China fordert von Partnern Einheit gegen 'Machtpolitik'
01.09.2025 - 07:51:16"Wir sollten nach Gemeinsamkeiten suchen und dabei Unterschiede beiseitelassen", sagte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der Shanghaier Organisation fĂŒr Zusammenarbeit (SOZ) in Tianjin. Zudem forderte er, eine MentalitĂ€t des Kalten Krieges, Blockkonfrontationen und Schikane abzulehnen.
Die Organisation solle der Verantwortung von Frieden, StabilitĂ€t, Entwicklung und Wohlstand in der Region gerecht werden, erklĂ€rte Xi. Er hob die Erfolge der SOZ hervor, darunter die Zusammenarbeit gegen Terrorismus und Investitionen in die Industrie. Ihm zufolge erreichen die Mitglieder der Organisation zusammen eine jĂ€hrliche Wirtschaftsleistung von beinahe 30 Billionen US-Dollar (25,6 Billionen Euro). Xi kĂŒndigte auĂerdem 2 Milliarden Yuan (knapp 239,5 Millionen Euro) an Hilfe fĂŒr SOZ-Mitglieder an.
Modi und Putin halten HĂ€ndchen
Nach Xis Auftaktrede sprachen weitere Staats- und Regierungschefs, darunter Irans PrĂ€sident Massud Peseschkian und Indiens Premierminister Narendra Modi. Die SOZ-Mitglieder wollten zudem eine gemeinsame ErklĂ€rung unterzeichnen. Auf dem Programm des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin standen fĂŒr diesen Montag laut Kreml noch bilaterale Treffen, darunter mit Modi und dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan. Videos zeigten Putin und Modi vor der Zeremonie Hand in Hand durch die Konferenzhalle laufen.
Die SOZ wurde vor 24 Jahren als Organisation fĂŒr den Kampf gegen Terrorismus und fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit gegrĂŒndet. Mittlerweile gehören ihr zehn Staaten an, darunter neben GrĂŒndungslĂ€ndern wie Russland, China und Kasachstan auch Indien, Pakistan sowie seit 2023 der Iran und seit 2024 Belarus.
Die Organisation ist damit eine Art Gegengewicht zu westlichen BĂŒndnissen. Der Gipfel in Tianjin soll StĂ€rke und Geschlossenheit demonstrieren. Dominiert wird die SOZ maĂgeblich von AnfĂŒhrern autoritĂ€rer Systeme, die international auch wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik stehen.
Zwischen Streit und Kooperation
Am Vortag und schon einen Tag vor Beginn des Gipfels fĂŒhrte Xi mit ersten Staats- und Regierungschefs der mehr als 20 angekĂŒndigten Gipfelteilnehmerstaaten sowie Organisationsvertreten wie UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres EinzelgesprĂ€che. Daraus veröffentlichte die chinesische Seite zumeist Forderungen nach mehr Zusammenarbeit zwischen den Staaten. Im GesprĂ€ch mit Modi ging es allerdings auch um einen seit Jahrzehnten schwelenden Grenzkonflikt, der die Beziehungen der beiden bevölkerungsreichsten LĂ€nder der Welt in den vergangenen Jahren stark beeintrĂ€chtigt hatte.
Bei einem Bankett fĂŒr die StaatsgĂ€ste am Sonntagabend (Ortszeit) sagte Xi, die Welt erlebe VerĂ€nderungen wie seit einem Jahrhundert nicht mehr, mit einer deutlich zunehmenden InstabilitĂ€t und Unsicherheit. Die SOZ trage eine noch gröĂere Verantwortung fĂŒr die Wahrung des Friedens und der StabilitĂ€t in der Region, betonte er.
Forderung nach neuer Weltordnung
Xi und auch Putin fordern schon lĂ€nger den Aufbau einer "multipolaren Weltordnung". Damit meinen sie vor allem eine Weltordnung abseits einer aus ihrer Sicht vorherrschenden FĂŒhrung der USA. China buhlt dafĂŒr schon lĂ€nger um mehr Einfluss im Globalen SĂŒden und prĂ€sentiert sich mit Investitions-Initiativen, etwa der "Neuen SeidenstraĂe", als Alternativen zu westlichen Partnern wie etwa den USA oder der EuropĂ€ischen Union.
In die Karten spielt der SOZ nicht zuletzt das angeschlagene VerhĂ€ltnis vieler Staaten mit den USA im Streit um Zölle. So hatte US-PrĂ€sident Donald Trump jĂŒngst die AufschlĂ€ge fĂŒr Importe aus Indien auf 50 Prozent verdoppelt. Washington begrĂŒndete dies unter anderem mit Indiens Ăl-GeschĂ€ften mit Russland, die Geld in Moskaus Kasse fĂŒr den Angriffskrieg in der Ukraine spĂŒlen. Der Besuch Modis in China - der erste seit sieben Jahren - wurde deshalb auch als AnnĂ€herung an Peking gesehen.
WĂ€hrend Modi an diesem Montag abreist, bleibt Putin mehrere Tage in China, um am Mittwoch in der nahe gelegenen chinesischen Hauptstadt Peking unter anderem mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un einer MilitĂ€rparade zum 80. Jahrestag des Sieges ĂŒber Japan im Zweiten Weltkrieg beizuwohnen. Zuvor sind am Dienstag auch bilaterale russisch-chinesische Verhandlungen geplant.

