Cloud-Gesetz, SouverÀnitÀts-Zertifikat

Cloud-Gesetz: EU fĂŒhrt SouverĂ€nitĂ€ts-Zertifikat gegen US-Giganten ein

03.06.2026 - 12:06:22 | boerse-global.de

Die EU-Kommission will mit dem Cloud and AI Development Act die AbhÀngigkeit von US-Anbietern reduzieren und Milliarden investieren.

Cloud-Gesetz: EU fĂŒhrt SouverĂ€nitĂ€ts-Zertifikat gegen US-Giganten ein - Bild: ĂŒber boerse-global.de
Cloud-Gesetz: EU fĂŒhrt SouverĂ€nitĂ€ts-Zertifikat gegen US-Giganten ein - Bild: ĂŒber boerse-global.de

KernstĂŒck ist der Cloud and AI Development Act (CADA), der die AbhĂ€ngigkeit Europas von US-Technologiekonzernen drastisch reduzieren soll.

Neue HĂŒrden fĂŒr Amazon, Microsoft und Google

Das Gesetz fĂŒhrt sogenannte SouverĂ€nitĂ€ts-Risikobewertungen fĂŒr Cloud-Dienste in kritischen Sektoren ein. Betroffen sind Finanzwesen, Gesundheitswesen, Energieversorgung und Justiz. Ein neues Bewertungssystem namens SEAL stuft Anbieter auf einer Skala von 0 bis 4 ein.

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Besonders sensible Regierungsdaten sollen kĂŒnftig nur noch von Anbietern mit SEAL-3-Zertifizierung verarbeitet werden dĂŒrfen. Die HĂŒrde: Diese Stufe setzt den Einsatz europĂ€ischer Hardware und Software voraus. FĂŒr die US-Dominanz im Cloud-Markt – Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud kontrollieren rund 70 Prozent des europĂ€ischen Marktes – wĂ€re das ein herber RĂŒckschlag.

Der Vorstoß ist eine direkte Reaktion auf den US Cloud Act von 2018, der US-Behörden den Zugriff auf Daten amerikanischer Firmen erlaubt – unabhĂ€ngig vom Speicherort. BrĂŒssel will nun sicherstellen, dass europĂ€ische Daten in strategischen Sektoren unter heimischer Jurisdiktion bleiben. Ein erster Testfall: Erst kĂŒrzlich vergab die EU einen 180-Millionen-Euro-Cloud-Auftrag ausschließlich an europĂ€ische Anbieter.

Milliarden-LĂŒcke in der Rechenleistung

Die wirtschaftliche Dringlichkeit ist enorm. Die AbhĂ€ngigkeit von außereuropĂ€ischen Digitaltechnologien kostet die Union jĂ€hrlich rund 264 Milliarden Euro. Besonders eklatant ist der RĂŒckstand bei der KI-Rechenleistung: Die USA verfĂŒgen ĂŒber das FĂŒnf- bis Zehnfache der europĂ€ischen KapazitĂ€ten.

Das Paket sieht daher einen massiven Ausbau vor: Die europĂ€ische Rechenzentrums-KapazitĂ€t soll sich in den nĂ€chsten fĂŒnf bis sieben Jahren verdreifachen. Bis 2035 will die EU den Eigenbedarf an Cloud- und KI-Infrastruktur vollstĂ€ndig decken. Die geplante „AI Gigafactory“ – fĂŒnf Rechenzentren mit je einem Gigawatt Leistung – wurde zwar auf Juli 2026 verschoben, andere Projekte laufen aber bereits.

120 Milliarden fĂŒr Chips und Rechenzentren

Flankiert wird das Gesetz von massiven Investitionen. Der ĂŒberarbeitete European Chips Act 2.0 soll insgesamt 120 Milliarden Euro mobilisieren, darunter 30 Milliarden Euro fĂŒr eine reine KI-Halbleiterfabrik.

Frankreich geht mit gutem Beispiel voran: Beim „Choose France“-Gipfel wurden Rekordinvestitionen von 93 Milliarden Euro angekĂŒndigt. Allein der japanische Investor SoftBank will bis 2031 rund 45 Milliarden Euro in Rechenzentren in Nordfrankreich stecken. Auch Amazon beteiligt sich mit ĂŒber 14 Milliarden Euro fĂŒr Logistik und Infrastruktur.

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EuropÀische Allianz gegen die Tech-Giganten

UnterstĂŒtzung kommt von einem BĂŒndnis aus 13 europĂ€ischen Cloud- und Digitalorganisationen. In einem gemeinsamen Brief vom 1. Juni sprachen sich Unternehmen wie OVHcloud, Nextcloud und Proton fĂŒr den „Europe-first“-Ansatz bei öffentlichen AuftrĂ€gen aus. Sie arbeiten bereits an Alternativen zu gĂ€ngiger BĂŒro- und Verteidigungssoftware.

Der Cloud and AI Development Act muss nun vom EuropĂ€ischen Parlament und den Mitgliedstaaten gebilligt werden. Sollte das Gesetz in Kraft treten, wĂŒrden öffentliche Ausschreibungen nicht mehr allein nach dem gĂŒnstigsten Preis entscheiden – technische SouverĂ€nitĂ€t und Datensicherheit bekĂ€men Vorrang. Neben den Cloud-Regeln enthĂ€lt das Paket auch eine Open-Source-Strategie und eine Roadmap zur Digitalisierung der Energieversorgungskette.

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