Mercosur, Freihandelsabkommen

EU und Mercosur feilen weiter an Freihandelsabkommen

08.12.2023 - 03:14:07

Brasiliens PrĂ€sident Lula wollte bei dem Gipfeltreffen in Rio eigentlich den Durchbruch der jahrelangen Verhandlungen verkĂŒnden. Daraus wurde zunĂ€chst nichts. Noch immer gibt es viele strittige Fragen.

Die EuropĂ€ische Union und das sĂŒdamerikanische WirtschaftsbĂŒndnis Mercosur dringen weiter auf einen zĂŒgigen Abschluss der Verhandlungen ĂŒber das Freihandelsabkommen zwischen den beiden Regionen.

«Die EU und der Mercosur fĂŒhren konstruktive GesprĂ€che, um die noch offenen Fragen im Rahmen des Vertrags zu klĂ€ren», hieß es in einer gemeinsamen ErklĂ€rung. «In den vergangenen Monaten wurden betrĂ€chtliche Fortschritte erzielt. Die Verhandlungen werden mit dem Ziel fortgesetzt, den Prozess abzuschließen und ein Abkommen zu erreichen, das fĂŒr beide Regionen von Vorteil ist und den Forderungen und Bestrebungen ihrer jeweiligen Gesellschaften gerecht wird.»

Am Donnerstag waren in der brasilianischen Millionenmetropole die Staatschefs von Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay zu einem Mercosur-Gipfel zusammengekommen. UrsprĂŒnglich hatte Brasiliens PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva bei dem Treffen einen Durchbruch bei den Verhandlungen verkĂŒnden wollen. Bei den deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen am Montag in Berlin hatte Lula gemeinsam mit Bundeskanzler Olaf Scholz noch auf einen raschen Abschluss des Abkommens gedrungen.

Der war aber vor allem am Widerstand von Frankreich und Argentinien gescheitert. Zumindest in Buenos Aires wechselt am Sonntag die Regierung: Der kĂŒnftige PrĂ€sident Javier Milei steht als Ultraliberaler dem geplanten Freihandelsabkommen deutlich aufgeschlossener gegenĂŒber.

Lula gibt sich optimistisch

Die GesprĂ€che der EU mit dem Mercosur ĂŒber die Freihandelszone laufen bereits seit 23 Jahren. Eine Grundsatzeinigung aus dem Jahr 2019 wird wegen anhaltender Bedenken - etwa beim Regenwaldschutz - nicht umgesetzt. Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron bemĂ€ngelte zuletzt, dass Industriebetriebe und Landwirte in Europa kĂŒnftig strengen Umweltauflagen unterworfen seien und durch das Freihandelsabkommen mit Wettbewerbern in SĂŒdamerika konkurrieren mĂŒssten, die solche Vorgaben nicht erfĂŒllen mĂŒssten.

«Wir wissen, dass nicht immer alles so funktioniert, wie wir es gerne hĂ€tten. Aber wir gehen weiter vorwĂ€rts. Ich bin immer sehr optimistisch. Mein Motto lautet: Niemals aufgeben», sagte Lula bei dem Gipfeltreffen in Rio. «Es gibt nichts, was wir nicht erreichen können. Wir mĂŒssen weiter versuchen, eine Einigung mit der EuropĂ€ischen Union zu erzielen».

Abkommen liegt seit 2019 auf Eis

UmweltverbĂ€nde hingegen begrĂŒĂŸten, dass das Freihandelsabkommen zunĂ€chst nicht zustande kam. «Die gute Nachricht fĂŒr den Planeten ist, dass dieser Giftvertrag noch nicht unterzeichnet ist», sagte Greenpeace-Handelsexpertin Lis Cunha. «Die schlechte Nachricht ist, dass einige LĂ€nder, mitunter auch die deutsche Bundesregierung, weiterhin ein veraltetes Abkommen vorantreiben wollen, von dem vor allem klima- und naturschĂ€dliche Konzerne profitieren.»

Mit dem Abkommen wĂŒrde eine der weltweit grĂ¶ĂŸten Freihandelszonen mit mehr als 700 Millionen Einwohnern entstehen. Es soll vor allem Zölle abbauen und damit den Handel ankurbeln. Seit 2019 liegt das fertig ausgehandelte Abkommen allerdings auf Eis. Der Vertrag ist sowohl in SĂŒdamerika als auch in Europa umstritten. Einige LĂ€nder wollen ihre MĂ€rkte schĂŒtzen, andere fĂŒrchten die Aufweichung von Arbeits- oder Umweltstandards.

«Auf der Grundlage der bisher erzielten Verhandlungsfortschritte hoffen beide Parteien, rasch zu einem Abkommen zu gelangen, das dem strategischen Charakter der Beziehungen zwischen den beiden Parteien und dem entscheidenden Beitrag, den sie zur BewĂ€ltigung der globalen Herausforderungen in Bereichen wie nachhaltige Entwicklung, Verringerung der Ungleichheit und Multilateralismus leisten können, gerecht wird», hieß es in der gemeinsamen ErklĂ€rung von EU und Mercosur.

@ dpa.de