BĂŒroflĂ€chen, Wandel

BĂŒroflĂ€chen im Wandel: 79 Organisationen haben 340.310 Quadratmeter ĂŒbrig

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erhebungen zeigen mehr BĂŒrotage und flexible FlĂ€chennutzung; Unternehmen setzen zugleich auf Ressourcenschonung, BegrĂŒnung und neue Raumkonzepte.
Ein modernes, helles BĂŒro mit bodentiefen Fenstern, vielen Zimmerpflanzen und minimalistischer Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Branchenpublikationen thematisieren die wachsende Bedeutung nachhaltiger Unternehmenspraktiken sowie die zunehmende RĂŒckkehr von BeschĂ€ftigten in moderne, ökologisch ausgerichtete BĂŒrostrukturen. WĂ€hrend die Anwesenheit an festen Arbeitsorten vielerorts wieder zunimmt, verĂ€ndern Betriebe ihre FlĂ€chenkonzepte und setzen auf energieeffiziente sowie ressourcenschonende Modelle.

Steigende BĂŒroprĂ€senz und verĂ€ndertes FlĂ€chenmanagement

Erhebungen zur Arbeitsplatznutzung zeigen einen Trend zu mehr PrĂ€senztagen. Nach Erhebungen von Drees & Sommer steigt die Anwesenheit im BĂŒro tendenziell von zwei auf drei Tage pro Woche. Rund 69 Prozent der Befragten verfĂŒgen demnach ĂŒber zwei bis drei Tage im Homeoffice.

Zudem sind als sehr attraktiv eingestufte BĂŒros zu 63 Prozent belegt, wĂ€hrend weniger attraktive FlĂ€chen auf eine Auslastung von 48 Prozent kommen. Insgesamt bewerten 72 Prozent der Teilnehmenden ihre ArbeitsstĂ€tten als attraktiv bis sehr attraktiv.

Rund 92 Prozent betrachten FĂŒhrungskrĂ€fte als zentralen Erfolgsfaktor, wĂ€hrend knapp 80 Prozent einen hohen Einfluss der Arbeitsumgebung auf die Unternehmenskultur erwarten.

Zugleich rechnen 54 Prozent mit einer sinkenden FlÀche pro Arbeitsplatz, im Infrastruktursektor liegt dieser Wert bei 68 Prozent. Desksharing wird bereits von 75 Prozent genutzt, wÀhrend 63 Prozent auf Raumdatenanalysen setzen.

Branchenexperten aus dem Bankensektor bestĂ€tigen diese Entwicklung. Gero Bergmann von der BayernLB beobachtet einen eindeutigen Trend, BeschĂ€ftigte fĂŒr den Großteil der Woche zurĂŒck ins BĂŒro zu holen. Ähnliche EinschĂ€tzungen teilen Christian Schmid von der Helaba und Sascha Klaus von der LBBW.

Frank Schrader von der Deutschen Hypo berichtet von einzelnen Mietern mit fast vollstĂ€ndiger BĂŒroanwesenheit und schĂ€tzt intern, dass der umfassende Einsatz von kĂŒnstlicher Intelligenz den FlĂ€chenbedarf um rund 10 Prozent senken könnte.

Laut dem Ifo-Institut liegt der Homeoffice-Anteil in der deutschen Gesamtwirtschaft bei rund 25 Prozent, nachdem er in Spitzenzeiten nach der Pandemie deutlich ĂŒber 30 Prozent lag. JLL verzeichnete fĂŒr die VermietungsmĂ€rkte im dritten Quartal 2026 das zweite Quartal in Folge ZuwĂ€chse ĂŒber dem Vorjahreswert.

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Der Office Report von teamgnesda und Bertram ZT, der Daten von 225.300 Mitarbeitenden und 186.000 ArbeitsplÀtzen bei 164 Organisationen umfasst, beziffert die durchschnittliche Belegung auf 62 Prozent. Der Spitzenwert liegt bei 78 Prozent, der Tiefstwert bei 34 Prozent.

WĂ€hrend 85 Prozent der erfassten Betriebe zwei bis drei Tage mobiles Arbeiten gewĂ€hren, schließen 4 Prozent diese Option vollstĂ€ndig aus. Von den untersuchten Organisationen melden 79 ĂŒberschĂŒssige FlĂ€chen im Gesamtumfang von 340.310 Quadratmetern, was bei einer kalkulierten Nettokaltmiete von 25 Euro pro Quadratmeter jĂ€hrlich rund 102 Millionen Euro an Mietkosten bedeutet.

Der durchschnittliche FlÀchenbedarf liegt im Jahr 2026 bei 18,3 Quadratmetern pro Person. Das rechnerische Einsparpotenzial belÀuft sich auf rund 934.000 Quadratmeter beziehungsweise 22 Prozent der MietflÀche bezogen auf den Spitzentag sowie auf rund 1,6 Millionen Quadratmeter oder 38 Prozent bei durchschnittlicher Nutzung.

Ressourcenschonung, BegrĂŒnung und ZirkularitĂ€t

Parallel zur rĂ€umlichen Anpassung gewinnen ökologische Maßnahmen an Gewicht. Einsparungen bei Betriebskosten, ein verbessertes Image sowie eine höhere Zufriedenheit und ProduktivitĂ€t gelten als zentrale Treiber fĂŒr nachhaltige BĂŒros.

Zu den Maßnahmen zĂ€hlen energieeffiziente GerĂ€te, LED-Beleuchtung, digitales Arbeiten, Recyclingpapier, MĂŒlltrennung sowie Fahrradprogramme und Ökostrom, wie sie etwa in der Region Hannover von vielen Betrieben genutzt werden.

BegrĂŒnungskonzepte tragen laut Sempergreen dazu bei, die OberflĂ€chentemperatur von Fassaden an Sommertagen um bis zu 15 Grad Celsius zu senken, wĂ€hrend die Umgebungstemperatur in dicht bebauten Gebieten um bis zu 4 Grad Celsius sinken kann. Studien deuten zudem darauf hin, dass begrĂŒnte InnenrĂ€ume die ProduktivitĂ€t um bis zu 15 Prozent steigern können. Der Pflegeaufwand liegt bei zwei bis drei Maßnahmen pro Jahr.

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Auch die Weiternutzung von Mobiliar rĂŒckt in den Fokus. Philipp Dicke von der Plattform newen verweist darauf, dass hochwertige Möbel bei Verkleinerungen oft ausgesondert werden, da Bestandsdaten und Absatzwege fehlen. Die Plattform setzt auf Fotoverfahren sowie Identifikation per Software, um BestĂ€nde im Netzwerk zu vermitteln.

Gemeinsam mit Herstellern des Branchenverbands IBA und dem TÜV Rheinland wurde der Standard „newen verified“ fĂŒr Instandsetzungen etabliert, die Verifizierung ĂŒbernimmt TÜV Rheinland LGA Products. Der Dienstleister prĂ€sentiert sich vom 27. bis 30. Oktober 2026 auf dem Festival im Rahmen der Messe ORGATEC in Köln.

Praxisbeispiele neuer Raumkonzepte

Neue Raummodelle verbinden ökologische Baumaterialien mit verĂ€nderten Arbeitsweisen. Holcim gestaltete die Zentrale in Zug fĂŒr rund 400 BeschĂ€ftigte um. Das von Beyond Space und Fritschi Beis Architektur geplante Konzept verzichtet auf feste EinzelbĂŒros. Zwei GebĂ€udeflĂŒgel sind ĂŒber eine 180 Meter lange begrĂŒnte Passage verbunden.

Freistehende BesprechungsrĂ€ume wurden aus 3D-gedrucktem Beton, carbon-vorgespanntem Beton, Holz-Beton-Verbundwerkstoffen sowie CO?-armen Betonblöcken gefertigt. Die GebĂ€udekĂŒhlung erfolgt passiv ĂŒber Decken mit Seewasser, ergĂ€nzt durch eine CO?-gesteuerte LĂŒftung.

Einen weiteren Ansatz verfolgt die Hamburger Sparkasse im Deutschlandhaus mit dem Projekt HaspaONE fĂŒr rund 1.700 BeschĂ€ftigte. Drei frĂŒhere Standorte wurden papierlos zusammengelegt. Statt EinzelbĂŒros gliedert sich die FlĂ€che in sieben Arbeitsbereiche, die auf tĂ€tigkeitsbezogenes Arbeiten ausgelegt sind. Das Projekt wurde im Rahmen einer Exkursion der Jury um Bernd Fels, Matthias Pietzcker, Wolfgang Moderegger und Ursula Kannopka begutachtet.

Dass die Gestaltung der RĂ€ume fĂŒr Arbeitnehmer relevant ist, zeigt die Untersuchung Working Spaces 2025 des Pragma Instituts im Auftrag der Messe Frankfurt. Demnach lehnen 72 Prozent der Befragten das Arbeiten im öffentlichen Raum ab, wĂ€hrend 41 Prozent mit ihrem derzeitigen Arbeitsumfeld unzufrieden sind. FĂŒr Effizienz und ProduktivitĂ€t halten 78 Prozent der Teilnehmenden Möglichkeiten zur Mitgestaltung fĂŒr entscheidend.

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