China steigert Exporte im September um 36,3 Prozent
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 07:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSChinas AuĂenhandel erreicht neue GröĂenordnung
- Chinas Ausfuhren stiegen im September binnen Jahresfrist um 36,3 Prozent auf US-Dollar-Basis.
- Der HandelsĂŒberschuss lag bei rund 133 Milliarden US-Dollar, fĂŒr die ersten drei Quartale bei 938,11 Milliarden.
- In die EU exportierte China 25,3 Prozent mehr, wÀhrend die Einfuhren aus der EU nur um 0,7 Prozent zunahmen.
Chinas Exporte haben im September trotz des wachsenden Drucks von Handelspartnern deutlich zugelegt.
Importe wachsen ebenfalls stark
Nach Angaben der Zollbehörde in Peking stiegen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 36,3 Prozent. Die Importe legten um 31 Prozent zu. Analysten hatten im Schnitt ein Exportplus von etwa 25 Prozent und ein Importwachstum von bis zu 24,5 Prozent erwartet.
Als einen Treiber nannte Zoll-Vizeminister Wang Jun den Boom bei KĂŒnstlicher Intelligenz. Dadurch sei die Nachfrage nach Schaltkreisen, Speichermedien sowie Produkten zur Speicherung und Ăbertragung von Strom gestiegen.
RekordĂŒberschuss aus dem Vorjahr in Sicht
Der Ăberschuss von rund 133 Milliarden US-Dollar im September entspricht etwa 119 Milliarden Euro. In den ersten drei Quartalen summierte er sich auf 938,11 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 836,9 Milliarden Euro.
China steuert damit auf den RekordhandelsĂŒberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar aus dem Jahr 2025 zu. Der Zoll rechnet trotz der unruhigen Weltwirtschaft auch im kommenden Quartal mit weiterem Wachstum bei Importen und Exporten.
Europa nimmt deutlich mehr Waren ab
Die Handelspartner kritisieren das Ungleichgewicht seit lÀngerem und fordern von Peking, den Inlandskonsum zu stÀrken. Die Binnennachfrage leidet unter den Folgen der Immobilienkrise, hoher Jugendarbeitslosigkeit und einem schwach ausgebauten sozialen Sicherheitsnetz.
Im Handel mit Deutschland stiegen Chinas Exporte im September um 31,4 Prozent. Die Importe aus Deutschland legten dagegen nur um 0,1 Prozent zu. Auch mit der EU vergröĂerte sich die Differenz: China fĂŒhrte 25,3 Prozent mehr aus, importierte aber lediglich 0,7 Prozent mehr.
Unternehmen suchen AbsatzmÀrkte im Ausland
Peking hĂ€lt an einem investitionsgetriebenen Wachstumsmodell fest und setzt auf Zukunftsbranchen wie KĂŒnstliche Intelligenz und Chiptechnologie. Zugleich steigt vor allem bei den Lokalregierungen die Verschuldung.
Viele Unternehmen produzieren dadurch mehr, als der chinesische Binnenmarkt aufnimmt. Firmen aus der Stahl-, Auto- und Solarindustrie suchen deshalb zusĂ€tzliche MĂ€rkte im Ausland. Nach Darstellung der dpa werden dabei hĂ€ufig subventionierte Produkte zu gĂŒnstigen Preisen angeboten.
Autoindustrie gerÀt unter Druck
Die EU wirft China vor, mit solchen Exporten den Wettbewerb zu verzerren. Peking weist den Vorwurf von ĂberkapazitĂ€ten und die Darstellung eines âChina-Schocksâ zurĂŒck und verweist auf Skaleneffekte, Innovationen sowie die Nachfrage nach Produkten fĂŒr die grĂŒne Transformation.
Besonders sichtbar ist der Konflikt in der Autoindustrie. Im September wurden in China nach Daten des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA 1,63 Millionen Fahrzeuge verkauft, 28,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig exportierten die Hersteller 923.000 Fahrzeuge, ein Plus von 73,2 Prozent.
EU begrenzt Hybridimporte
BrĂŒssel und Peking einigten sich am vergangenen Freitag darauf, die Einfuhr chinesischer Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeuge in die EU anzupassen. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic zufolge soll die Zahl ĂŒber vier Jahre um âeinige Millionen Fahrzeugeâ sinken.
Ab Dezember soll die EU chinesische Hybridfahrzeug-Importe auf 350.000 StĂŒck pro Jahr begrenzen. Die Quote soll jĂ€hrlich um sechs Prozent steigen. Chinas Handelsministerium bezeichnete die Vereinbarung als âAufwĂ€rtskorrekturâ gegenĂŒber den 302.000 Hybridimporten, die in der EU-Statistik fĂŒr 2025 aufgefĂŒhrt sind.
Experten bewerten Vereinbarung unterschiedlich
Der Chef der deutschen Auslandshandelskammer in Ostchina, Michael Kern, wertete die Verhandlungen als hoffnungsvolles Signal. FĂŒr mehr als 5.000 deutsche Unternehmen in China sinke damit zunĂ€chst das Risiko einer Eskalation.
Autoexperte Peter Fintl sieht dagegen vor allem eine kurze Atempause fĂŒr die europĂ€ische Autoindustrie. EuropĂ€ische Hersteller mĂŒssten die Zeit nutzen, ihre Kostenbasis zu optimieren. Der Wirtschaftswissenschaftler Michael Pettis hĂ€lt das Abkommen fĂŒr zu begrenzt, weil es nur eine Branche betreffe und das grundlegende Ungleichgewicht der Nachfrage nicht löse.
ExportĂŒberschuss verschĂ€rft den Handelskonflikt
Chinas AuĂenhandel entwickelt sich deutlich dynamischer als die Nachfrage im eigenen Land. Das zeigt sich nicht nur am hohen September-Ăberschuss, sondern auch an der sehr unterschiedlichen Entwicklung im Handel mit Deutschland und der EU: Stark wachsenden chinesischen Ausfuhren stehen nahezu stagnierende Importe gegenĂŒber. FĂŒr europĂ€ische Unternehmen erhöht das den Wettbewerbsdruck, besonders in Branchen mit hohen Investitionen und staatlich geförderten ProduktionskapazitĂ€ten.
Der Streit reicht damit ĂŒber einzelne Waren hinaus. Die EU versucht, den Zugang ihres Marktes zu steuern, ohne den Handel mit China grundsĂ€tzlich abzubrechen. Die vereinbarte Begrenzung fĂŒr chinesische Hybridfahrzeuge ist dafĂŒr ein begrenztes Instrument: Sie betrifft eine Branche und lĂ€sst andere Exportbereiche wie Solartechnik, Batterien, Maschinen oder Stahl unberĂŒhrt. Zugleich kann sie europĂ€ische Hersteller treffen, die Fahrzeuge in China fertigen.
Begrenzung schafft Zeit, löst aber Grundproblem nicht
FĂŒr Verbraucher in Europa können mehr chinesische Fahrzeuge zunĂ€chst Auswahl und Preisdruck bedeuten. Zugleich wĂ€chst der Anpassungsdruck auf europĂ€ische Hersteller, die Kosten senken und ihre Modellpalette wettbewerbsfĂ€higer machen mĂŒssen. Eine Importquote kann diesen Prozess zeitweise abfedern, ersetzt aber keine Industrie- und Handelspolitik.
Entscheidend bleibt deshalb, ob China seine Binnennachfrage stĂ€rkt und ob die EU ihre Handelsbeziehungen mit Peking breiter ausbalanciert. Solange chinesische Unternehmen wegen schwacher Inlandsnachfrage und hoher ProduktionskapazitĂ€ten auf AuslandsmĂ€rkte angewiesen bleiben, dĂŒrfte der Konflikt ĂŒber faire Wettbewerbsbedingungen bestehen bleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: âEU begrenzt chinesische Hybridauto-Importe auf 350.000 pro Jahrâ (12.10.2026)
Der Bericht bestĂ€tige die jĂ€hrliche Obergrenze von 350.000 Fahrzeugen und erlĂ€utere, dass die EU damit auf deutlich steigende chinesische Plug-in-Hybrid-Exporte reagiere. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf die praktische Umsetzung durch die Zollbehörden und die Entwicklung der Quote ĂŒber vier Jahre.
Spiegel: âHandelseinigung EU begrenzt Importe fĂŒr Hybridautos aus China auf 350.000â (12.10.2026)
Der Artikel bestÀtige die Vereinbarung und stelle ihre mögliche Wirkung auf den Marktanteil chinesischer Hersteller in den Mittelpunkt. Zudem hebe er hervor, dass die Regelung nach Darstellung der beteiligten Seiten mit WTO-Regeln vereinbar sei; offen bleibe, wie stark sie den breiteren Handelskonflikt beeinflusse.
Beide Berichte stellten die Importbegrenzung als konkreten Schritt der EU gegen den wachsenden Wettbewerbsdruck dar. WÀhrend tagesschau.de die Verwaltung der Quote betone, richte der Spiegel den Blick stÀrker auf Marktanteile und handelspolitische Folgen.
