Nato-Staaten sagen Ukraine weitere Hilfe bei Luftverteidigung zu
19.04.2024 - 18:52:31 | dpa.de(neu: Selenskyj)
BRĂSSEL (dpa-AFX) - Verteidigungsminister der Nato-Staaten haben der Ukraine bei einer Krisensitzung mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj die Lieferung zusĂ€tzlicher Luftverteidigungssysteme zugesagt. Das erklĂ€rte Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg am Freitag im Anschluss an die per Videokonferenz abgehaltenen Beratungen in BrĂŒssel. "Die Nato-Verteidigungsminister haben sich darauf geeinigt, ihre militĂ€rische UnterstĂŒtzung zu verstĂ€rken und weiter auszubauen, auch im Bereich der Luftverteidigung", sagte er.
Wer die Zusagen gemacht hat, sagte der Norweger nach der Sitzung des sogenannten Nato-Ukraine-Rates zunĂ€chst nicht. Konkrete AnkĂŒndigungen sollen demnach in den nĂ€chsten Tagen durch einzelne Mitgliedstaaten gemacht werden. LĂ€nder, die selbst keine verfĂŒgbaren Luftverteidigungssysteme haben, sagten nach Angaben von Stoltenberg zu, finanzielle UnterstĂŒtzung fĂŒr den Kauf von Systemen fĂŒr die Ukraine zu leisten.
Die Ukraine benötigt zum Schutz ihrer StĂ€dte nach den Worten von Selenskyj aktuell mindestens sieben weitere Patriot-Systeme oder Ă€hnliche Systeme. "Und das ist die Mindestanzahl", sagte er am Freitag in seiner Videoschalte mit den Mitgliedern des Nato-Ukraine-Rats. "Unsere Positionen auf dem Schlachtfeld brauchen wirklichen Schutz vor LuftschlĂ€gen", betonte der Staatschef. Das gelte auch fĂŒr die StĂ€dte im ukrainischen Hinterland. Er erinnerte dabei an den russischen Raketenangriff auf die GroĂstadt Dnipro in den Morgenstunden und einen Raketenschlag auf Anlagen im Odessa-Hafen Piwdennyj.
Seit Jahresbeginn habe Russland auf Ziele in der Ukraine mehr als 1200 Raketen abgefeuert. Zudem seien mehr als 1500 Kampfdrohnen iranischer Bauart eingesetzt worden. Trotz aller Schwierigkeiten gelang es der ukrainischen Flugabwehr den GroĂteil abzuschieĂen. Doch gleichzeitig habe die russische Luftwaffe ĂŒber 8500 Gleitbomben eingesetzt, gegen die es bisher kein Gegenmittel gibt.
Daneben benötige die Ukraine noch mindestens eine Million Artilleriegranaten. "Sie mĂŒssen endlich an die Front geliefert werden", forderte Selenskyj. Der ukrainische Staatschef und seine fĂŒhrenden MilitĂ€rs haben in den vergangenen Wochen wiederholt ĂŒber Munitionsmangel geklagt. Aus diesem Grund mussten ukrainische Truppen wiederholt Stellungen aufgeben und vor den russischen Einheiten zurĂŒckweichen.
Selenskyj sprach auch die Notwendigkeit von weiter reichenden Waffen fĂŒr die ukrainischen Truppen an. Diese Systeme, wie etwa die deutschen Taurus-Marschflugkörper, waren der Ukraine zuletzt aus politischem KalkĂŒl verweigert worden. "Es ist absurd, wenn Partner Angst vor ihrer StĂ€rke haben", sagte Selenskyj. "Je mehr Langstreckenwaffen (gemeint sind Waffen mit gröĂerer Reichweite) unsere Soldaten in der Hand haben, desto nĂ€her ist der Frieden."
Ferner benötige die Ukraine Kampfflugzeuge, um sich gegen die russische Luftwaffe zu wehren. "Es geht nicht um die Zahl der Versprechen, sondern um die tatsÀchliche Zahl der Flugzeuge am Himmel", sagte er mit Blick auf zugesagte Jets vom Typ F-16, die mehrere LÀnder an Kiew nach entsprechender Pilotenausbildung liefern wollen.
Die Bundesregierung hatte bereits am Wochenende angekĂŒndigt, der Ukraine ein weiteres Patriot-System zu liefern. Weiteres Potenzial sehen MilitĂ€rs beispielsweise in Spanien. Neben Patriots könnten der Ukraine nach eigenen Angaben auch Systeme wie Iris-T, Samp/T und Nasams helfen.
Nato-GeneralsekretĂ€r Stoltenberg hatte zuletzt gesagt, in der derzeitigen Situation sei es aus seiner Sicht wichtiger, der Ukraine zu helfen, als BĂŒndnisziele fĂŒr das Vorhalten von Waffen und Munition zu erfĂŒllen.
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