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Ministerin Bas verteidigt Tariftreuegesetz und Mindestlohn

24.07.2025 - 15:06:54

Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) hat die Kritik von WirtschaftsverbĂ€nden an dem von ihr vorgelegten Tariftreuegesetz zurĂŒckgewiesen.

Weder der Vorwurf, ein BĂŒrokratiemonster geschaffen zu haben, noch der, die Unternehmen zum Abschluss von TarifvertrĂ€gen zu drĂ€ngen, sei gerechtfertigt. "Wir haben uns daran orientiert, es sehr bĂŒrokratiearm zu machen. Kein Unternehmen wird gezwungen, einen Tarifvertrag abzuschließen", betonte Bas am Rande eines Besuches in Mecklenburg-Vorpommern, wo es ein solches Gesetz schon seit 2024 gibt.

Allein mit dem Sondervermögen des Bundes wĂŒrden in den kommenden Jahren 500 Milliarden Euro zusĂ€tzlich fĂŒr staatliche Investitionen bereitstehen. Davon sollten insbesondere Unternehmen profitieren, die ihren BeschĂ€ftigten bereits gute Löhne zahlen. In der Vergangenheit seien diese oft leer ausgegangen, weil andere mit Dumpinglöhnen eingestiegen seien.

"Ich finde, wenn der Staat 500 Milliarden investiert, dann ist es auch richtig, dass davon die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen auch profitieren", argumentierte die SPD-Politikerin. Auch kleinere Unternehmen ohne Tarifvertrag könnten sich mit wenig Aufwand zertifizieren lassen und bei Erfolg um öffentliche AuftrÀge bewerben.

Tariftreuegesetz gegen rĂŒcklĂ€ufige Tarifbindung

Ab einem Auftragswert von 50.000 Euro sollen Firmen ihren BeschĂ€ftigten nach den RegierungsplĂ€nen Entgelt, Weihnachtsgeld, Urlaube und Ruhezeiten wie in branchenĂŒblichen TarifvertrĂ€gen gewĂ€hren mĂŒssen. Über ein solches Gesetz wird seit langem diskutiert. Ziel ist, der Tarifflucht der Unternehmen entgegenzuwirken. Vor rund 30 Jahren waren bundesweit noch drei von vier ArbeitsplĂ€tzen tarifgebunden, heute ist es nur noch jeder zweite. In Ostdeutschland liegt die Quote noch niedriger. WirtschaftsverbĂ€nde stehen dem Tariftreuegesetz wegen der Lohnvorgaben kritisch gegenĂŒber.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig (SPD) verteidigte die Lohnvorgaben bei öffentlichen AuftrĂ€gen. "Es ist gut, wenn der Staat nicht mehr auf das preiswerteste Angebot guckt, sondern darauf, ob eben auch gute Löhne gezahlt werden", sagte sie zum Abschluss einer dreitĂ€gigen Klausurtagung der SPD-Landtagsfraktion in Anklam. Bei öffentlichen AuftrĂ€gen etwa fĂŒr Bauvorhaben und Reinigungsleistungen, an Sicherheitsdienste oder Essensanbieter, gilt in Mecklenburg-Vorpommern aktuell ein Vergabemindestlohn von 13,98 Euro pro Stunde.

Votum fĂŒr steigenden Mindestlohn

Bas und Schwesig begrĂŒĂŸten die Entscheidung der Mindestlohn-Kommission, den gesetzlichen Mindestlohn bis 2027 in zwei Stufen auf 14,60 Euro pro Stunde anzuheben. "Der Mindestlohn ist eine Erfolgsgeschichte", sagte die Bundesministerin. In den zurĂŒckliegenden zehn Jahren sei es gelungen, so 1,3 Millionen Menschen aus dem Niedriglohnsektor herauszuholen. In Mecklenburg-Vorpommern profitieren laut Schwesig etwa 150.000 BeschĂ€ftigte von den beschlossenen Anhebungen. "Jeder FĂŒnfte wird mehr Geld in der Tasche haben", sagte sie.

Obwohl laut Schwesig das Lohnniveau in MV zuletzt schneller stieg als im benachbarten Schleswig-Holstein, bleibt der Nordosten die Region mit dem niedrigsten Einkommen. Mehr als ein Drittel der rund 351.000 VollzeitbeschÀftigten verdienen weniger als 2.750 Euro brutto im Monat. In keinem anderen Bundesland ist der Anteil der Geringverdiener höher. Das geht aus einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Dietmar Bartsch hervor.

@ dpa.de