CO?-Grenzausgleich: EU-Mechanismus könnte Emissionen um 73% senken
02.06.2026 - 05:23:12 | boerse-global.deEine noch unveröffentlichte Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) prognostiziert einen Anstieg der globalen Emissionsreduktionen um bis zu 73 Prozent – vorausgesetzt, der Mechanismus entfaltet seine volle Wirkung.
Seit dem 1. Juni 2026 weitet die EU ihren CO?-Preis auf weitere Importgüter wie Stahl aus und vereinfacht gleichzeitig die Zollverfahren durch die Einführung vollständig digitaler Carnets. Der sogenannte Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) tritt damit in eine entscheidende neue Phase.
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Der „Brüssel-Effekt" als Klima-Katalysator
Die PIK-Forscher haben berechnet, dass die EU mit einem CO?-Preis von 100 Euro pro Tonne ihre eigenen Emissionen um 505 Millionen Tonnen pro Jahr senken könnte. Ohne Grenzausgleich würden global jedoch nur 305 Millionen Tonnen eingespart – weil rund 40 Prozent der Emissionen ins Ausland verlagert würden, sogenanntes Carbon Leakage.
Mit dem CBAM sinkt diese Abwanderungsrate auf 15 Prozent. Die globalen Einsparungen steigen auf 399 Millionen Tonnen. Doch das eigentliche Potenzial liegt woanders: Der „Brüssel-Effekt" könnte Handelspartner dazu bewegen, eigene CO?-Preise einzuführen, um die EU-Abgaben zu umgehen.
Sollten Länder wie Kanada, Japan, Südkorea und Taiwan ähnliche Modelle übernehmen, könnten jährlich 691 Millionen Tonnen CO? eingespart werden. Das wäre eine Steigerung um 73 Prozent im Vergleich zum Alleingang der EU.
Die Analyse zeigt zudem: China könnte sich beteiligen, wenn der CO?-Preis unter 20 Euro pro Tonne bleibt. Die USA wiederum ließen sich motivieren, falls die Union den CBAM auf weitere Industriesektoren ausdehnt.
Preise und Fristen für Importeure
Der Verwaltungsrahmen steht bereits. Am 7. April 2026 veröffentlichte die EU-Kommission den ersten Quartalspreis für CBAM-Zertifikate: 75,36 Euro. Diese Preise werden alle drei Monate auf Basis der durchschnittlichen Auktionspreise im EU-Emissionshandel (ETS) festgelegt.
Obwohl Stahlimporte seit Jahresbeginn 2026 unter die CBAM-Regeln fallen, steht die finanzielle Abwicklung noch bevor. Ab Februar 2027 müssen Importeure erstmals Zertifikate für Waren erwerben, die sie 2026 in die EU eingeführt haben. Die ersten formellen Jahreserklärungen sind bis zum 30. September 2027 fällig.
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Steuerliche Einordnung geklärt
Die schwedische Steuerbehörde hat Ende Mai 2026 klargestellt, wie die Kosten steuerlich zu behandeln sind. CBAM-Zertifikate gelten demnach weder als Steuer noch als Zollgebühr. Stattdessen müssen die Ausgaben dem Anschaffungswert der importierten Güter zugeschlagen werden – mit Folgen für die Bewertung von Lagerbeständen, Anlagen, Gebäuden und Grundstücken.
Parallel dazu läuft eine EU-Konsultation zum weiteren Mechanismus. Und ab dem 1. Juli 2026 fällt die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro für Ferngeschäfte weg. Sie wird durch eine pauschale Gebühr von drei Euro pro Position ersetzt.
Deutschland treibt CO?-Speicherung voran
Der Ausbau des CO?-Grenzausgleichs fällt mit weiteren klimapolitischen Weichenstellungen zusammen. Der Bundestag hatte am 30. Januar 2026 Gesetze verabschiedet, die CO?-Speicherung unter dem Meeresboden (CCS) und den Export von Kohlendioxid zur Offshore-Lagerung erlauben. Die Regierungskoalition sieht darin ein notwendiges Instrument für unvermeidbare Restemissionen – die Opposition lehnte die Pläne ab.
Auch die Nachbarländer treiben die Infrastruktur voran. In den Niederlanden soll das Porthos-Projekt noch dieses Jahr starten und jährlich bis zu 2,5 Millionen Tonnen CO? in leeren Gasfeldern einlagern. Ein größeres Vorhaben namens Aramis – mit Beteiligung von Shell und Total Energies – plant eine Offshore-Pipeline mit einer Kapazität von 22 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Inbetriebnahme wird allerdings erst Anfang der 2030er Jahre erwartet. Die niederländische Regierung hat dafür 2026 ein Budget von acht Milliarden Euro bereitgestellt.
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