Bosch in Abstatt: 750 Stellen sollen bis Ende 2029 wegfallen
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Technologie- und Zuliefererkonzern Bosch setzt den Rotstift bei seiner Mobilitätssparte weiter an. Wie das Unternehmen bestätigte, sollen am Entwicklungsstandort Abstatt im Landkreis Heilbronn bis Ende 2029 rund 750 Stellen im Geschäftsbereich Vehicle Motion wegfallen. Betroffen ist damit etwa jeder siebte der rund 5.300 dort beschäftigten Mitarbeiter.
Verlagerung von Entwicklungsaufgaben nach Asien
Die Belegschaft in Abstatt wurde an einem Dienstagabend über die Pläne in Kenntnis gesetzt. Das Unternehmen begründete den Schritt mit einer stagnierenden weltweiten Fahrzeugproduktion, einer rückläufigen Nachfrage in Europa sowie erheblichem Preisdruck durch asiatische Wettbewerber.
Zudem verlagern sich technologische Schwerpunkte zunehmend in Auslandsmärkte. Neue Technologien wie Steer-by-Wire und Brake-by-Wire werden verstärkt zuerst bei chinesischen Kunden eingeführt und gemeinsam mit dem dortigen Entwicklungsstandort vorangetrieben. Bereichsfinanzvorstand Mohammed Abraham erklärte hierzu, dass kundennahe Aufgaben am Standort Abstatt dadurch entfielen.
Andere Bereiche am Standort bleiben von den aktuellen Kürzungsplänen ausgenommen: Für die Sparte Cross-Domain Computing Solutions sowie für die Bosch Engineering GmbH sind im Rahmen dieser Maßnahme keine Einschnitte vorgesehen. Bei der Bosch Engineering GmbH war allerdings bereits im Juli 2025 der weltweite Abbau von bis zu 460 Arbeitsplätzen angekündigt worden, darunter rund 380 in Abstatt und Holzkirchen.
Konfliktpotenzial bei Beschäftigungssicherung
Bosch kündigte an, den geplanten Personalabbau in Abstatt möglichst sozialverträglich zu gestalten. Konkrete Angaben dazu, wie sich der Abbau auf einzelne Teams verteilt oder in welchem Umfang Fluktuation, Altersteilzeit und Abfindungen zum Tragen kommen sollen, machte das Unternehmen nicht.
Die Umsetzung bis Ende 2029 birgt arbeitsrechtliches Konfliktpotenzial: Zwar hatten die IG Metall und der Gesamtbetriebsrat im Jahr 2023 betriebsbedingte Kündigungen für den Bereich Mobility bis Ende 2027 ausgeschlossen, der nun vorgesehene Zeitplan reicht jedoch über dieses Datum hinaus.
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Hoher Spardruck in der deutschen Mobilitätssparte
Die Maßnahmen in Abstatt fügen sich in einen umfassenden Spar- und Umbaukurs des Zulieferers ein. Konzernweit besteht seit September 2025 eine jährlich Kostenlücke von rund 2,5 Milliarden Euro; bis Ende 2030 plant Bosch den Abbau von rund 13.000 Stellen, vor allem in Deutschland.
Mit den zusätzlichen Einschnitten in Abstatt beläuft sich die Zahl der seit 2024 angekündigten Stellenstreichungen in der deutschen Mobilitätssparte auf knapp 24.000 geplante Arbeitsplätze. Eine Unternehmenssprecherin sprach von mehr als 23.000 wegfallenden Stellen über unterschiedliche Zeiträume hinweg.
Bereits im September 2026 kündigte der Konzern an, am Standort Nürnberg bis Ende 2029 rund 900 Arbeitsplätze zu streichen. Nach Angaben der IG Metall sind im dortigen Werk NuP1, das vor allem Komponenten für Verbrennungsmotoren wie Hochdruckpumpen für die Benzineinspritzung fertigt, mehr als 900 Beschäftigte bedroht.
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Laut der Gewerkschaft fordert der Arbeitgeber zudem weitere 15 Prozent Personalkosteneinsparungen. Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen gilt dort nach Gewerkschaftsangaben bis zum 31. Dezember 2026.
Flankiert wird der Sparkurs von einer strukturellen Neuordnung: Der gesamte Geschäftsbereich Mobility sowie drei Zentralbereiche sollen in vollständig konzerneigene Tochtergesellschaften überführt werden.
Bundesweit sollen rund 62.500 Beschäftigte im Zuge eines Betriebsübergangs in die neuen Einheiten wechseln. Der operative Start der neuen Rechtseinheiten ist für den 1. August 2027 geplant, die vollständige Umsetzung soll schrittweise bis Ende 2027 erfolgen.
