Inflation, Krieg

Coface Risk Review: Geopolitische Krisen treiben Preise und Zinsen / LĂ€nderrisiko fĂŒr sieben Volkswirtschaften angepasst

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 10:47 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS
Mainz - Die geopolitischen Spannungen haben sich im Verlauf des Sommers deutlich verschĂ€rft und bremsen zunehmend die Weltwirtschaft. Steigende Energie- und Rohstoffpreise, anhaltender Inflationsdruck sowie restriktivere Finanzierungsbedingungen belasten Unternehmen und Staaten gleichermaßen. Der internationale Kreditversicherer Coface erwartet, dass allein der Nahostkonflikt das globale Wachstum in den Jahren 2026 und 2027 um insgesamt 0,5 Prozentpunkte mindern wird. Vor diesem Hintergrund hat Coface die Risikobewertung fĂŒr drei Golfstaaten herabgestuft.
Coface Risk Review: Geopolitische Krisen treiben Preise und Zinsen / LĂ€nderrisiko fĂŒr sieben Volkswirtschaften angepasst - Bild: presseportal.de

Zwischen Inflationsdruck und steigenden Zinsen

Die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen zwischen dem Iran und den USA sowie die weitere Eskalation des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine haben die globalen Lieferketten erheblich belastet und die Rohstoffpreise in die Höhe getrieben. Trotz einer deutlichen Erholung der Ölexporte durch die Straße von Hormus und der Umleitung von Handelsströmen sind die Preise fĂŒr Energierohstoffe massiv gestiegen. "Der Ölpreis hat um mehr als 50 Prozent zugelegt, wĂ€hrend sich die Erdgaspreise nahezu verdoppelt haben. Auch Industriemetalle bleiben teuer", sagt Coface-Volkswirt Markus Kuger. Bei Agrarrohstoffen zeigt sich ein Ă€hnliches Bild: Nach Angriffen auf HĂ€fen am Schwarzen Meer und Hitzewellen in Europa sind die Preise deutlich gestiegen. So lag der Weizenpreis stellenweise rund 40 Prozent ĂŒber dem Vorjahresniveau.

Die stark gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise haben die Sorge vor einem erneuten Inflationsschub verstĂ€rkt. Vor diesem Hintergrund halten die Zentralbanken an ihrem restriktiven geldpolitischen Kurs fest. Sowohl die US-Notenbank Federal Reserve als auch die EuropĂ€ische Zentralbank erhöhten ihre Leitzinsen zuletzt um jeweils 25 Basispunkte. Dadurch verteuerten sich die Finanzierungskosten fĂŒr Unternehmen und Staaten weltweit weiter.

"Trotz dieser Belastungsfaktoren zeigt sich die Weltwirtschaft bislang bemerkenswert widerstandsfĂ€hig. Vor allem Investitionen in KĂŒnstliche Intelligenz sowie die positive Entwicklung an den FinanzmĂ€rkten stĂŒtzen die Konjunktur", erklĂ€rt Markus Kuger. Dennoch hinterlĂ€sst der Nahostkonflikt deutliche Spuren: Coface beziffert den Wachstumsverlust fĂŒr die Weltwirtschaft in den Jahren 2026 und 2027 auf insgesamt 0,5 Prozentpunkte. FĂŒr 2026 rechnet der Kreditversicherer weiterhin mit einem weltweiten Wachstum von 2,5 Prozent nach 2,8 Prozent im Jahr 2025. FĂŒr 2027 wird eine Stabilisierung bei 2,6 Prozent erwartet.

Weltwirtschaft entwickelt sich mit unterschiedlichem Tempo

Trotz eines insgesamt robusten globalen Wachstums fallen die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen und des Inflationsdrucks regional sehr unterschiedlich aus. In den USA zeigt sich die Wirtschaft weiterhin widerstandsfĂ€hig. GestĂŒtzt durch den privaten Konsum, Investitionen in KI-Technologien und einen Arbeitsmarkt nahe der VollbeschĂ€ftigung bleibt das Wachstum robust. Europa entwickelt sich ebenfalls etwas besser als erwartet. Vor allem die deutsche und die spanische Wirtschaft erweisen sich als stabil, wĂ€hrend die angespannte Haushaltslage Frankreichs weiterhin Anlass zur Sorge gibt.

In Asien bleibt das Bild gemischt. Vietnam und Indien profitieren von umfangreichen Infrastrukturinvestitionen und der hohen Nachfrage nach KI-bezogenen Technologien. Gleichzeitig schwĂ€cht sich die Binnennachfrage in China weiter ab. Auch Thailand und die Philippinen spĂŒren die Belastungen durch steigende Energiepreise und einen nachlassenden Konsum.

In Afrika und Lateinamerika bleibt die Inflation das zentrale Risiko. Höhere Energie- und Lebensmittelpreise treffen Wirtschaft und Verbraucher gleichermaßen. Die Auswirkungen von El Niño verschĂ€rfen den Kostendruck zusĂ€tzlich und engen den Handlungsspielraum vieler Staaten weiter ein.

LĂ€nderrisiko: Drei Herabstufungen im Nahen Osten

Besonders stark wirken sich die geopolitischen Spannungen auf die Golfstaaten aus. Das LĂ€nderrisiko beschreibt das allgemeine Umfeld eines Landes, um lokale Kreditrisiken zu bewerten und einordnen zu können. Vor diesem Hintergrund hat Coface die LĂ€nderrisikobewertung Saudi-Arabiens von A3 auf A4 herabgestuft. Ausschlaggebend sind die hohe AnfĂ€lligkeit der Energieinfrastruktur sowie Risiken entlang zentraler Exportwege. Die Vereinigten Arabischen Emirate wurden von A2 auf A3 und Katar von A3 auf A4 zurĂŒckgestuft. Beide LĂ€nder sind in hohem Maße vom Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus abhĂ€ngig und daher besonders anfĂ€llig fĂŒr weitere Störungen.

Neben den Herabstufungen hat Coface auch vier LĂ€nder aufgewertet. Die Bahamas wurden von B auf A4 angehoben, gestĂŒtzt durch eine robuste Tourismusbranche und solide wirtschaftliche Fundamentaldaten. El Salvador verbessert sich von D auf C, nachdem sich die makroökonomische Lage spĂŒrbar stabilisiert hat. Montenegro steigt von C auf B auf, getragen von einer positiven Entwicklung bei Tourismus und Investitionen. Sambia verbessert sich von D auf C. Ausschlaggebend sind Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung und eine stabilere Schuldenentwicklung.

Druck auf Agrarwirtschaft wÀchst

Auch die Agrar- und ErnĂ€hrungswirtschaft gerĂ€t weltweit zunehmend unter Druck. Coface hat den Sektor in insgesamt sechs LĂ€ndern herabgestuft. Die Ursachen unterscheiden sich dabei von Region zu Region: WĂ€hrend in Frankreich, Österreich und Polen die extremen Wetterereignisse des Sommers 2026 die Landwirtschaft erheblich belasteten, wirken sich in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten vor allem die hohe AbhĂ€ngigkeit von Lebensmittelimporten sowie steigende Beschaffungskosten negativ aus. In Argentinien sieht sich die Branche weiterhin mit einem schwierigen Finanzierungsumfeld, mehreren Unternehmensinsolvenzen, hohen Kosten und rĂŒcklĂ€ufigen Margen konfrontiert.

Das ausfĂŒhrliche Risk Review und sĂ€mtliche Risikobewertungen auf einen Blick: www.coface.de

Pressekontakt:

Coface, Niederlassung in Deutschland
Sebastian Knierim - Pressesprecher -
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