CO2-Zertifikate, Chemiebranche

CO2-Zertifikate: Chemiebranche rechnet ab 2026 mit dreistelligen Millionen-Mehrkosten

16.06.2026 - 12:03:06 | boerse-global.de

Neue EU-Benchmarks verteuern CO2-Zertifikate fĂŒr die Industrie. VerbĂ€nde warnen vor Milliardenkosten, Arbeitnehmer fordern stabile Förderung.

EU verschĂ€rft CO2-Zertifikate: Milliardenlast fĂŒr Chemie und Stahl
CO2-Zertifikate - Eine Industrielandschaft mit Fabrikschornsteinen, die sauberen Dampf abgeben, bei Sonnenuntergang beleuchtet, symbolisiert den Übergang zu grĂŒner Technologie. 16.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

FĂŒr die energieintensive Industrie bedeutet das deutlich strengere Bedingungen beim Erhalt kostenloser CO2-Zertifikate. BranchenverbĂ€nde schlagen Alarm – Arbeitnehmervertreter fordern dagegen stabile Rahmenbedingungen fĂŒr die grĂŒne Transformation.

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Chemiebranche drohen dreistellige Millionen-Mehrkosten

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) rechnet ab 2026 mit jĂ€hrlichen Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich. HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Wolfgang Große Entrup kritisierte die neuen Zielwerte als realitĂ€tsfremd. Die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen fĂŒr eine derart schnelle Transformation seien nicht flĂ€chendeckend gegeben.

Es fehle an der notwendigen Infrastruktur fĂŒr Energie und Wasserstoff sowie an ausreichend grĂŒnem Strom zu wettbewerbsfĂ€higen Preisen. Der VCI fordert daher eine vorĂŒbergehende Begrenzung der CO2-Zertifikatkosten auf dem Niveau von 2025. Im Juli 2026 steht zudem eine weitere umfassende ETS-Reform an – das erhöht die Planungsunsicherheit zusĂ€tzlich.

Arbeitnehmer warnen vor Aufweichung

Gegenwind fĂŒr die Entlastungsforderungen kommt von der Arbeitnehmerseite. Die Arbeitskammer des Saarlandes warnte ausdrĂŒcklich vor einer Aufweichung des Emissionshandels. Vorstandsvorsitzender Jörg Caspar erklĂ€rte, jede AbschwĂ€chung sei ein fatales Signal fĂŒr Unternehmen, die bereits Milliarden in den klimafreundlichen Umbau investiert haben – besonders in der saarlĂ€ndischen Stahlindustrie.

Statt die CO2-Bepreisung auszuhebeln, forderte die Kammer verlÀssliche Förderprogramme und wettbewerbsfÀhige Energiepreise.

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EU plant Abfederung fĂŒr besonders betroffene Sektoren

Die EU-Kommission plant offenbar eine leichte Entlastung fĂŒr Stahl, Chemie und Zement. Die Anzahl der Gratis-Zertifikate soll in den kommenden drei Jahren langsamer sinken als ursprĂŒnglich vorgesehen. Das Entlastungsvolumen wird auf jĂ€hrlich rund vier Milliarden Euro fĂŒr die gesamte EU geschĂ€tzt – etwa 900 Millionen Euro könnten auf die deutsche Industrie entfallen.

FĂŒr 2026 wird dennoch ein Anstieg des CO2-Preises auf 75 bis 80 Euro pro Tonne prognostiziert.

Neues System fĂŒr GebĂ€ude und Verkehr ab 2028

Parallel zur VerschÀrfung im Industriesektor haben sich EU-Parlament und Mitgliedstaaten auf Details zum ETS 2 verstÀndigt. Ab 2028 sollen die Bereiche GebÀude und Verkehr abgedeckt werden. Um soziale HÀrten zu vermeiden, wurde die MarktstabilitÀtsreserve auf 600 Millionen Zertifikate ausgeweitet.

Steigt der CO2-Preis ĂŒber 45 Euro, können kĂŒnftig bis zu 80 Millionen zusĂ€tzliche Zertifikate pro Jahr freigegeben werden. Der Europaabgeordnete Peter Liese rechnet mit einem Preis zwischen 45 und 50 Euro. Das könnte die deutschen CO2-Preise, die zuletzt zwischen 55 und 65 Euro lagen, ab 2028 sinken lassen.

Klimaziele 2030: Deutschland bleibt hinter den Erwartungen

Der aktuelle Projektionsbericht 2026 zeigt den Handlungsdruck. Deutschland wird seine Treibhausgasemissionen bis 2030 voraussichtlich um 62,6 Prozent senken – das Ziel liegt bei 65 Prozent. Der Stromsektor liefert positive Ergebnisse durch den Ausbau erneuerbarer Energien, die bis 2030 fast 80 Prozent am Bruttostromverbrauch erreichen sollen.

Doch der Verkehrs- und der GebĂ€udesektor hinken deutlich hinterher. Im Verkehr wird bis 2030 eine Überschreitung der zulĂ€ssigen CO2-Mengen um 187 Millionen Tonnen erwartet.

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