CO2-Preis: Ifo-Institut sieht 90 Euro als kritische Investitionsschwelle
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 21:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach aktuellen Analysen des Ifo-Instituts bremst das derzeitige Niveau der CO2-Preise notwendige Investitionen in klimafreundliche Technologien in Deutschland aus. Die Wirtschaftsexperten stellen fest, dass die gegenwärtigen preislichen Anreize nicht ausreichen, um in der Industrie eine breite Umstellung auf emissionsarme Produktionsverfahren anzustoßen.
Preisschwellen für Klimaschutzinvestitionen
Den Ergebnissen des Instituts zufolge investieren deutsche Industrieunternehmen erst dann nennenswert in Klimaschutzprojekte, wenn der CO2-Preis konstant bei über 90 Euro pro Tonne liegt. Diese Marke gilt als kritische Schwelle für die Planungssicherheit in den Betrieben.
Bei einem niedrigeren Preisniveau von etwa 50 Euro pro Tonne würden Unternehmen entsprechende Vorhaben in der Regel ablehnen, da sie unter diesen Bedingungen nicht wirtschaftlich darstellbar seien. Eine flächendeckende Investitionsbereitschaft zeichne sich erst bei einem deutlichen Anstieg auf 175 Euro pro Tonne ab.
Der Studie liegt eine Befragung von 830 deutschen Industrieunternehmen zugrunde. Diese Sonderbefragung wurde bereits Anfang des Jahres durchgeführt. Dabei wurden den Teilnehmern fünf verschiedene Szenarien präsentiert, die CO2-Preise in einer Spanne von 50 bis 200 Euro pro Tonne sowie Preisschwankungen zwischen 0 und 100 Prozent umfassten.
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Volatilität als zusätzliches Hindernis
Neben der absoluten Höhe des Preises identifizierten die Forscher die Preisstabilität als entscheidenden Faktor für die Investitionsentscheidungen. Starke Schwankungen am Markt wirken sich demnach hemmend aus. Das Ifo-Institut berechnete, dass ein Anstieg der Preisschwankungen um lediglich einen Prozentpunkt bereits einen um 1,40 Euro höheren CO2-Preis erforderlich macht, um den negativen Effekt der Unsicherheit auszugleichen.
Aktuell bewegt sich der Preis im EU-Emissionshandel in einem Korridor von 70 bis 90 Euro pro Tonne. Damit liegt das Marktniveau zwar nahe an der identifizierten Investitionsschwelle von 90 Euro, überschreitet diese jedoch nicht stabil genug, um eine umfassende Modernisierungswelle auszulösen.
Politisches Umfeld und Forderungen nach Entlastung
Die Diskussion um die Bepreisung von Emissionen gewinnt durch aktuelle politische Entwicklungen an Schärfe. Während die Analyse des Instituts eine Stabilisierung oder Erhöhung der Preise für den Klimaschutz nahelegt, schlägt die EU-Kommission derzeit eine Abschwächung des EU-Emissionshandels vor.
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Gleichzeitig gibt es innerhalb der Bundesregierung Bestrebungen, die Industrie finanziell zu schonen. So forderte Wirtschaftsministerin Reiche Entlastungen für die Unternehmen und begründete dies mit den Auswirkungen der CO2-Preise. Diese gegensätzlichen Signale aus der Politik tragen laut Marktbeobachtern zur Verunsicherung in der Industrie bei und könnten den von den Ökonomen beschriebenen Investitionsstau weiter verfestigen.
