Tierhaltung, Industrie

DVT: Mischfutterproduktion wĂ€chst, Herausforderungen bleiben / Geopolitische Krisen und regulatorische Anforderungen fĂŒhren zu volatilen Rahmenbedingungen

17.03.2026 - 12:42:45 | presseportal.de

Bonn - Die Futtermittelwirtschaft sieht sich aktuell mit einer Phase hoher Unsicherheit konfrontiert. Geopolitische Konflikte, volatile RohstoffmĂ€rkte und neue regulatorische Anforderungen wirken gleichzeitig auf MĂ€rkte und Lieferketten. In diesem Umfeld gewinnen stabile Handelsstrukturen und verlĂ€ssliche politische Rahmenbedingungen besondere Bedeutung. Der Deutsche Verband Tiernahrung e.V. (DVT) informierte ĂŒber die Entwicklung der deutschen Mischfutterproduktion auf seiner Jahrespressekonferenz am Dienstag.

DVT: Mischfutterproduktion wĂ€chst, Herausforderungen bleiben / Geopolitische Krisen und regulatorische Anforderungen fĂŒhren zu volatilen Rahmenbedingungen - Foto: presseportal.de
DVT: Mischfutterproduktion wĂ€chst, Herausforderungen bleiben / Geopolitische Krisen und regulatorische Anforderungen fĂŒhren zu volatilen Rahmenbedingungen - Foto: presseportal.de

Entwicklung der Mischfutterproduktion

"Die Mischfutterproduktion konnte im Kalenderjahr 2025 nach dem AbwÀrtstrend nunmehr bereits zum zweiten Mal wieder zulegen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Mischfutterproduktion von 21,8 auf rund 22,5 Millionen Tonnen, das sind 640 Tausend Tonnen Zuwachs, also 2,9 Prozent mehr", konstatiert DVT-PrÀsident Cord Schiplage auf der Jahrespressekonferenz des DVT.

Der Produktionsanstieg zeigte sich bei nahezu allen Tierarten. Besonders deutlich fiel der Zuwachs auf insgesamt 6,7 Millionen Tonnen (+ 250.000 Tonnen) beim Rinderfutter aus, und dies bei einem weiter sinkenden Rinderbestand. Das Schweinefutter stellt weiterhin den grĂ¶ĂŸten Anteil an der gesamten Mischfutterproduktion und erreicht rund 37 Prozent. Der Zuwachs bei weiter reduziertem Mastschweinebestand und gestiegener Anzahl von Jungschweinen betrug 1,57 Prozent auf 8,4 Millionen Tonnen. Bei Mineralfuttermitteln setzte sich die positive Entwicklung fort. Die Produktion erhöhte sich auf 644.000 Tonnen (+ 5,3 Prozent). Den grĂ¶ĂŸten Anteil hatte Mineralfutter fĂŒr Rinder mit einem Zuwachs von 5,5 Prozent auf 427.000 Tonnen. Mineralfutter fĂŒr Schweine stieg um 4,1 Prozent.

Die bekannte Konzentration der tierischen Veredlung in der Region Nord* trÀgt mit rund 72 Prozent der Gesamtentwicklung zum Ergebnis bei (+2,6 Prozent zum Vorjahr). In der Region Ost wurde dagegen lediglich ein geringer Anstieg registriert. Dies spiegelt die strukturelle Entwicklung der Tierhaltung in den ostdeutschen BundeslÀndern wider.

Geopolitische Risiken und drohende AbhÀngigkeit

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Futtermittelwirtschaft werden zunehmend von geopolitischen Entwicklungen beeinflusst. Internationale Konflikte und politische Spannungen wirken sich auf Energiepreise, Logistik und Lieferketten aus. Schiplage betont: "Insbesondere Produkte, die in Asien hergestellt und ĂŒber internationale Seehandelsrouten nach Europa transportiert werden, könnten bei einer weiteren Eskalation von Verzögerungen oder Preissteigerungen betroffen sein. FĂŒr Mischfutterhersteller bestĂ€tigt sich damit die zusĂ€tzliche Unsicherheit bei der Versorgung mit wichtigen Zusatzstoffen wie Vitaminen oder AminosĂ€uren." Die hohe AbhĂ€ngigkeit der EuropĂ€ischen Union von Importen wichtiger Zusatzstoffe ist fĂŒr den DVT Anlass, bei der EU-Kommission Maßnahmen zur Steigerung der AttraktivitĂ€t einer Produktion in Europa zu fordern. Bei der AminosĂ€ure Lysin liegt die ImportabhĂ€ngigkeit der EU bei ĂŒber 95 Prozent. Bei Vitaminen betrĂ€gt sie je nach Produkt zwischen 60 und mehr als 70 Prozent. Schiplage warnt: "Ein Mangel an Vitaminen oder AminosĂ€uren könnte die Tiergesundheit beeintrĂ€chtigen, Leistung und Reproduktion verringern und langfristig die europĂ€ische Produktion von tierischen Lebensmitteln gefĂ€hrden."

Auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bleibt ein prĂ€gender Faktor fĂŒr die internationalen AgrarmĂ€rkte. Die Exportströme von Getreide und Ölsaaten bewegen sich derzeit weitgehend im normalen Rahmen, jedoch kommt es zeitweise zu EinschrĂ€nkungen bei einzelnen Rohstoffen. "Wir sind weiterhin besorgt ĂŒber das Risiko von Lieferkettenstörungen in wichtigen TeilmĂ€rkten, insbesondere "non-GM" und Bio-Soja fĂŒr Futtermittel, die aus Regionen wie Indien, China und Westafrika (Nigeria) stammen", fĂŒhrt Schiplage aus.

Regulierung und BĂŒrokratiebelastung

Neben geopolitischen Entwicklungen stellen auch regulatorische Vorgaben eine wachsende Herausforderung fĂŒr die Futtermittelwirtschaft dar. Dazu zĂ€hlen unter anderem europĂ€ische Nachhaltigkeitsregelungen wie die Verordnung ĂŒber entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) sowie verschiedene Berichtspflichten im Bereich Nachhaltigkeit. Futtermittelhersteller sehen sich dadurch mit zusĂ€tzlichen Anforderungen an Dokumentation, RĂŒckverfolgbarkeit und Lieferkettenmanagement konfrontiert. Die europĂ€ische Futtermittelindustrie schĂ€tzt die zusĂ€tzlichen Kosten der Beschaffung von Soja auf rund 1,6 Milliarden Euro fĂŒr den Verwaltungsaufwand.

"Uns ist aber wichtig, eine erneute Verschiebung der Anwendung der Verordnung zu vermeiden. Stattdessen mĂŒssen die noch bestehenden Probleme konsequent und zeitnah gelöst werden, damit die EUDR planbar, praktikabel und rechtssicher umgesetzt werden kann und zugleich das gemeinsame Ziel entwaldungsfreier Lieferketten erreicht wird", fĂŒhrt DVT-PrĂ€sident Schiplage aus und verweist damit auf die erste PrioritĂ€t.

Der DVT fordert eine praxisnahe Ausgestaltung der Regelwerke sowie eine Reduzierung bĂŒrokratischer Belastungen. Ziel ist es, die WettbewerbsfĂ€higkeit der Unternehmen zu erhalten und gleichzeitig die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Transparenz umzusetzen. "Ein schlanker, effizienter BĂŒrokratieapparat kommt den Unternehmen und damit der gesamten Branche zugute und stĂ€rkt die Innovations-kraft, aber auch Dynamik der landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten. Zudem sehen wir darin ein hohes Potential, Ressourcen zu sparen, die an anderer Stelle dem Wirtschaftswachstum zugutekommen können", so Schiplage abschließend.

WeiterfĂŒhrende Informationen

Die dargestellten Produktionszahlen basieren auf den von der Bundesanstalt fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft (BLE) erhobenen und veröffentlichten Daten zur Mischfutterproduktion in Deutschland fĂŒr das Kalenderjahr 2025. Weitere Informationen zur Entwicklung der Futtermittelwirtschaft sowie detaillierte Daten zur Mischfutterproduktion entnehmen Sie den beigefĂŒgten Charts.

Über den DVT

Der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. (DVT) vertritt als unabhĂ€ngiger Wirtschaftsverband die Interessen der Unternehmen, die Futtermittel, Vormischungen und Zusatzstoffe fĂŒr Nutz- und Heimtiere herstellen, lagern und damit handeln.

*Region Nord: Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen / Region SĂŒd: Baden-WĂŒrttemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland / Region Ost: Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, ThĂŒringen

Pressekontakt:

Deutscher Verband Tiernahrung e. V. (DVT)
Mark Jungbluth | Pressesprecher

Beueler Bahnhofsplatz 18 | 53225 Bonn
Telefon: +49 228 97568-23 | mobil: +49 178 6387828 |
jungbluth@dvtiernahrung.de | www.dvtiernahrung.de
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Original-Content von: Deutscher Verband Tiernahrung e.V. (DVT) ĂŒbermittelt durch news aktuell

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