CO2-Grenzausgleich: EU verschÀrft Zölle auf Waschmaschinen und Stahl
12.06.2026 - 17:58:18 | boerse-global.de
KĂŒnftig fallen nicht nur Grundmaterialien unter die Regelung, sondern auch komplexere Waren wie Waschmaschinen mit hohem Stahl- oder Aluminiumanteil. Die Einigung fiel am Freitag in Luxemburg.
Bislang beschrĂ€nkte sich der Mechanismus auf Importe von Stahl, Aluminium, Zement, DĂŒngemittel, Wasserstoff und ElektrizitĂ€t. Ziel des CO2-Zolls ist es, die heimische Industrie vor Wettbewerbsverzerrungen durch Importe aus LĂ€ndern mit laxeren Klimaschutzauflagen zu schĂŒtzen. Die Liste der betroffenen Produkte soll kĂŒnftig jĂ€hrlich ĂŒberprĂŒft werden. Bevor die Neuregelung in Kraft treten kann, braucht es noch eine Einigung mit dem EuropĂ€ischen Parlament.
Druck auf die Schwerindustrie wÀchst
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Die Ausweitung des Grenzschutzes kommt zu einer Zeit, in der die europĂ€ische Schwerindustrie unter Druck steht. In Deutschland sank die Stahlproduktion im vergangenen Jahr auf rund 34,1 Millionen Tonnen â der niedrigste Stand seit 2009. Die IG Metall mahnt zur Standhaftigkeit bei den Klimavorgaben. Ein Abweichen vom Kurs gefĂ€hrde rund 20.000 ArbeitsplĂ€tze bei Unternehmen wie Salzgitter oder Saarstahl, die bereits in klimaneutrale Verfahren investieren.
Unternehmensvertreter zeigen sich besorgt ĂŒber die politischen Rahmenbedingungen. Stefan Rauber von der Dillinger HĂŒtte und Saarstahl kritisiert mangelnde VerlĂ€sslichkeit bei den zugesagten Fördermitteln fĂŒr die Transformation zur grĂŒnen Stahlproduktion. Allein im Saarland protestierten am Freitag mehr als 10.000 BeschĂ€ftigte fĂŒr die Absicherung der Transformationsprozesse.
Preisdeckel fĂŒr GebĂ€ude und Verkehr
Flankierend zur Ausweitung des Grenzzolls einigten sich EU-Parlament und Ministerrat auf einen Preispuffer fĂŒr den neuen Emissionshandel in den Bereichen GebĂ€ude und Verkehr (ETS2). Das System soll 2028 in Kraft treten. Bei CO2-Preisen von ĂŒber 45 Euro (bezogen auf das Preisniveau von 2020) werden zusĂ€tzliche Zertifikate freigegeben. Marktforscher prognostizieren fĂŒr die Phase bis 2030 CO2-Preise zwischen 50 und 75 Euro pro Tonne.
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Widerstand gegen Regulierungsdichte wÀchst
Trotz der Einigungen auf EU-Ebene mehren sich kritische Stimmen aus den Mitgliedstaaten. Die baden-wĂŒrttembergische Landesregierung bezeichnet die CO2-Vorgaben fĂŒr die Automobilindustrie als zu ambitioniert. Sie mahnt eine bessere Balance zwischen Klimaschutz und WettbewerbsfĂ€higkeit an. Kritik gibt es vor allem am schleppenden Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Energienetze.
Auch bei der langfristigen Finanzplanung der Union zeigen sich tiefe GrĂ€ben. Die Bundesregierung lehnte am Freitag einen Kompromissvorschlag fĂŒr den EU-Haushalt der Jahre 2028 bis 2034 ab. Der Entwurf der zyprischen RatsprĂ€sidentschaft sieht ein Volumen von 1,76 Billionen Euro vor â aus deutscher Sicht unbezahlbar. Deutschland fordert stattdessen deutliche KĂŒrzungen ĂŒber alle Ressorts hinweg. Das Thema dĂŒrfte den fĂŒr kommende Woche angesetzten Gipfel der Staats- und Regierungschefs dominieren.
