BrĂŒssel prĂŒft Einfluss von Tiktok auf Wahlen
17.12.2024 - 12:37:24(Neu: Infos zu den Geldstrafen im dritten Absatz ergÀnzt.)
BRĂSSEL (dpa-AFX) - Die EuropĂ€ische Kommission hat im Zusammenhang mit der inzwischen annullierten PrĂ€sidentenwahl in RumĂ€nien ein Verfahren gegen die Online-Plattform Tiktok eröffnet. Es soll geprĂŒft werden, ob der chinesische Konzern bei Wahlen genug gegen die Einmischung von auslĂ€ndischen Akteuren vorgeht, wie die Kommission in BrĂŒssel mitteilte.
Konkret will sich die BrĂŒsseler Behörde unter anderem Tiktoks Empfehlungssysteme anschauen, also den Algorithmus der Plattform. Dabei soll es um koordinierte, nicht authentische Manipulation sowie die automatisierte Nutzung des Dienstes gehen. AuĂerdem steht im Fokus, wie Tiktok mit politischer Werbung und bezahlten politischen Inhalten umgeht.
Strenge Regeln durch EU-Gesetz
Plattformen wie Tiktok, Facebook, X, Google und viele andere mĂŒssen nach dem EU-Gesetz DSA (Digital Services Act) schneller und schĂ€rfer als frĂŒher gegen illegale Inhalte im Netz vorgehen. Sonst drohen ihnen Strafen. Der Kommission zufolge können etwa GeldbuĂen in Höhe von 6 Prozent des gesamten weltweiten Jahresumsatzes auf Tiktok zukommen. Die Behörde könne auch eine tĂ€gliche Geldstrafe verhĂ€ngen, bis das Problem behoben sei. GrundsĂ€tzlich mĂŒssen groĂe Dienste wie Facebook und Instagram mehr Regeln befolgen als kleine.
EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen mahnte an, dass die Demokratien vor jeder Art von auslĂ€ndischer Einmischung geschĂŒtzt werden mĂŒssten. Nach ernsthaften Hinweisen darauf, dass sich auslĂ€ndische Akteure mit Hilfe von Tiktok in die rumĂ€nischen PrĂ€sidentschaftswahlen eingemischt haben, werde nun grĂŒndlich untersucht, ob der Konzern solche Risiken ausreichend bekĂ€mpft, sagte sie. "Wann immer wir eine solche Einmischung vermuten, insbesondere bei Wahlen, mĂŒssen wir schnell und entschlossen handeln."
VorwĂŒrfe gegen Tiktok in RumĂ€nien
Der chinesische Konzern weist die VorwĂŒrfe von sich. "Wir haben die IntegritĂ€t unserer Plattform bei ĂŒber 150 Wahlen auf der ganzen Welt geschĂŒtzt", teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. "Wir akzeptieren keine bezahlte politische Werbung, wir entfernen proaktiv Inhalte, die gegen unsere Richtlinien zu Fehlinformationen, BelĂ€stigung und Hassreden verstoĂen." Tiktok wolle weiterhin mit der EuropĂ€ischen Kommission sowie mit regionalen und nationalen Behörden zusammenarbeiten, um Anfragen zu bearbeiten und Bedenken zu diskutieren.
Der Oberste Verteidigungsrat (CSAT) in RumĂ€nien hatte Tiktok nach dem Erfolg des prorussischen Rechtsradikalen Calin Georgescu bei der PrĂ€sidentenwahl schwere VorwĂŒrfe gemacht. Die Plattform habe es unterlassen, ihn bei seinen dort veröffentlichten Propagandamaterialien, als Politiker zu identifizieren. Zur Methode des Wahlkampfs von Georgescu und dessen Finanzierung ermittelt inzwischen RumĂ€niens Staatsanwaltschaft.
Georgescu hatte vor allem auf Tiktok Wahlkampf betrieben. Er war in der ersten Runde der PrĂ€sidentenwahl auf Platz eins gekommen, gefolgt von der konservativ-liberalen Politikerin Elena Lasconi. Inzwischen hat das Verfassungsgericht die Wahl annulliert. Der gesamte Wahlprozess muss wiederholt werden. Einen Termin dafĂŒr gibt es noch nicht.
Datenaufbewahrung bis 2025
Die Kommission will in dem aktuellen Verfahren nun weiter Beweise sammeln, etwa durch Befragungen. Mit der Einleitung des Verfahrens werde zunĂ€chst nur ein Verdacht geprĂŒft, das Ergebnis stehe noch nicht fest.
Anfang Dezember hatte die BrĂŒsseler Behörde Tiktok bereits angewiesen, alle Daten einzufrieren und aufzubewahren, die sich auf tatsĂ€chliche und vorhersehbare systemische Risiken fĂŒr WahlvorgĂ€nge in der EU beziehen. Dies erfolgte unter anderem, weil die Kommission Informationen erhalten hatte, die auf eine Einmischung aus Russland hinwiesen.
Die Anweisung an Tiktok alle Daten aufzubewahren, bleibt nach Angaben der EU-Kommission fĂŒr alle anstehenden EU-Wahlen auf nationaler Ebene bis zum 31. MĂ€rz 2025 gĂŒltig. Somit betrifft das auch die am 23. Februar geplante Neuwahl in Deutschland.

