ROUNDUPSchwesig, Selenskyj

UnterstĂŒtzung fĂŒr EU-Beitritt

25.06.2024 - 16:28:48

BundesratsprĂ€sidentin Manuela Schwesig hat sich bei einem Treffen mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew fĂŒr weitere militĂ€rische und wirtschaftliche UnterstĂŒtzung des Landes und die Aufnahme in die EuropĂ€ische Union stark gemacht.

Die MinisterprĂ€sidentin Mecklenburg-Vorpommerns traf Selenskyj am Dienstag in Kiew unmittelbar vor dem offiziellen Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau in Luxemburg. "Das ist ein wichtiger Tag fĂŒr die Ukraine, aber auch fĂŒr die EuropĂ€ische Union. Wir BundeslĂ€nder unterstĂŒtzen diesen Beitritt", sagte Schwesig anschließend.

Patriot-System soll in KĂŒrze geliefert werden

Selenskyj bedankte sich nach ihren Angaben in dem GesprĂ€ch ausdrĂŒcklich fĂŒr die Hilfe Deutschlands, das auch militĂ€risch der zweitwichtigste UnterstĂŒtzer der Ukraine nach den USA ist. Schwesig betonte, dass nun vor allem die Abwehr von Luftangriffen weiter gestĂ€rkt werden mĂŒsse. Ein derzeit in Mecklenburg-Vorpommern zu Ausbildungszwecken stationiertes Patriot-System soll in KĂŒrze geliefert werden. "Es ist jetzt wichtig, dass es in die Ukraine kommt, um die Bevölkerung weiter vor russischen Angriffen zu schĂŒtzen."

FĂŒr den Herbst kĂŒndigte die MinisterprĂ€sidentin eine deutsch-ukrainische Wirtschaftskonferenz in Mecklenburg-Vorpommern an. Dabei soll es vor allem um die Zusammenarbeit mit der an Russland und Belarus grenzenden Partnerregion Tschernihiw nördlich von Kiew gehen.

Russen sperrten 350 Menschen in 200 Quadratmeter großen Keller ein

Schwesig machte sich nach ihrem Aufenthalt in der Hauptstadt ein Bild davon, was der russische Angriffskrieg in den vergangenen gut zwei Jahren angerichtet hat. Sie besuchte das Dorf Jahidne, wo die russischen Invasoren 2022 ĂŒber 350 Dorfbewohner im Keller der örtlichen Schule auf knapp 200 Quadratmetern fĂŒr fast einen Monat einsperrten. Aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen, Wasser- und Nahrungsmangels starben zehn von ihnen.

Die Hauptstadt der Region, die ebenfalls Tschernihiw heißt, war eines der ersten Ziele des russischen Einmarsches im Februar 2022. Auch seit dem russischen RĂŒckzug Ende MĂ€rz 2022 wird sie immer wieder mit Drohnen und Raketen angegriffen. Dort fĂŒhrte Schwesig politische GesprĂ€che ĂŒber weitere Hilfsleistungen.

Aufbau von SchutzrÀumen und Ausbildung von Psychotherapeuten

Mecklenburg-Vorpommern hatte im Januar als erstes ostdeutsches FlĂ€chenland eine Partnerschaft mit einer ukrainischen Region vereinbart und zunĂ€chst 250 000 Euro fĂŒr SchutzrĂ€ume in vier Schulen in Tschernihiw zur VerfĂŒgung gestellt. Weitere 100 000 Euro pro Jahr sollen in weitere Projekte fließen - unter anderem in die Ausbildung von Psychotherapeuten an zwei KrankenhĂ€usern der Region. Eins davon, eine Kinderklinik, sah sich Schwesig wĂ€hrend ihres Besuchs an. Sie betonte, dass die Partnerschaft mit der Region nicht auf die Zeit des Krieges beschrĂ€nkt, sondern langfristig angelegt sei.

Schwesig ist seit dem 1. November 2023 fĂŒr ein Jahr PrĂ€sidentin des Bundesrats und hat damit das vierthöchste Staatsamt nach dem BundesprĂ€sidenten, der BundestagsprĂ€sidentin und dem Bundeskanzler inne. Sie ist die erste Chefin der LĂ€nderkammer, die die Ukraine besucht. Bereits am Montag war sie mit Premierminister Denys Schmyhal, ParlamentsprĂ€sident Rusland Stefantschuk und Kiews BĂŒrgermeister Vitali Klitschko zusammengekommen.

FrĂŒhere Verbindungen zu Russland kein Thema bei GesprĂ€chen

Wegen ihrer engen Zusammenarbeit mit Russland auch nach der Annexion der ukrainischen Krim 2014 und wegen ihres Engagements fĂŒr die Gaspipeline Nord Stream 2 hatte Schwesig lange Zeit einen schweren Stand in der Ukraine. Kurz nach der russischen Invasion 2022 hatte sie eine Kehrtwende vollzogen und ihr damaliges Agieren als Fehler bezeichnet. Bei ihren GesprĂ€chen in der Ukraine war das alles nach Angaben aus ihrer Delegation kein Thema mehr.

@ dpa.de