktur Wasser wie ein Schwamm Wasser auf und geben es bei Bedarf wieder ab. "Wesentlich ist, dass die Böden durch die Landwirtschaft geschont werden, damit sie diese Funktion erfĂŒllen können."

Als Beispiele fĂŒr effektiven Bodenschutz in der Landwirtschaft nennt Bandt den Anbau von ZwischenfrĂŒchten, den Verzicht auf Pestizide und das Pflanzen von Hecken. Sie schĂŒtzten AckerflĂ€chen vor Erosion - dem Verlust von Boden durch Wind oder Wasser - und förderten die BiodiversitĂ€t. Die Herausgeber des Atlas fordern, Boden gleichrangig mit den gesetzlich verankerten SchutzgĂŒtern Wasser und Luft zu behandeln. Zudem brauche es auf europĂ€ischer Ebene ein eigenstĂ€ndiges Bodenschutzrecht.

@ dpa.de