ROUNDUP, Verhandlungen

Verhandlungen ĂŒber Klimafinanzierung stecken fest

13.06.2024 - 16:17:31

BONN - Eine zehntÀgige UN-Klimakonferenz in Bonn hat keinen Durchbruch in der strittigen Frage der Klimafinanzierung erzielt.

(neu: Reaktion BUND)

BONN (dpa-AFX) - Eine zehntÀgige UN-Klimakonferenz in Bonn hat keinen Durchbruch in der strittigen Frage der Klimafinanzierung erzielt. Zwar konnte der Beschlussentwurf bis Donnerstag von 65 auf 35 Seiten gestrafft werden, doch darin werden im Wesentlichen die Maximalforderungen beider Seiten wiederholt.

Seit 2009 gibt es das Ziel, dass die IndustrielĂ€nder jedes Jahr Milliardenhilfen fĂŒr Klimaschutzmaßnahmen der Ă€rmeren LĂ€nder bereitstellen sollen. Dies wurde 2015 im Pariser Klimaabkommen bestĂ€tigt und bis 2025 verlĂ€ngert. 2022 wurde erstmals die angestrebte Summe von jĂ€hrlich 100 Milliarden US-Dollar erreicht. Doch nun ist die Frage, wie es nach 2025 weitergehen soll. Die nĂ€chste Weltklimakonferenz im November in Baku (COP29) soll hierzu einen konkreten Beschluss fassen. Dieser sollte in Bonn bereits vorbereitet werden.

Die IndustrielĂ€nder fordern unter anderem, dass die arabischen LĂ€nder kĂŒnftig ebenfalls fĂŒr die Ă€rmeren mitbezahlen. Die BegrĂŒndung dafĂŒr ist, dass diese LĂ€nder einerseits auch maßgeblich zur Klimabelastung beitragen, etwa durch Ölförderung, und andererseits auch ĂŒber den entsprechenden Wohlstand verfĂŒgen, um andere unterstĂŒtzen zu können.

Die Klima-StaatssekretĂ€rin im AuswĂ€rtigen Amt, Jennifer Morgan, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Klimafinanzierung und andere strittige Fragen hĂ€tten in Bonn erwartungsgemĂ€ĂŸ nicht abschließend beantwortet werden können. "Aber es liegen uns nun Optionen vor, ĂŒber die wir nun auch in politischen Austausch treten werden." Bis zur Weltklimakonferenz in Baku sei es jetzt entscheidend, Fortschritte zu erzielen: "Wir brauchen eine neue Herangehensweise an die Klimafinanzierung und nachhaltige Wirtschaftsplanung weltweit", so Morgan.

Vertreter von Umweltschutzorganisationen Ă€ußerten sich enttĂ€uscht. "Diese Woche ertönt in Deutschland der Anpfiff zur Fußball-Europameisterschaft, doch der Anpfiff zu einer erfolgreichen Klimakonferenz in Aserbaidschan im November blieb leider aus", kritisierte Susann Scherbarth vom Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Nach den technischen Zwischenverhandlungen in Bonn sind viele politische Fragen offen." Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig bezeichnete es als "besorgniserregend", dass die IndustrielĂ€nder unermĂŒdlich versucht hĂ€tten, ihre bestehenden Verpflichtungen zur UnterstĂŒtzung einkommensschwacher LĂ€nder zu schwĂ€chen. Damit bis Baku ein robuster Beschlussentwurf entstehen könne, mĂŒssten die Verhandlungen nun auch auf Ministerebene gefĂŒhrt werden: "Wenn die aserbaidschanische COP-PrĂ€sidentschaft hier zu spĂ€t agiert, droht Baku an der Frage der Finanzierung zu scheitern", warnte Kowalzig.

Auch der Germanwatch-Klimaexperte David Ryfisch bewertete den in Bonn erzielten Verhandlungsfortschritt als "deutlich zu gering". Die aserbaidschanische PrĂ€sidentschaft mĂŒsse das Heft des Handelns jetzt in die Hand nehmen: "Nur Minister und Ministerinnen können die schwierigen politischen Konflikte auflösen", so Ryfisch. "Bis dahin werden die Verhandlungsparteien weiter mit verdeckten Karten spielen."

WĂ€hrend der Konferenz waren neue Daten zur KlimaerwĂ€rmung veröffentlicht worden. So teilte der EU-Klimawandeldienst Copernicus mit, dass seit nun schon einem Jahr jeder einzelne Monat der weltweit wĂ€rmste seit Aufzeichnungsbeginn sei. Der Mai war demnach der zwölfte Monat in Folge, in dem die globale Durchschnittstemperatur einen Rekordwert fĂŒr den jeweiligen Monat erreichte. StaatssekretĂ€rin Morgan sagte: "Die Überschwemmungen in SĂŒddeutschland zeigen: Wir mĂŒssen uns alle besser auf Überflutungen, DĂŒrren, Hitzewellen und WaldbrĂ€nde vorbereiten." Dies gelte insbesondere fĂŒr die verletzlichsten EntwicklungslĂ€nder.

@ dpa.de

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