Kfz-Gewerbe warnt: Eigenzulassungen tĂ€uschen ĂŒber E-Auto-Flaute hinweg
18.08.2025 - 09:21:59"Die GeschĂ€ftssituation vieler AutohĂ€user und Kfz-Betriebe ist deutlich angespannter, als es die offizielle Zulassungsstatistik vermuten lĂ€sst. Die wachsende Zahl an BEV-Neuzulassungen tĂ€uscht ĂŒber die RealitĂ€t im Handel hinweg", erklĂ€rt ZDK-PrĂ€sident Thomas Peckruhn. "Was statistisch als Erfolg erscheint, ist in der RealitĂ€t hĂ€ufig das Ergebnis von Eigenzulassungen durch Hersteller und HĂ€ndler, FlottengeschĂ€ften oder taktischen MaĂnahmen - nicht aber von echten Kundennachfragen im Handel."
ZDK-Umfrage kontrastiert KBA-Zahlen
Laut ZDK-Konjunkturumfrage haben die Bestellungen von BEV und Plug-in-Hybriden seit Jahresbeginn sowohl im Privat- als auch im Flottenbereich trotz steigender Erstzulassungen an Dynamik verloren. Die Zulassungsstruktur des KBA zeigt, dass die BEV-Wachstumsraten ĂŒberzeichnet sind: Im ersten Halbjahr 2025 haben sich die Eigenzulassungen batterieelektrischer Autos durch Hersteller und Handel im Vergleich zum selben Zeitraum im Jahr 2023 mehr als verdoppelt - auf 65.401 Fahrzeuge. Allein die Eigenzulassungen der Hersteller haben sich in zwei Jahren vervierfacht. Gleichzeitig ging die Zahl privater BEV-Neuzulassungen um 9 % auf 82.294 Fahrzeuge zurĂŒck. Auch bei Hinzunahme der jĂŒngst vom KBA veröffentlichten Julizahlen Ă€ndert sich dieses Bild kaum. Ein Vergleich der kumulierten Zulassungen von Januar bis Juli der Jahre 2023 und 2025 zeigt, dass die gewerblichen Zulassungen von rein batterieelektrischen Fahrzeugen um 0,8 % geschrumpft sind, wenn die Eigenzulassungen der Hersteller und HĂ€ndler herausgerechnet werden. Die privaten Neuzulassungen im gleichen Zeitraum liegen um 4,8 % hinter 2023 zurĂŒck.
"Das ist ein klares Warnsignal. Die Politik nimmt diese Absatzkrise nicht wahr, weil sie nur auf die Entwicklung der amtlichen Zulassungszahlen schaut", betont Peckruhn. "Wenn wir die ElektromobilitĂ€t dauerhaft im Markt verankern wollen, brauchen wir jetzt gezielte Anreize - insbesondere fĂŒr Privatkunden. Superabschreibungen und höhere ListenpreissĂ€tze fĂŒr die ermĂ€Ăigte Dienstwagensteuer fĂŒr Elektrofahrzeuge wirken nur bei den gewerblichen Zulassungen. Ohne neue Impulse wird keine Trendwende erreicht."
Klare Erwartungen an die Politik
Vier von fĂŒnf befragten Betrieben bewerten die bisherigen MaĂnahmen der Bundesregierung zur Förderung der ElektromobilitĂ€t als unzureichend. Je gröĂer der Betrieb, desto ausgeprĂ€gter die Kritik - besonders Unternehmen mit vielen BeschĂ€ftigten fordern ein entschlosseneres politisches Handeln. Ganz oben auf der Wunschliste der Kfz-Branche: sinkende Strompreise, ein schnellerer Ausbau der Ladeinfrastruktur und mehr Transparenz bei den Ladetarifen - mit deutlichem Abstand die Top-Forderungen an die Politik.
"Die Umfrageergebnisse sprechen eine klare Sprache: Wir brauchen dringend eine breitangelegte Förderung insbesondere privater Elektroautos, die den Namen auch verdient. Das wĂ€re mindestens die versprochene Senkung der Stromsteuer und der Netzentgelte fĂŒr alle Konsumenten. Die aktuellen MaĂnahmen der Koalition sind unzureichend und einseitig nur auf hochpreisige E-Dienstwagen ausgerichtet", so Peckruhn. "Unsere Betriebe investieren seit ĂŒber zehn Jahren in Ausbildung und AusrĂŒstung fĂŒr E-MobilitĂ€t. Wir geraten ökologisch, technologisch und wirtschaftlich ins Hintertreffen, wenn diese Technologie jetzt nicht hochlĂ€uft."
Klar ist: Seit dem Wegfall der staatlichen Förderung fĂŒr Elektrofahrzeuge Ende 2023 ist der Marktanteil batterieelektrischer Fahrzeuge nur leicht gestiegen. FĂŒr den Wandel zur klimaneutralen MobilitĂ€t reicht das nicht aus.
Peckruhn warnt: "Um die CO2''-Flottenziele bis 2035 zu erreichen, brÀuchten wir bereits jetzt rund 100.000 zusÀtzliche BEV-Neuzulassungen, um einen Marktanteil von etwa 25 % bei den Neuzulassungen zu erreichen. Davon sind wir weit entfernt. Seit dem Förderaus der Ampelkoalition kommt die Marktdurchdringung mit E-Fahrzeugen nur noch schleppend voran."
Umsatzentwicklung im 2. Halbjahr: gröĂere Betriebe pessimistisch
Bei den Umsatzerwartungen fĂŒr das zweite Halbjahr zeigt die Umfrage ein klares Muster: 54% der gröĂeren Betriebe blicken pessimistischer ("schlechter" und "eher schlechter") auf die Entwicklung bis Jahresende - deutlich mehr als bei den mittleren (44%) und kleineren Unternehmen (38%). FĂŒr seine Halbjahresumfrage hat der ZDK bis zum 2. Juli rund 500 AutohĂ€user und Kfz-Betriebe interviewt - von kleineren Betrieben mit bis zu 15 BeschĂ€ftigten ĂŒber mittlere (16-50) bis hin zu gröĂeren Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden.
Beim Blick nach vorn liegen die kleineren Betriebe vorn: 23% rechnen mit einer "besseren" oder "eher besseren" Umsatzentwicklung, gefolgt von 19% der mittleren und 17% der gröĂeren Unternehmen. Dies wiederum dĂŒrfte im Fokus der kleineren Betriebe liegen, die primĂ€r allein aus dem WerkstattgeschĂ€ft ihre Wertschöpfung beziehen, wĂ€hrend bei gröĂeren Unternehmen des Kfz-Gewerbes die Skaleneffekte aus den AutoverkĂ€ufen der Umsatz- und Ergebnistreiber ist. Unterm Strich haben jedoch mit 44% der befragten Betriebe ihre Umsatzerwartungen zurĂŒckgeschraubt, und nur 20% sind optimistischer - ein klarer Indikator fĂŒr die angespannte Lage im Autohandel.
"Viele HĂ€ndler sind zurĂŒckhaltend, was die kommenden Monate angeht", so Peckruhn. "Vor allem die nach wie vor bestehende politische Unsicherheit in Sachen E-MobilitĂ€t, aber auch die ZurĂŒckhaltung der Kundinnen und Kunden in wirtschaftlich unsicheren Zeiten machen sich bemerkbar."
Skepsis wĂ€chst mit BetriebsgröĂe
GröĂere Betriebe sehen die aktuelle GeschĂ€ftslage mit wachsender Skepsis - 55% bewerten sie "schlechter" oder "eher schlechter" im Vergleich zu Jahresbeginn. In mittleren Betrieben liegt der Anteil der Pessimisten bei 46%, bei den kleineren bei 34%. Auch dank der vergleichsweisen guten Konjunkturlage fĂŒr WerkstĂ€tten sind kleinere und mittlere Betriebe zuversichtlicher: 22% der kleineren und 19% der mittleren Unternehmen sehen eine Verbesserung ihrer GeschĂ€ftssituation - unter den gröĂeren Betrieben sind es lediglich 15%.
Bei Neufahrzeugbestellungen von Benzin- und Dieselmodellen zeigt sich laut Umfrage ein weitgehend stabiles Bild im Vergleich zum Jahresbeginn. Anders als bei BEV und PHEV bleibt die Spannbreite zwischen positiven und negativen EinschĂ€tzungen relativ konstant - lediglich im Gewerbe- und Flottensegment ist eine leichte EintrĂŒbung erkennbar.
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