ROUNDUP, Chinas

Chinas Außenminister kritisiert Westen und lobt Russland-VerhĂ€ltnis

07.03.2024 - 11:39:21

Chinas Außenminister Wang Yi hat deutliche Kritik am Westen geĂ€ußert und das gute VerhĂ€ltnis der Volksrepublik zu Russland gelobt.

Besonders scharfe Worte fand der Chef-Diplomat fĂŒr jegliche Einmischung in die sogenannte Taiwan-Frage. "Wer auch immer die UnabhĂ€ngigkeit Taiwans unterstĂŒtzt, wird sich daran verbrennen und die bittere Pille fĂŒr seine Taten schlucken", sagte Wang. China werde niemals erlauben, dass sich Taiwan vom Festland abspalte. Wang sprach am Donnerstag wĂ€hrend der traditionellen Pressekonferenz seiner Behörde im Rahmen des in Peking tagenden Volkskongresses.

Die zurĂŒckliegenden Parlaments- und PrĂ€sidentschaftswahlen in der ostasiatischen Inselrepublik Taiwan Mitte Januar bezeichnete Wang als "Lokalwahlen in einem Teil Chinas". Peking zĂ€hlt Taiwan zum Territorium Chinas, obwohl dort seit Jahrzehnten eine demokratisch gewĂ€hlte Regierung an der Macht ist und die Kommunistische Partei in Peking die Insel noch nie regierte. Bei der Wahl gewann Lai Ching-te von der Demokratischen Fortschrittspartei. Die chinesische Regierung unter Staats- und Parteichef Xi Jinping sieht diese als separatistisch an. China will die Insel mit dem Festland wiedervereinigen - notfalls auch unter Einsatz militĂ€rischer Mittel.

China wirft USA UnterdrĂŒckung vor

Vor Hunderten Journalisten in dem prall gefĂŒllten Pressesaal warf Wang den USA zudem vor, China zu unterdrĂŒcken und sich nicht an Zusagen gehalten zu haben. Washington habe seine Sanktionen gegen die zweitgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft der Welt ausgeweitet, sagte der 70-JĂ€hrige. Die US-Regierung will China damit zum Beispiel von wichtiger Chiptechnologie abschneiden. Peking reagiert meist mit Gegenmaßnahmen, wie ExporteinschrĂ€nkungen wichtiger Rohstoffe. Wenn die USA immer nervös wĂŒrden, sobald sie das Wort China hörten, wo sei da das Selbstbewusstsein einer Großmacht, fragte Wang. Washington mĂŒsse mit Peking fĂŒr eine stabile Entwicklung der Beziehungen zusammenarbeiten, sagte er.

Der EU unterstellte Wang, China falsch wahrgenommen zu haben. Dass BrĂŒssel die zweitgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft der Welt als Partner fĂŒr Kooperation, wirtschaftlichen Konkurrenten und systemischen Rivalen beschrieb, "entspricht nicht den Fakten und ist nicht praktikabel", sagte der 70-JĂ€hrige. Dies habe die Entwicklung des EU-China-VerhĂ€ltnisses unnötig gestört.

China: Fortsetzung des Gaza-Kriegs nicht zu rechtfertigen

Schwierig galt bislang die Position Chinas im Gaza-Krieg. Wang forderte ein Ende der Gewalt gegen Zivilisten. "Es kann nicht lĂ€nger eine Rechtfertigung fĂŒr die Fortsetzung des Konflikts und keine Entschuldigung fĂŒr die Tötung von Zivilisten geben", sagte er. Nur durch eine vollstĂ€ndige Umsetzung einer Zweistaatenlösung und Gerechtigkeit fĂŒr palĂ€stinensische Menschen kann Wang zufolge der Teufelskreis des israelisch-palĂ€stinensischen Konflikts durchbrochen und der NĂ€hrboden fĂŒr extremistische Gedanken zerstört werden. Das Streben nach einem unabhĂ€ngigen Staat PalĂ€stina könne nicht lĂ€nger umgangen werden, sagte er. Das blutige Massaker der Hamas vom 7. Oktober auf israelischem Boden, das zum Beginn des Kriegs in Gaza fĂŒhrte, erwĂ€hnte Wang nicht.

Mit Zweistaatenlösung ist gemeint, dass Israel und ein unabhĂ€ngiger PalĂ€stinenserstaat friedlich Seite an Seite leben. In den vergangenen mehr als zwei Jahrzehnten sind mehrere Verhandlungsversuche, das Prinzip einer Zweistaatenlösung umzusetzen, gescheitert. Israel und die PalĂ€stinenser konnten sich bislang nicht auf eine Lösung besonders strittiger Fragen wie Grenzziehung, Status von Jerusalem oder das Schicksal von palĂ€stinensischen FlĂŒchtlingen und Vertriebenen einigen.

Einmal mehr wurde die gute Beziehung Chinas zu Russland klar, das in Peking einen sehr engen VerbĂŒndeten hat. "Russisches Gas hat Tausende von chinesischen Haushalten erreicht und chinesische Autos fahren auf russischen Straßen", erklĂ€rte Wang. Das zeige die Widerstandskraft einer fĂŒr beide Seiten nĂŒtzlichen Kooperation. Im laufenden Angriffskrieg Moskaus gegen die Ukraine Ă€nderte China seine nach Außen hin neutrale Haltung nicht. Wang erklĂ€rte, die Regierung unterstĂŒtze eine internationale Friedenskonferenz, die von Russland und der Ukraine anerkannt werde. "Alle Konflikte mĂŒssen am Verhandlungstisch enden", sagte er.

China fordert, Sorgen Nordkoreas zu hören

Sorgen bereitet China indes die Situation um Nordkorea. Wang nannte als Grund fĂŒr die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel die Überbleibsel des Kalten Kriegs und der nie aufgebaute Friedensmechanismus. "Die Lage auf der Halbinsel wird immer angespannter, was China nicht sehen möchte", sagte er. Wichtig sei die AufrĂŒstung zu stoppen und die Spirale der Eskalation zu durchbrechen. Verhandlungen könnten nur wieder aufgenommen werden, indem sich mit den Sicherheitsbedenken aller Seiten, "insbesondere" von Nordkorea befasst werde.

@ dpa.de