Brandschutz, VdS-Richtlinie

Brandschutz: Neue VdS-Richtlinie für Recyclingbetriebe ab sofort

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 00:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die neue VdS 2517 Norm soll Brandrisiken durch Lithium-Ionen-Akkus in Recyclingbetrieben eindämmen. Aktuelle Brände zeigen die Dringlichkeit.

Neue Brandschutz-Richtlinie VdS 2517: Reaktion auf Lithium-Ionen-Gefahren
Brandschutz - Eine moderne Recyclinganlage mit sortierten Materialien und sichtbaren Brandschutzeinrichtungen. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders Lithium-Ionen-Akkus in falscher Entsorgung erweisen sich als tickende Zeitbomben. Jetzt reagiert die Branche mit einer neuen Richtlinie.

Am 7. Juli trat die VdS 2517 in Kraft. Das Regelwerk soll den Brandschutz in Recyclingbetrieben verbessern. Es reagiert auf die wachsenden Risiken durch Lithium-Ionen-Batterien, die oft falsch entsorgt werden. Die Richtlinie fordert individuelle Löschkonzepte und eine frühzeitige Branddetektion.

Explosion verletzt Feuerwehrleute

Wie dringend die neuen Regeln sind, zeigen aktuelle Vorfälle. In Bentwisch bei Rostock explodierte am 8. Juli der Batteriespeicher einer Photovoltaikanlage. Die Druckwelle verletzte drei Feuerwehrleute und zerstörte das Gebäude.

Laut Fraunhofer-Institut liegt die Brandwahrscheinlichkeit bei Solaranlagen bei 0,006 Prozent. Die Ursachenanalyse zeigt jedoch systemische Schwachstellen: 50 Prozent der Vorfälle gehen auf elektrische Defekte zurück, 30 Prozent auf Installationsfehler, 15 Prozent auf Materialfehler.

Parallel dazu brannte in Wels (Österreich) erneut eine Betriebshalle mit Gewerberestmüll. Die Feuerwehr war zwei Tage im Einsatz. Ihre Analyse: falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus als Hauptursache.

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In Neumünster ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Brandstiftung. Die Mieterin einer Lagerhalle hatte dort ebenfalls Akkus gelagert.

Kritik an steigenden Baukosten

Während die neue Richtlinie die Sicherheit erhöhen soll, warnen Bauforscher vor einer Überregulierung. Eine Studie der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) und des Instituts für Bauforschung (IFB) zeigt: Die Normenflut verteuerte das Bauen seit 2000 um rund 20 Prozent. Das entspricht etwa 600 Euro Mehrkosten pro Quadratmeter.

Die Forscher fordern eine grundlegende Reform. Ihr Vorschlag: ein „Gebäudetyp E“, der rechtssichere Abweichungen von teuren Komfortstandards ermöglicht. Ein Beispiel: Die Kosten für Schallschutz haben sich seit 2015 verdreifacht. Mit reduzierten Standards ließen sich rund 15 Prozent der Baukosten sparen – ohne die Sicherheit zu gefährden.

Großbrände fordern Einsatzkräfte

Die Praxis zeigt: Bei industriellen Großereignissen stoßen Brandschutzmaßnahmen oft an Grenzen. Nach dem Brand einer 3.000 Quadratmeter großen Lagerhalle in Oranienburg am 5. Juli kämpfte die Feuerwehr noch Tage später mit der Entsorgung von kontaminiertem Löschwasser und Glutnestern. Der Sachschaden liegt bei mehreren Millionen Euro.

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Auch auf dem Gelände der Salzgitter AG brannte am Abend des 8. Juli ein Schrotthaufen. Rund 100 Einsatzkräfte waren vor Ort. In Frankfurt stand ein Biomassekraftwerk im Industriepark Fechenheim in Flammen – ein Standort, der wegen seiner chemischen Anlagen unter die Seveso-III-Verordnung fällt.

Gefahr aus dem Keller

Doch nicht nur die Industrie birgt Risiken. Schornsteinfegerverbände warnten am 7. Juli vor improvisierten Sicherheitslücken im Privatbereich. Wer mobile Klimaanlagen an vorhandene Schornsteine anschließt, riskiert lebensgefährliche Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Der Grund: Unterdruck, wenn parallel Feuerstätten in Betrieb sind.

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