CBAM-Ausweitung: EU erfasst ab sofort Endprodukte wie Kühlschränke
22.06.2026 - 01:25:16 | boerse-global.de
Künftig sollen auch Endprodukte wie Waschmaschinen und Kühlschränke unter die Regelung fallen. Bisher konzentrierte sich der Mechanismus primär auf Rohstoffe wie Eisen, Stahl und Aluminium.
Mit dem Schritt will die EU das System schließen. Emissionen sollen nicht mehr durch die Verlagerung von Produktionsprozessen in Länder mit weniger strengen Klimauflagen umgangen werden. Das Gesetzesvorhaben bedarf noch der formalen Billigung durch das Europäische Parlament.
Produktionsstopp in der Ukraine
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Die bestehenden CBAM-Vorgaben zeigen bereits konkrete Auswirkungen. ArcelorMittal Kryvyi Rih hat angekündigt, im zweiten Quartal 2026 die Produktion von Betonstahl und Draht in seinem ukrainischen Walzwerk einzustellen. Das Unternehmen begründet den Schritt mit der vollen Wirksamkeit der EU-Grenzsteuer und drastisch gestiegenen Strompreisen in der Ukraine.
Diese kletterten im Januar 2026 auf 210 US-Dollar pro Megawattstunde – verglichen mit 135 US-Dollar im Jahr 2024. Obwohl die Ukraine als kriegerisch angegriffener Partner gilt, lehnte die EU-Kommission Ausnahmeregelungen ab. Der ukrainische Arbeitgeberverband warnt vor schwerwiegenden Folgen und prognostiziert für 2026 einen BIP-Verlust von rund 8,7 Milliarden US-Dollar.
Branchenanalysten des GMK Center befürchten zudem die Schließung weiterer Hochöfen. Mehr als 13.000 Arbeitsplätze wären gefährdet. Der nationale Dekarbonisierungsfonds der Ukraine ist mit 182 Millionen Euro weit davon entfernt, den geschätzten Investitionsbedarf von 102 Milliarden Euro für eine grüne Transformation zu decken.
Zolloffensive gegen chinesische Autos
Parallel bereitet die EU-Kommission zusätzliche Handelsbarrieren für den Automobilsektor vor. Es werden Untersuchungen eingeleitet, um Einfuhrzölle von bis zu 35 Prozent auf Plug-in-Hybride aus China auszuweiten. Bisher galten solche Aufschläge nur für reine Elektrofahrzeuge.
Hintergrund: Chinesische Hersteller nutzen vermehrt Hybridmodelle, um bestehende E-Auto-Zölle zu umgehen. Das Handelsbilanzdefizit der EU mit China erreichte 2025 einen Wert von 360,6 Milliarden Euro – ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Flankiert werden die Maßnahmen durch neue Regeln für den Online-Handel. Ab dem 1. Juli 2026 soll ein Pauschalzoll von 3 Euro auf jede Kleinsendung aus Drittstaaten mit einem Warenwert unter 150 Euro erhoben werden. Ab November ist zudem eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr geplant. Ziel ist es, die Flut von jährlich über vier Milliarden Kleinsendungen einzudämmen.
Kritik aus Deutschland und der Türkei
Gegenwind kommt aus der deutschen Bundespolitik und von internationalen Partnern. Bundesministerin Reiche warb Mitte Juni in Ankara für einen „Made with Europe“-Ansatz. Dieser soll als Alternative zum geplanten „Industrial Accelerator Act“ (IAA) der EU fungieren.
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Der IAA-Entwurf sieht vor, dass Elektroautos eine Bauteilquote von 70 Prozent aus EU-Produktion aufweisen müssen. Batterien sind hiervon ausgenommen. Sowohl die deutsche Industrie als auch die Türkei kritisieren die Pläne als Abschottung. In der Türkei sind über 8.600 Unternehmen mit deutscher Beteiligung aktiv; das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern übersteigt 50 Milliarden US-Dollar.
Auch von chinesischer Seite gibt es Kritik. Der chinesische Botschafter in Deutschland, Deng Hongbo, mahnte eine offene Zusammenarbeit an. Protektionismus würde letztlich europäischen Unternehmen und Verbrauchern schaden, betonte er und verwies auf erfolgreiche Ansiedlungen wie das Batteriezellenwerk von CATL in Thüringen.
Trotz der Handelskonflikte treiben spezialisierte Hersteller ihre Kapazitäten für grüne Technologien in Europa voran. So baut Novelis sein Werk im Schweizer Neuchâtel aus, um europäische Automobilhersteller verstärkt mit kohlenstoffarmem Aluminium zu beliefern. Durch Recyclingverfahren soll der Energiebedarf gegenüber der Primärproduktion um bis zu 95 Prozent sinken.
