Pharmaindustrie, VerbÀnde

Chemie-Tarifrunde: Arbeitgeber fordern Kurswechsel in beispielloser Strukturkrise

16.01.2026 - 14:30:00

Frankenthal - Die Verhandlungen fĂŒr die rund 69.000 BeschĂ€ftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Rheinland-Pfalz sind ohne AnnĂ€herung vertagt worden. Die GesprĂ€che werden ab 03. Februar auf Bundesebene fortgesetzt.

"Wir alle haben keine Blaupause fĂŒr diese Tarifrunde, da wir eine solche Situation in dieser Form noch nicht erlebt haben. In der schwierigsten Lage seit Jahrzehnten kann es auch in der Tarifpolitik kein 'Weiter so' geben", erklĂ€rt Michael MĂŒller, VerhandlungsfĂŒhrer der Chemie-Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz.

Die Arbeitgeber sehen derzeit keinen Spielraum fĂŒr zusĂ€tzliche tarifliche Kosten. "Unsere Anlagen sind historisch schlecht ausgelastet. Das ist wie ein Auto, das im Leerlauf steht und Sprit verbraucht. Und nun verhandeln wir ĂŒber höhere Kosten, obwohl das Auto kaum Strecke fĂ€hrt. Verantwortungsvolle Tarifpolitik darf davor nicht die Augen verschließen und das Prinzip Hoffnung ĂŒber die Fakten stellen", so MĂŒller weiter.

Branche unter massivem Anpassungsdruck

Die chemisch-pharmazeutische Industrie befindet sich in einer tiefgreifenden strukturellen Krise. Die Produktion am Standort Deutschland ist vielfach nicht mehr wettbewerbsfĂ€hig, Investitionen und Wachstum verlagern sich zunehmend ins Ausland. Die rheinland-pfĂ€lzische Chemie ist mit einem Exportanteil von rund 70 Prozent von dieser Entwicklung besonders betroffen. Viele Unternehmen reagieren bereits mit Spar- und Kostensenkungsprogrammen. "Diese Entwicklung zeigt deutlich: FĂŒr VerteilungsspielrĂ€ume ist derzeit kein Platz. Tarifpolitik darf die bestehenden Belastungen der Standorte nicht weiter erhöhen", betont MĂŒller.

Standorte stabilisieren

Nach EinschĂ€tzung der Arbeitgeber haben die Betriebe in den vergangenen Jahren erhebliche Belastungen getragen - unter anderem durch TarifabschlĂŒsse, stark gestiegene Energiepreise sowie zunehmende Regulierung und BĂŒrokratie. "Die Chemie ist ins Rutschen geraten. In der Folge geraten Standorte unter Druck und Anlagen werden geschlossen", so MĂŒller. Zugleich verweist er darauf, dass die BeschĂ€ftigten in der Chemiebranche in den vergangenen Jahren ĂŒberdurchschnittlich von TarifabschlĂŒssen profitiert haben. "Gerade deshalb mĂŒssen wir jetzt verantwortungsvoll handeln, um ArbeitsplĂ€tze, Investitionen und Standorte nicht zu gefĂ€hrden."

Fortsetzung der GesprÀche auf Bundesebene

Die Arbeitgeber bekrĂ€ftigen ihre Bereitschaft zum weiteren Dialog. "Gerade in dieser Phase braucht es Sachlichkeit, Realismus und die gemeinsame Verantwortung fĂŒr die Zukunft der Branche", erklĂ€rt MĂŒller.

Die Tarifverhandlungen werden ab dem 03. Februar in Hannover auf Bundesebene fortgesetzt. Ansprechpartner ist der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) mit Sitz in Wiesbaden.

Hintergrundinformation:

Im Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz e.V. sind 140 Unternehmen mit rund 68.500 BeschÀftigten der chemischen und chemienahen Industrie mit Sitz in Rheinland-Pfalz organisiert.

Die chemische Industrie erwirtschaftet rund ein Drittel des Umsatzes im verarbeitenden Gewerbe. Damit ist die Branche mit Abstand der umsatzstÀrkste Wirtschaftszweig in Rheinland-Pfalz. Neben den klassischen Chemiebetrieben zÀhlen zu den Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes Chemie verschiedene Pharmaunternehmen, Gummi- und Kunststoffverarbeiter, Farb- und Lackhersteller sowie Reinigungsmittelhersteller.

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