Burghausen, PFOA

Burghausen klagt wegen PFOA: Bis zu 100 Millionen Euro Folgekosten

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 23:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Stadt will entstandene Kosten einklagen und Folgelasten von 80 bis 100 Millionen Euro bei der 3M-Gruppe anmelden.

Burghausen plant PFOA-Klage gegen Dyneon und prüft weitere Firmen
Eine weitläufige, ungenutzte Baustelle mit aufgewühltem Erdboden vor einer industriellen Kulisse. Illustration mit AI erstellt.

Die Stadt Burghausen bereitet weitreichende rechtliche Schritte gegen Akteure der Chemieindustrie vor. Hintergrund ist die großflächige Belastung von Böden mit Perfluoroctansäure (PFOA), einer gesundheitsgefährdenden Chemikalie. Wie Bürgermeister Florian Schneider ankündigte, soll die entsprechende Klage noch im Laufe des Jahres 2026 beim Landgericht Traunstein eingereicht werden.

Als voraussichtlicher Termin für die Einreichung wird der November genannt. Die juristische Auseinandersetzung richtet sich primär gegen das Unternehmen Dyneon, wobei die Stadt auch die Einbeziehung weiterer Chemieunternehmen prüft.

Forderungen in Millionenhöhe

Die geplanten rechtlichen Maßnahmen teilen sich in zwei wesentliche Bereiche auf. Zum einen strebt die Kommune eine Leistungsklage an, mit der bereits entstandene Kosten in Höhe von rund 1 Mio. Euro geltend gemacht werden sollen. Diese Summe umfasst Ausgaben, die der Stadt Burghausen sowie verschiedenen städtischen Gesellschaften im Zusammenhang mit der PFOA-Problematik bereits entstanden sind.

Zum anderen bereitet die Stadtverwaltung die Anmeldung künftiger Folgekosten vor. Diese werden auf eine Summe zwischen 80 Mio. Euro und 100 Mio. Euro geschätzt. Diese Forderungen sollen bei der 3M-Gruppe angemeldet werden, der Muttergesellschaft von Dyneon.

Für diese Anmeldung besteht ein enges Zeitfenster: Sie muss innerhalb eines halben Jahres nach dem Verkauf von Dyneon erfolgen. Da dieser Prozess zeitkritisch ist, wird die Anmeldung der voraussichtlichen Folgekosten laut Stadtverwaltung ebenfalls noch im Jahr 2026 abgeschlossen sein.

Auswirkungen auf die Stadtentwicklung

Die Kontamination der Böden hat für Burghausen über die ökologischen Aspekte hinaus erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen. Die notwendige und kostspielige Entsorgung des belasteten Erdreichs wirkt nach Angaben der Stadtverwaltung wie eine Bremse für die lokale Entwicklung.

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Der Fall Burghausen zeigt, wie schnell aus einer Bodenbelastung ein Entwicklungshemmnis wird: Belastetes Erdreich lässt sich nicht auf herkömmlichem Weg entsorgen, Bauprojekte verzögern sich, und die Stadt macht allein 80 bis 100 Mio. Euro künftige Folgekosten geltend. Wer heute Grundstücke prüft oder kauft, sollte die Belastungsfrage vor dem Notartermin klären. Kostenlosen Leitfaden zu PFOA-Altlasten im Grundstückskauf anfordern

Sowohl öffentliche Bauprojekte als auch private Investitionen sind von Verzögerungen und massiven Kostensteigerungen betroffen. Da das Material aufgrund der PFOA-Belastung nicht auf herkömmlichem Weg entsorgt werden kann, entstehen für Bauherren und Projektentwickler finanzielle Hürden, die das Investitionsklima in der Region belasten.

Hintergrund der PFOA-Belastung

Die Chemikalie PFOA wurde über einen langen Zeitraum im nahegelegenen Chemiepark Gendorf eingesetzt. Inzwischen ist die Herstellung des Stoffes innerhalb der Europäischen Union seit dem Jahr 2020 verboten. Die langfristigen Folgen der industriellen Nutzung sind jedoch weiterhin präsent. Neben den Bodenbelastungen wurde die Substanz in der Vergangenheit auch im Trinkwasser sowie im Blut von Anwohnern nachgewiesen.

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Bei Altlasten-Grundstücken entscheidet die Vertragsgestaltung darüber, wer am Ende für Entsorgung und Sanierung aufkommt. Der Burghausener Rechtsstreit macht deutlich, wie lange solche Auseinandersetzungen laufen und wie hoch die Streitsummen werden können. Wer Haftungsrisiken sauber auf den Verkäufer verlagern will, braucht belastbare Klauseln. Muster-Klauseln zur Haftungsfreistellung jetzt sichern

Um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, wurden bereits technische Gegenmaßnahmen ergriffen. Die betroffenen Wasserversorgungsanlagen wurden mit Aktivkohlefiltern ausgestattet. Durch diese Reinigungsverfahren gilt das Trinkwasser in der Region mittlerweile als sauber und entspricht den geltenden Sicherheitsstandards.

Mit der angekündigten Klage versucht die Stadt Burghausen nun, die finanziellen Lasten der Bodenreinigung und die daraus resultierenden Entwicklungshindernisse an die Verursacher zu übertragen.

Mehr zum Thema bei WELT: „Burghausen klagt wegen PFOA-Belastung – Millionenforderungen“

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