Verhandlungen ĂŒber Klimafinanzierung stecken fest
13.06.2024 - 14:45:35(Neu: Reaktion der Bundesregierung)
BONN (dpa-AFX) - Eine zehntÀgige UN-Klimakonferenz in Bonn hat keinen Durchbruch in der strittigen Frage der Klimafinanzierung erzielt. Zwar konnte der Beschlussentwurf bis Donnerstag von 65 auf 35 Seiten gestrafft werden, doch darin werden im Wesentlichen die Maximalforderungen beider Seiten wiederholt.
Seit 2009 gibt es das Ziel, dass die IndustrielĂ€nder jedes Jahr Milliardenhilfen fĂŒr KlimaschutzmaĂnahmen der Ă€rmeren LĂ€nder bereitstellen sollen. Dies wurde 2015 im Pariser Klimaabkommen bestĂ€tigt und bis 2025 verlĂ€ngert. 2022 wurde erstmals die angestrebte Summe von jĂ€hrlich 100 Milliarden US-Dollar erreicht. Doch nun ist die Frage, wie es nach 2025 weitergehen soll. Die nĂ€chste Weltklimakonferenz im November in Baku (COP29) soll hierzu einen konkreten Beschluss fassen. Dieser sollte in Bonn bereits vorbereitet werden.
Die IndustrielĂ€nder fordern unter anderem, dass die arabischen LĂ€nder kĂŒnftig ebenfalls fĂŒr die Ă€rmeren mitbezahlen. Die BegrĂŒndung dafĂŒr ist, dass diese LĂ€nder einerseits auch maĂgeblich zur Klimabelastung beitragen, etwa durch Ălförderung, und andererseits auch ĂŒber den entsprechenden Wohlstand verfĂŒgen, um andere unterstĂŒtzen zu können.
Die Klima-StaatssekretĂ€rin im AuswĂ€rtigen Amt, Jennifer Morgan, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Klimafinanzierung und andere strittige Fragen hĂ€tten in Bonn erwartungsgemÀà nicht abschlieĂend beantwortet werden können. "Aber es liegen uns nun Optionen vor, ĂŒber die wir nun auch in politischen Austausch treten werden." Bis zur Weltklimakonferenz in Baku sei es jetzt entscheidend, Fortschritte zu erzielen: "Wir brauchen eine neue Herangehensweise an die Klimafinanzierung und nachhaltige Wirtschaftsplanung weltweit", so Morgan.
Vertreter von Umweltschutzorganisationen Ă€uĂerten sich enttĂ€uscht. "Besorgniserregend waren die unermĂŒdlichen Versuche der IndustrielĂ€nder, ihre bestehenden Verpflichtungen zur UnterstĂŒtzung einkommensschwacher LĂ€nder zu schwĂ€chen", kommentierte der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig. Damit bis Baku ein robuster Beschlussentwurf entstehen könne, mĂŒssten die Verhandlungen nun auch auf Ministerebene gefĂŒhrt werden. "Wenn die aserbaidschanische COP-PrĂ€sidentschaft hier zu spĂ€t agiert, droht Baku an der Frage der Finanzierung zu scheitern", warnte Kowalzig.
Auch der Germanwatch-Klimaexperte David Ryfisch kritisierte: "Der Verhandlungsfortschritt zum neuen Klimafinanzierungsziel fĂ€llt deutlich zu gering aus, um beim Weltklimagipfel nicht nur bei einem Minimal-Kompromiss zu landen." Die aserbaidschanische PrĂ€sidentschaft mĂŒsse das Heft des Handelns jetzt in die Hand nehmen: "Nur Minister und Ministerinnen können die schwierigen politischen Konflikte auflösen", so Ryfisch. "Bis dahin werden die Verhandlungsparteien weiter mit verdeckten Karten spielen."
WĂ€hrend der Konferenz waren neue Daten zur KlimaerwĂ€rmung veröffentlicht worden. So teilte der EU-Klimawandeldienst Copernicus mit, dass seit nun schon einem Jahr jeder einzelne Monat der weltweit wĂ€rmste seit Aufzeichnungsbeginn sei. Der Mai war demnach der zwölfte Monat in Folge, in dem die globale Durchschnittstemperatur einen Rekordwert fĂŒr den jeweiligen Monat erreichte. StaatssekretĂ€rin Morgan sagte: "Die Ăberschwemmungen in SĂŒddeutschland zeigen: Wir mĂŒssen uns alle besser auf Ăberflutungen, DĂŒrren, Hitzewellen und WaldbrĂ€nde vorbereiten." Dies gelte insbesondere fĂŒr die verletzlichsten EntwicklungslĂ€nder.

