Deutschland, China

BDI: China-Schock 2.0 trifft deutsche Industrie hart

Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 04:00 Uhr | dpa.de

China ist fĂŒr die deutsche Wirtschaft Partner und Rivale. Die Konkurrenz nimmt zu. Welche Optionen der deutsche Industrieverband sieht.

Tanja Gönner vom BDI ist besorgt. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa
Tanja Gönner vom BDI ist besorgt. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa

Der Bundesverband der Deutschen Industrie sieht zunehmende Probleme mit dem Wettbewerber China. «Wir erleben einen China-Schock 2.0.», sagte die HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Tanja Gönner, der Deutschen Presse-Agentur. «Er trifft nicht nur einzelne Branchen, sondern massiv die Industrie in der Breite: durch AbhĂ€ngigkeiten bei kritischen Rohstoffen, eine deutlich unterbewertete WĂ€hrung, staatlich induzierte ÜberkapazitĂ€ten, die wegen eines schwachen Binnenmarkts in China und Marktabschottung insbesondere in den USA ungebremst den EU-Binnenmarkt fluten.» Dazu komme Chinas Anspruch, in SchlĂŒsseltechnologien WeltmarktfĂŒhrer zu werden. 

«Aber Europa hat Optionen», sagte Gönner. Rund 60 Prozent des Welthandels wĂŒrden weiter nach Regeln der Welthandelsorganisation WTO abgewickelt, viele Partner wollten regelbasierten Handel. «Dass die EU jetzt Handelsabkommen abschließt, die ĂŒber Jahre feststeckten, ist ein wichtiges Signal.»

So war Anfang Mai das Mercosur-Handelsabkommen zwischen der EuropÀischen Union und den Mercosur-LÀndern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay vorlÀufig in Kraft getreten. Durch den schrittweisen Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll es den Austausch von Waren und Dienstleistungen ankurbeln.

«Keine komplette Abschottung» 

Europa brauche mehr Durchsetzungskraft gegenĂŒber China, aber keine komplette Abschottung, sagte Gönner. «Wir sollten versuchen, an vielen Stellen die regelbasierte Ordnung hochzuhalten und zugleich ĂŒberlegen, wie wir uns zur Wehr setzen können. Europa muss schneller reagieren und dafĂŒr braucht es neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft.» 

Anfang 2019 hatte sich der BDI in einem Grundsatzpapier fĂŒr eine Neuausrichtung der deutschen China-Politik ausgesprochen. Die Marktwirtschaft mĂŒsse «widerstandsfĂ€higer» gemacht werden, hieß es. China wurde als Partner, aber auch zunehmend als systemischer Wettbewerber beschrieben. In der China-Strategie der Bundesregierung 2023 wurde China als Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale bezeichnet.

Als erster China-Schock wird die Lage nach Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation 2001 beschrieben, als billige Produkte aus der Volksrepublik in großem Stil auf die WeltmĂ€rkte kamen. Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas geriet fĂŒr die deutsche Industrie zu einem großen Boom, weil Chinesen deutsche Autos und Maschinen kauften. Inzwischen haben deutsche Autobauer zunehmend Probleme auf dem chinesischen Markt. In vielen Branchen drĂ€ngen staatlich subventionierte chinesische Hersteller mit billigen Preisen auf europĂ€ische MĂ€rkte.

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