Linnemann: Streit um Richterwahl 'hinter den Kulissen' lösen
21.07.2025 - 06:40:13"Ja, wir kriegen das hin", sagte Linnemann dem "Tagesspiegel". Wichtig sei, "dass wir nun in der Koalition hinter den Kulissen und in aller Ruhe zu einer breit getragenen Lösung kommen." Auf die Frage, wie die aussehen könne, antwortete er: "Genau darĂŒber werde ich jetzt nicht öffentlich sprechen."
Am 11. Juli war die Wahl zweier neuer Richterinnen und eines Richters fĂŒr das Bundesverfassungsgericht kurzfristig von der Tagesordnung des Bundestags abgesetzt worden. Zwar hatte die Union die SPD-Kandidatin fĂŒr Karlsruhe, die Juraprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf, im Richterwahlausschuss mit nominiert und die UnionsfraktionsfĂŒhrung hatte sich fĂŒr ihre Wahl ausgesprochen. In der Unionsfraktion gab es aber Widerstand, so dass die Fraktionsspitze die mit der SPD verabredete UnterstĂŒtzung letztlich nicht mehr garantieren konnte.
Linnemann rĂ€umte im "Tagesspiegel" ein, auf die Vorbehalte gegen die Kandidatin in der Unionsfraktion "hĂ€tte schneller reagiert werden mĂŒssen". VorwĂŒrfe, wonach die Abgeordneten sich von einer Kampagne gegen Brosius-Gersdorf hĂ€tten beeinflussen lassen, bezeichnete er als "MĂ€r", die er strikt zurĂŒckweise.
SPD sieht Union am Zug - Linke beharrt auf Vorschlagsrecht
Die SPD sieht fĂŒr eine Lösung des Streits weiter die Union in der Pflicht. "Bei der Wahl zum Bundesverfassungsgericht bestehen wir weiter auf den Verabredungen mit der Union und fordern endlich VerlĂ€sslichkeit ein. Der Umgang mit dieser Wahl hat Spuren hinterlassen", sagte SPD-GeneralsekretĂ€r Tim KlĂŒssendorf den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Linken-Chef Jan van Aken warf der Koalition mangelnde Fortschritte bei der Lösung des Konflikts vor. "Inhaltlich sind die Union und die SPD keinen Millimeter weiter als am 11. Juli", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Van Aken erneuerte zudem die Forderung seiner Partei nach einem Vorschlagsrecht fĂŒr Verfassungsrichter, das die Linke als Gegenleistung fĂŒr die UnterstĂŒtzung von Richterkandidaten der schwarz-roten Koalition fordert.
"FĂŒr uns ist es wichtig, dass das alte Modell fĂŒr das Vorschlagsrecht zur Richterwahl - drei VorschlĂ€ge von der Union, drei von der SPD, je einer von GrĂŒnen und FDP - neu diskutiert wird, entsprechend den neuen KrĂ€fteverhĂ€ltnissen im Bundestag und im Bundesrat", sagte der Linken-Chef.

