Deutschland, Einzelhandel

Backstationen boomen – viele BĂ€ckereien mĂŒssen kĂ€mpfen

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 04:30 Uhr, dpa.de

Brötchen vom BÀcker oder aus der Backstation von Rewe oder Lidl? Die Konkurrenz setzt klassischen BÀckereien zu. Dabei kaufen viele Kunden dort nach wie vor lieber ein.

  • Backstationen bieten Kunden eine große Auswahl. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
    Backstationen bieten Kunden eine große Auswahl. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
  • Kunden können sich an den Stationen in den GeschĂ€ften selbst bedienen. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
    Kunden können sich an den Stationen in den GeschÀften selbst bedienen. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
Backstationen bieten Kunden eine große Auswahl. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa Kunden können sich an den Stationen in den GeschĂ€ften selbst bedienen. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa

Es duftet nach frisch Gebackenem. Körnerbrötchen, Croissants, Franzbrötchen, Brote, QuarkbĂ€llchen und PizzastĂŒcke liegen in den Regalen. Mit einer Zange angelt eine Kundin das GebĂ€ck aus den FĂ€chern und legt es in eine TĂŒte. 

Die Menschen in Deutschland kaufen Brot, Brötchen und andere Backwaren immer hĂ€ufiger im Supermarkt oder beim Discounter statt in klassischen BĂ€ckereien. Das zeigt eine Auswertung des Marktforschungsunternehmens YouGov. BĂ€ckereien haben in den vergangenen Jahren demnach Marktanteile eingebĂŒĂŸt. 

Der Lebensmitteleinzelhandel biete lĂ€ngst nicht mehr nur einfache Brötchen und Brot an, sondern auch Croissants, sĂŒĂŸe Teilchen, Donuts oder Snacks fĂŒr zwischendurch, sagt YouGov-Marktforscherin Katja Trieschmann. «Damit deckt er heute genau jene Genuss- und SpontankĂ€ufe ab, die frĂŒher stĂ€rker mit der klassischen BĂ€ckerei verbunden waren.» 

Pro Tag laufen bis zu Millionen Brötchen vom Band

SupermÀrkte und Discounter haben ihr Angebot in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Viele Filialen sind inzwischen mit Backstationen («bake off») ausgestattet, bei einzelnen Ketten sogar nahezu alle. Laut YouGov entfielen im ersten Quartal bereits 70 Prozent der in Deutschland verkauften Mengen an Brot und anderen Backwaren auf den Lebensmitteleinzelhandel. In der Regel werden die Teiglinge angeliefert und in den Filialen aufgebacken. 

Teilweise kommt die Ware aus der Industrie, etwa von Unternehmen wie Lieken oder Harry. Teilweise stellen die HĂ€ndler sie selbst her. Bei der GroßbĂ€ckerei Bonback laufen nach eigenen Angaben bis zu zehn Millionen Brötchen pro Woche vom Band. 

Das Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe produziert fĂŒr Lidl und Kaufland. Ihr Sortiment umfasst mehr als 40 Backwaren. Auch die Supermarktkette Edeka hat eigene GroßbĂ€ckereien. Die Filialen von Aldi SĂŒd werden hingegen von regionalen BĂ€ckereien beliefert. 

Preisunterschied macht Backstationen attraktiv

Werden die klassischen BĂ€ckereifilialen in SupermĂ€rkten dann ĂŒberhaupt noch benötigt? Backstationen sollen diese nicht ersetzen, betont ein Edeka-Sprecher. BĂ€ckereifilialen in der Vorkassenzone gehörten fĂŒr die meisten MĂ€rkte zum festen Bestandteil des Konzepts.

Dass Kunden zunehmend zu Ware aus der Backstation greifen, dĂŒrfte auch mit den Preisen zusammenhĂ€ngen. Wie andere Lebensmittel sind auch Brot, Brötchen und andere Backwaren sowie Rohstoffe wie Mehl seit 2020 deutlich teurer geworden. In BĂ€ckereien mĂŒssen Kunden meist mehr zahlen als im Supermarkt oder beim Discounter. 

Laut Expertin Trieschmann wird der Preisabstand kontinuierlich grĂ¶ĂŸer. BĂ€ckereien stĂŒnden vor der Herausforderung, den Mehrwert wie Frische, Geschmack oder regionale Zutaten sichtbar zu machen.

Viele ziehen klassische BĂ€ckerei vor

Laut einer reprĂ€sentativen YouGov-Umfrage liegen die klassischen BĂ€ckereien in der Gunst der Kunden vorn. Fast jeder Zweite kauft Brot, Brötchen und andere Backwaren dort lieber (46 Prozent). Als hĂ€ufigste GrĂŒnde geben sie höhere QualitĂ€t und handwerkliche Herstellung an. Auch grĂ¶ĂŸere Auswahl und freundlicher Service werden vielfach genannt.

Jeder Dritte kauft hingegen bevorzugt bei SupermĂ€rkten oder Discountern (34 Prozent). Hauptgrund sind gĂŒnstigere Preise. Viele schĂ€tzen zudem, alles an einem Ort kaufen zu können. Sonderangebote und Aktionen, Gewohnheit, bessere Erreichbarkeit und lĂ€ngere Öffnungszeiten spielen ebenfalls eine Rolle. 20 Prozent aller Befragten haben keine klare PrĂ€ferenz oder machten keine Angabe. Laut Umfrage kaufen 43 Prozent weniger hĂ€ufig beim BĂ€cker als vor zwei oder drei Jahren. 

Trieschmann sieht darin keinen Widerspruch zu den Marktanteilsverschiebungen. Trotz der Vorteile der Backstationen seien BĂ€ckereien fĂŒr Kunden weiterhin relevant. YouGov befragte vom 30. April bis zum 4. Mai 2.102 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland.

Verband: Reserven vielerorts aufgebraucht

Die Zahl der BĂ€ckereibetriebe in Deutschland ist zuletzt erneut gesunken. Ende vergangenen Jahres gab es laut dem Zentralverband des BĂ€ckerhandwerks noch 8.659 BĂ€ckereiunternehmen. Zehn Jahre zuvor waren es noch 12.155. Hohe Energie- und Kraftstoffpreise, steigende Lohnkosten sowie BĂŒrokratie brĂ€chten die Betriebe zunehmend an ihre Belastungsgrenze, sagte PrĂ€sident Roland Ermer kĂŒrzlich. «Die Reserven sind vielerorts aufgebraucht.» Immerhin: 2025 wurden 448 NeugrĂŒndungen verzeichnet – so viele wie seit 2018 nicht mehr.

Die Auskunftei Creditreform verzeichnete im Bereich «Herstellung von Backwaren» im ersten Halbjahr 63 Insolvenzen. Das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zu dem Wirtschaftszweig zÀhlen BÀckereien und Konditoreien, die selbst backen. Reine Verkaufsfilialen ohne eigene Herstellung sind nicht enthalten. 

Kleinere Betriebe unter Druck

Der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch, sieht einen tiefgreifenden Strukturwandel in der Branche. «Das klassische BÀckerhandwerk steht von mehreren Seiten unter hohem Druck. Die Konsumgewohnheiten haben sich signifikant verÀndert.» 

Traditionellen FachgeschĂ€ften gehe so wichtige Laufkundschaft verloren. Vor allem kleinere, inhabergefĂŒhrte Betriebe gerieten durch steigende Kosten, wachsenden Preiskampf und sparsame Konsumenten ins Hintertreffen. Viele verfĂŒgten Hantzsch zufolge nur ĂŒber geringe Gewinnmargen und könnten Kostensteigerungen nur in begrenztem Umfang an ihre Kunden weitergeben.

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