Scholz ohne neue Zusagen an Wirtschafts-SpitzenverbÀnde
01.03.2024 - 14:48:59 | dpa.deNach einem SpitzengesprĂ€ch mit den fĂŒhrenden deutschen WirtschaftsverbĂ€nden am Freitag in MĂŒnchen betonte Scholz zwar, Wachstum und WettbewerbsfĂ€higkeit seien zentral fĂŒr die Bundesregierung und deren Handeln. Er verteidigte deshalb das geplante Wachstumschancengesetz, das "sehr relevante, wachstumsfördernde MaĂnahmen" enthalte. Weitergehende finanzielle Zusagen an die deutsche Wirtschaft, die seit langem umfassendere Entlastungen und Reformen fordert, vermied er aber.
Scholz verwies stattdessen auf ein geplantes BĂŒrokratieentlastungsgesetz, aber auch auf ein "Beschleunigungspaket" fĂŒr Planungen und Genehmigungen. Und auch den ArbeitskrĂ€ftemangel als wichtigstes Wachstumshemmnis gehe man an. Finanziellen Spielraum fĂŒr umfassendere zusĂ€tzliche Steuersenkungen sieht er dagegen nicht. Entsprechende WĂŒnsche gebe es viele, man habe in der letzten Zeit auch viele umgesetzt, sagte er. "SubventionswĂŒnsche erreichen einen tĂ€glich, von morgens bis abends." Allerdings seien ja auch die WirtschaftsverbĂ€nde gegen neue Schulden. Deshalb mĂŒsse alles zusammenpassen, sagte Scholz mit Blick beispielsweise auf zusĂ€tzliche Verteidigungsausgaben und die milliardenschwere UnterstĂŒtzung der Ukraine.
Der PrĂ€sident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, klagte nach dem GesprĂ€ch, man habe vom Kanzler wenig Neues erfahren. "Das kannten wir alles schon." Angesichts der trĂŒben Wachstumsprognosen brauche es eigentlich einen "echten Kraftakt", um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, forderte er. "Die Unternehmen wĂŒnschen sich von der Bundesregierung eine klare Wachstumsagenda, und zwar eine, die ĂŒber eine Legislaturperiode hinaus trĂ€gt." Und fĂŒr echte Entlastungen und Reformen laufe die Zeit davon: "Wir sind auf allen volkswirtschaftlichen Statistiken jetzt auf den letzten PlĂ€tzen." HandwerksprĂ€sident Jörg Dittrich berichtete: "Die Stimmung in den Betrieben ist schlecht."
FĂŒr VerĂ€rgerung in der internen Runde mit dem Kanzler sorgte nach Angaben aus Teilnehmerkreisen auch, dass Scholz nicht auf die konkreten Forderungen der WirtschaftsverbĂ€nde in einem neuen Zehn-Punkte-Papier eingegangen sei. Darin fordern der BDI, die Bundesvereinigung der Deutschen ArbeitgeberverbĂ€nde, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag und der Zentralverband des Deutschen Handwerks unter anderem: international konkurrenzfĂ€hige Strompreise, eine grundlegende Steuerreform mit niedrigeren Unternehmensteuern, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, weniger BĂŒrokratie, Investitionen in die Infrastruktur, eine ausreichende FachkrĂ€ftesicherung sowie Strukturreformen in allen Bereichen der Sozialversicherung, um Unternehmen zusĂ€tzlich finanziell zu entlasten.
Zudem warnen die SpitzenverbÀnde davor, langfristig ein Mindestrentenniveau von 48 Prozent festzuschreiben, weil dies die Finanzierungsprobleme der Rentenversicherung weiter verschÀrfen werde.
Innerhalb einer groĂen Steuerreform fordern die vier SpitzenverbĂ€nde die EinfĂŒhrung einer dauerhaften InvestitionsprĂ€mie, verbesserte Abschreibungsbedingungen, die Ausweitung der steuerlichen Forschungsförderung und eine Senkung von Strom- und Energiesteuern auf das europĂ€ische MindestmaĂ fĂŒr alle Unternehmen und Betriebe. Ziel mĂŒsse eine Senkung der Steuerbelastung der Unternehmen in Deutschland auf maximal 25 Prozent sein, heiĂt es in dem gemeinsamen Papier. Hierzu mĂŒsse unter anderem der SolidaritĂ€tszuschlag aus Sicht der Unternehmen vollstĂ€ndig abgeschafft werden.
Scholz warnte unterdessen auch davor, den Standort Deutschland schlechtzureden. "NatĂŒrlich hilft es nicht, wenn ganz viele Lobbyisten und Politikunternehmer die Stimmung im Land verschlechtern, weil dann behalten die Leute ihr Geld auf dem Sparbuch und investieren nicht", sagte er und mahnte: "Also mĂŒssen wir dafĂŒr sorgen, dass wir unsere Herausforderungen nicht ĂŒbersehen, dass wir die Lage nicht schönreden, aber dass wir die Grundlage dafĂŒr schaffen, dass Zuversicht herrscht, was unternehmerische Investitionen möglich macht."
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