BSI-CS 154: Vier Schutzmaßnahmen für kleine Industrieanlagen
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat am 13. Oktober 2026 die Cybersicherheitsempfehlung BSI-CS 154 unter dem Titel „Gefährdung durch internet-verbundene OT-Systeme“ herausgegeben. Das Dokument richtet sich an Betreiber kleiner und kleinster Industrieanlagen, darunter Betriebe der Lebensmittelkühlung, Trinkwasser- und Abwasserversorger, Betreiber von Solarwechselrichtern sowie Betreiber einzelner Windkraftanlagen.
Anlass für die behördliche Veröffentlichung ist eine Cyberattacke in der Nacht zum 12. Oktober 2026, bei der vernetzte Kühlsysteme von rund 700 Supermärkten in Frankreich sabotiert wurden. BSI-Präsidentin Claudia Plattner erklärte hierzu, dieser Vorfall hätte jedes Land treffen können und könne auch künftig Nachahmer finden.
Sabotage an Kühlsystemen französischer Handelsketten
In Frankreich waren Handelsketten wie Intermarché, Coopérative U und E.Leclerc von dem Vorfall betroffen. Durch manipulierte Abtauzyklen erhitzten sich Kältegeräte teils auf bis zu 50 Grad Celsius. In der Folge verdarben gelagerte Lebensmittel, und einige Märkte meldeten Brände.
Neben der französischen Cybersicherheitsbehörde ANSSI nahm die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf. Die französische Reaktionsstelle CERT-FR gab eine Sicherheitswarnung heraus und wies darauf hin, dass die Angriffe weiter andauern könnten.
Im Zentrum der Angriffe standen Fernsteuerungen der Hersteller Copeland, Dixell und Danfoss. Bei Danfoss betraf dies unter anderem Steuerungen der Serien AK-SM und AK-SC.
Das Unternehmen bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters Vorfälle bei einer begrenzten Zahl von Systemen mit veralteter Technik. Geräte wie die Modelle AK-SM 800 und AK-SC 355 haben ihren Lebenszyklus bereits beendet und erhalten keine Sicherheitsaktualisierungen mehr.
CERT-FR stellte zudem fest, dass bei veralteten Geräten ohne Sicherheitsupdates selbst ein Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen keinen Schutz bietet. Für das System AK-SM 800A sind Sicherheitslücken unter den Kennungen CVE-2025-41450, CVE-2025-41451 und CVE-2025-41452 dokumentiert.
Vier Kernmaßnahmen zur Härtung kleiner OT-Netze
Als häufigste Ursachen für erfolgreiche Zugriffe nannte das BSI Standard-Zugangsdaten, mehrfach verwendete Passwörter sowie ungeschützte Mobilfunkanbindungen. Die Bonner Behörde formulierte für Betreiber kleinerer Anlagen vier zentrale Schutzmaßnahmen:
- Direkten Internetzugriff konsequent unterbinden, Portweiterleitungen deaktivieren und industrielle Protokolle wie Modbus-TCP, S7Com oder Profinet niemals offen exponieren.
- Sämtliche Fernzugriffe ausschließlich über verschlüsselte VPN-Verbindungen mit Mehr-Faktor-Authentifizierung absichern.
- Eingesetzte Systeme und Firmware durch zeitnahe Updates auf dem aktuellen Stand halten sowie die Exposition regelmäßig kontrollieren.
- Sicherheitsmaßnahmen und Überprüfungen als feste Routine im Betriebsalltag etablieren.
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Ein Sprecher des BSI wies darauf hin, dass Passwörter für industrielle Steuerungsanlagen bei der Auslieferung oft unzureichend geschützt seien. Solche Versäumnisse sollten künftig im Rahmen von Konformitätsprüfungen nach dem Cyber Resilience Act (CRA) aufgedeckt werden. Die europäische Verordnung sieht ab Dezember 2027 verschärfte Sorgfaltspflichten für Hersteller vernetzter Geräte vor.
Internationale Bedrohungslage und Lage in Deutschland
Das BSI verwies darauf, dass vergleichbare Attacken bereits in anderen Ländern auftraten. So registrierten US-Behörden im August 2026 Angriffe auf mehr als 30 kommunale Wasserversorger. Im Dezember 2025 gab es zudem koordinierte Angriffe in Polen auf Windparks, zwei Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen und ein Produktionsunternehmen.
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Für den deutschen Markt gibt es laut einer Sprecherin des Lebensmittelhandels derzeit keine bekannten Schadensfälle; die Versorgung sei zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt gewesen. Technische Stichproben von Heise Security zeigten in Deutschland nur wenige potenziell verwundbare Systeme.
Dennoch bleibt Wachsamkeit geboten: Laut Analysen des Sicherheitsdienstleisters Sekoia finden sich exponierte Geräte neben Frankreich und Deutschland auch in Spanien, Portugal, Polen und Belgien.
Zudem zählte das Unternehmen Modat Anfang Oktober 8.547 aus dem Internet erreichbare Steuerungen von Wind- und Solaranlagen in Europa, schwerpunktmäßig verteilt auf Deutschland, Spanien, Griechenland und Italien.
