Brennerbasistunnel: BBT SE meldet Cyberangriff auf Daten
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 15:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWSErmittlungen nach Zugriff auf BBT-Daten
- Unbekannte TĂ€ter griffen Mitte Oktober auf internet-erreichbare Daten der BBT SE zu.
- Die Ermittlungen fĂŒhrt die italienische Polizei, weil die Gesellschaft ihren Sitz in Bozen hat.
- Der 64 Kilometer lange Tunnel soll ab 2034 Fahrten zwischen Deutschland und Italien verkĂŒrzen.
BBT SE meldet Cyberangriff auf Tunnelprojekt
Die Projektgesellschaft des Brennerbasistunnels zwischen Ăsterreich und Italien ist Ziel eines Cyberangriffs geworden. Unbekannte TĂ€ter griffen auf Teile von Daten zu, die aus dem Internet erreichbar waren.
Zugriff blieb ohne Folgen fĂŒr den Bau
Die gezielte Attacke ereignete sich Mitte Oktober, wie ein Sprecher der BBT SE der Deutschen Presse-Agentur sagte. Gefahren fĂŒr den Bau oder den spĂ€teren Betrieb des 64 Kilometer langen Tunnels habe es nicht gegeben.
Hochsicherheitsdaten seien nicht betroffen gewesen. Zu möglichen TĂ€tern und HintergrĂŒnden machte die Gesellschaft keine Angaben.
Italienische Behörden ermitteln
Die Ermittlungen fĂŒhrt die italienische Seite, weil die Brennerbasistunnel-Gesellschaft ihren Sitz in Bozen hat. Der Tunnel gilt als bedeutendes europĂ€isches Infrastrukturprojekt.
Das Bauwerk kostet 11,7 Milliarden Euro und soll ab 2034 die Fahrten zwischen Deutschland und Italien deutlich verkĂŒrzen.
Auch Fehmarnbelttunnel-Projekt betroffen
Mitte Oktober war auch das Fehmarnbelttunnel-Projekt zwischen Deutschland und DĂ€nemark von einer Cyberattacke betroffen. Der Angriff auf den Auftragnehmer Femern Link Contractors wirkte sich zeitweise auf mehrere IT-Systeme der Baustelle aus.
Der rund 18 Kilometer lange Tunnel soll die deutsche Ostseeinsel Fehmarn mit der dĂ€nischen Insel Lolland verbinden. Dadurch soll sich die Fahrzeit mit dem Zug zwischen Hamburg und Kopenhagen auf rund zweieinhalb Stunden verkĂŒrzen.
Der Angriff auf die Brenner-Basistunnel-Gesellschaft fĂ€llt in eine Phase, in der Betreiber groĂer Verkehrs- und Bauprojekte ihre IT-Systeme zunehmend als Teil der kritischen Infrastruktur behandeln. Der Vorfall zeigt, dass nicht nur bereits laufende Verkehrsnetze, sondern auch Unternehmen in der Bauphase ein attraktives Ziel sein können: Bei ihnen liegen technische Unterlagen, ProjektplĂ€ne, Vertragsdaten und ZugĂ€nge zu extern erreichbaren Systemen.
FĂŒr den Brennerbasistunnel blieb der operative Betrieb nach Angaben der Gesellschaft und der dpa-Meldung unbeeintrĂ€chtigt. Das begrenzt die unmittelbaren Folgen, beseitigt aber nicht das Risiko möglicher DatenabflĂŒsse. Besonders relevant ist deshalb, welche Systeme betroffen waren, ob Zugangsdaten missbraucht wurden und ob sich der Zugriff auf weitere Projektpartner ausweiten konnte.
Schutz kritischer Verkehrsprojekte
Der parallele Hinweis auf den Angriff gegen das deutsch-dĂ€nische Fehmarnbelttunnel-Projekt macht die AbhĂ€ngigkeit grenzĂŒberschreitender Vorhaben von digitalen Lieferketten sichtbar. Tunnelbaugesellschaften arbeiten mit vielen Auftragnehmern, PlanungsbĂŒros und Behörden zusammen; unterschiedliche Sicherheitsstandards können dabei eine zusĂ€tzliche AngriffsflĂ€che schaffen.
FĂŒr die Ăffentlichkeit sind vor allem drei Folgen entscheidend: der Schutz sensibler Planungsdaten, die Trennung von BĂŒro- und Baustellensystemen sowie klare Melde- und WiederanlaufplĂ€ne. Dass keine Gefahr fĂŒr Bau und spĂ€teren Betrieb besteht, bedeutet daher vor allem Entwarnung fĂŒr die physische Infrastruktur, nicht das Ende der IT-sicherheitsbezogenen Aufarbeitung.
Euronews: âBrenner Basistunnel meldet Hackerangriff: Verdacht auf prorussische Gruppe "Everes"tâ (07.11.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt den Angriff vom 17. Oktober und berichtet ĂŒber einen möglichen Zusammenhang mit der prorussischen Gruppe Everest. Anders als die dpa-Meldung rĂŒckt er die Ermittlungsrichtung und die Reaktion der IT-Sicherheit in den Mittelpunkt; die Untersuchungen laufen demnach weiter.
