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Chips Act 2.0 am 3. Juni: EU will Halbleiter-Unabhängigkeit sichern

29.05.2026 - 20:48:39 | boerse-global.de

Die EU-Kommission plant schärfere Handelsinstrumente gegen Dumping-Importe aus China und will kritische Lieferketten sichern.

KI-Agenten ĂĽbernehmen die Industrie - Foto: ĂĽber boerse-global.de
KI-Agenten ĂĽbernehmen die Industrie - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Die EU-Kommission berät heute über eine Neuausrichtung ihrer Handelspolitik – mit dem Ziel, die heimische Industrie vor chinesischen Importen zu schützen und die Lieferketten für kritische Rohstoffe zu sichern. Vor dem EU-Gipfel am 18. und 19. Juni geht es um härtere Maßnahmen gegen subventionierte Einfuhren.

Milliarden-Defizit und Job-Ängste

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sucht Unterstützung für schärfere Instrumente gegen Dumping-Importe. Der Hintergrund: Das Handelsdefizit der EU mit China erreichte 2025 rund 360 Milliarden Euro – und wuchs im ersten Quartal 2026 weiter an.

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EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné spricht bereits von einem zweiten großen Wirtschaftsschock aus China. Seine Warnung: Bis zu 29 Millionen Arbeitsplätze könnten in Gefahr sein. Die Debatte dreht sich um die Frage, wie Europa seine wirtschaftliche Abhängigkeit von Peking reduzieren kann.

Chinesische Rohstoff-Exporte brechen ein

Der Vorstoß für mehr Unabhängigkeit kommt nicht von ungefähr. China kontrolliert 98 Prozent der weltweiten Produktion von Gallium und einen erheblichen Teil der Germanium-Verarbeitung – und hat die Ausfuhren drastisch gedrosselt.

Die April-Zahlen 2026 sprechen eine deutliche Sprache: Chinesische Gallium-Exporte fielen auf magere drei Kilogramm. Im März waren es noch 5.320 Kilogramm, im April des Vorjahres 4.777 Kilogramm. Auch Germanium-Lieferungen nach Deutschland und Japan sanken auf unter ein Kilogramm.

Experten des Rohstoffhändlers Tradium warnen vor massiven Engpässen. Gallium ist unverzichtbar für die 5G-Technologie, Radarsysteme und LEDs. Germanium wird für Halbleiter und Glasfaserkabel benötigt. Die Knappheit bedroht ganze Lieferketten.

Deutschland sucht den Ausgleich

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche reist derzeit durch China und wirbt für fairen Wettbewerb. Begleitet wird sie von BASF-Chef Markus Kamieth und Thyssenkrupp-Vorstand Miguel López Borrego. Deutschland plädiert für einen ausgewogenen Kurs – doch andere EU-Staaten drängen auf Tempo.

Frankreich, Italien und die Niederlande fordern eine schnellere Umsetzung von Schutzinstrumenten. Die Frage ist: Wie viel Protektionismus verträgt die offene europäische Wirtschaft?

Neue Zölle und der Chips Act 2.0

Die EU-Kommission prüft neue Handelsinstrumente – ähnlich internationaler Branchenzölle – zum Schutz von Chemie, Metall und sauberen Technologien. Kommissar Séjourné will die Handelsverteidigung „systematischer“ nutzen.

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Bereits eingefĂĽhrt: Ein neues System fĂĽr Stahlimporte seit April 2026. Die zollfreie Quote liegt 47 Prozent unter dem Niveau von 2024. Alles, was darĂĽber hinausgeht, wird mit 50 Prozent Zoll belegt. Ab dem 1. Juli 2026 kommt zudem eine Pauschalabgabe von drei Euro auf gĂĽnstige Online-Pakete.

Am 3. Juni will EU-Technologiekommissarin Henna Virkkunen den „Chips Act 2.0“ vorstellen. Ziel: Europäische Start-ups im Halbleiterbereich sollen bevorzugt beliefert werden. Derzeit hält die EU zehn Prozent des globalen Chip-Marktes – das Ziel von 20 Prozent bis 2030 rückt in weite Ferne. Schätzungen zufolge braucht das europäische Chip-Ökosystem bis 2035 Investitionen von 120 Milliarden Euro.

Cloud-Gesetz und Rohstoff-Korridor

Im Digitalbereich plant Brüssel ein „Cloud and AI Development Act“, das noch in der kommenden Woche vorgestellt werden soll. Die Regelung sieht vor, europäische Anbieter bei öffentlichen Aufträgen zu bevorzugen – besonders bei sensiblen Daten aus Gesundheitswesen und Verteidigung. Vier Stufen der Cloud-Souveränität sind geplant. Ein Ausschluss großer US-Anbieter ist vorerst nicht vorgesehen.

Für alternative Rohstoffquellen investiert die EU über zwei Milliarden Euro in den Lobito-Korridor. Die 1.800 Kilometer lange Eisenbahnstrecke verbindet die Bergbauregionen der Demokratischen Republik Kongo und Sambia mit dem angolanischen Hafen Lobito. Ein europäisches Konsortium um Trafigura und Mota-Engil betreibt die Strecke.

Im Mai 2026 rollte der erste Kobalt-Transport. Das Ziel: jährlich eine Million Tonnen Fracht. Fehlende Schienenverbindungen nach Sambia sollen bis 2028 fertiggestellt sein. Ob das reicht, um die Abhängigkeit von China zu brechen, wird sich zeigen müssen.

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