China und EU einigen sich im Streit über Hybridauto-Exporte
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 14:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
China und die EU haben nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums im Streit über chinesische Hybridauto-Exporte nach Europa eine Einigung erzielt.
Details bleiben offen
Beide Seiten hätten sich nach intensiven Beratungen verständigt, teilte das Ministerium in Peking mit. Die Verständigung stehe im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation.
Weitere Einzelheiten gingen aus dem 16 Punkte umfassenden Ergebnispapier zunächst nicht hervor. Zuvor hatten EU-Handelskommissar Maros Sefcovic und Chinas Handelsminister Wang Wentao in Peking miteinander gesprochen. Der Streit über Hybridautos stand dabei auf der Agenda.
EU erwog Quoten und Zölle
Diplomaten hatten zuvor gesagt, China habe Forderungen zurückgewiesen, seine stark gestiegenen Hybridauto-Exporte freiwillig zu begrenzen. In der EU wurde deshalb eine zeitlich befristete Schutzmaßnahme erwogen.
Geplant waren Einfuhrquoten und hohe Zölle für Lieferungen, die über festgelegte Mengen hinausgehen. Hintergrund ist der Vorwurf, China überschwemme den europäischen Markt mit günstigen Fahrzeugen und verschaffe seinen Herstellern durch staatliche Unterstützung Wettbewerbsvorteile.
Erleichterungen bei Exportkontrollen
China und die EU betonten nach chinesischen Angaben außerdem die Notwendigkeit eines intensiveren Austauschs über Exportkontrollen. Peking erklärte sich bereit, Ausfuhrlizenzen für seltene Erden über einen sogenannten grünen Kanal zu erleichtern.
Im Gegenzug will die EU China im Bereich der Lizenzen für Güter mit doppeltem Verwendungszweck entgegenkommen. Dabei handelt es sich um Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können.
Großes Handelsdefizit
Bei den Gesprächen dürfte auch das Handelsdefizit der EU gegenüber China eine Rolle gespielt haben. 2025 führte die EU Waren im Wert von rund 360 Milliarden Euro mehr aus China ein, als sie dorthin exportierte.
Die Exportflut aus China sorgt bei Politikern und in Teilen der europäischen Industrie für Besorgnis. Als Grund gilt unter anderem die schwache Nachfrage im chinesischen Binnenmarkt bei gleichzeitig hoher Produktion. Unternehmen bieten ihre Waren deshalb verstärkt im Ausland zu günstigen Preisen an.
Forderungen aus Berlin und Paris
Brüssel wirft Peking vor, mit staatlichen Subventionen den Wettbewerb zu verzerren. China warnt dagegen vor protektionistischen Maßnahmen der EU.
Deutschland und Frankreich dringen angesichts wachsender Belastungen für die europäische Industrie auf ein entschlosseneres Vorgehen gegen chinesische Importe. Sie fordern unter anderem ein neues Instrument, mit dem der Zugang zum EU-Markt für bestimmte Produkte schnell eingeschränkt werden könnte.
Einigung mit offenem Regelwerk
Die angekündigte Verständigung fällt in eine Phase, in der die EU ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von China verringern will, ohne den Handel grundsätzlich abzubrechen. Im Zentrum stehen dabei nicht nur Fahrzeuge, sondern auch kritische Rohstoffe, Batterien und Technologien. Die Gespräche in Peking verbinden deshalb den Streit über Hybridautos mit Fragen der Versorgungssicherheit und der Exportkontrolle.
Für die europäische Autoindustrie ist der Konflikt besonders relevant: Chinesische Hersteller können auf große Produktionskapazitäten und teilweise staatlich geförderte Lieferketten zurückgreifen. Zugleich sind europäische Unternehmen selbst stark vom chinesischen Markt sowie von chinesischen Batterien und Rohstoffen abhängig. Schutzmaßnahmen könnten heimische Anbieter entlasten, würden aber das Risiko chinesischer Gegenreaktionen und höherer Preise erhöhen.
Handelspolitischer Spielraum bleibt entscheidend
Die politische Tragweite der Einigung hängt daher davon ab, ob aus der angekündigten Verständigung konkrete und überprüfbare Regeln entstehen. Ein freiwilliger Verzicht auf zusätzliche Exporte, verbindliche Quoten oder lediglich ein intensiverer Austausch hätten jeweils sehr unterschiedliche Folgen für Hersteller, Händler und Verbraucher. Solange das Ergebnispapier diese Details nicht öffentlich macht, bleibt insbesondere offen, wie der Hybridstreit praktisch gelöst werden soll.
Berlin und Paris drängen parallel auf schnellere EU-Instrumente gegen Wettbewerbsverzerrungen. Das erhöht den Verhandlungsdruck auf Peking, kann aber auch die europäische Geschlossenheit belasten, weil einzelne Mitgliedstaaten unterschiedlich stark vom China-Geschäft profitieren. Für Käufer könnten sich Änderungen bei Modellangebot, Preisen und Lieferzeiten ergeben; für die Industrie geht es zugleich um langfristige Investitionsentscheidungen und resilientere Lieferketten.

