Commerzbank: Betriebsrat erstattet Strafanzeige gegen UniCredit
14.06.2026 - 01:30:32 | boerse-global.de
Am 12. Juni beschloss das Gremium, Strafanzeige zu erstatten.
Vorwurf: Manipulierte Annahmequoten
Die Arbeitnehmervertretung beruft sich auf Paragraphen 119 und 120 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG). Im Kern geht es um die gemeldeten Annahmequoten der laufenden Offerte. UniCredit hatte mitgeteilt, dass rund 11,22 Prozent der Aktien angedient worden seien. Damit könnte der italienische Anteil an der Commerzbank auf 37 bis 38 Prozent steigen.
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Der Betriebsrat kritisiert zudem die Bewertung des Angebots. Die Offerte von 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie lag rechnerisch etwa 1,50 Euro unter dem aktuellen Börsenkurs. Die Commerzbank-Aktie notierte am 12. Juni bei rund 35,78 Euro.
Die Commerzbank hat bereits die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eingeschaltet. UniCredit wies die Vorwürfe zurück. Nach einer Wasserstandsmeldung zum Stichtag 2. Juni halten die Italiener direkt 26,77 Prozent der Anteile. Hinzu kommen Stimmrechte über Finanzinstrumente wie Total Return Swaps. Die reguläre Annahmefrist endet am 16. Juni.
Frasers Group will Hugo Boss übernehmen
Parallel dazu bahnt sich eine Übernahme im Modebereich an. Die britische Frasers Group kündigte am 10. Juni ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für Hugo Boss an. Das Unternehmen will die restlichen Anteile für 38,00 Euro je Aktie in bar erwerben.
Die Frasers Group hält bereits etwas mehr als 26 Prozent an dem Metzinger Modekonzern. Damit bewertet sie Hugo Boss insgesamt mit rund 2,7 Milliarden Euro.
Die Reaktion am Aktienmarkt folgte prompt. Am 11. Juni stiegen die Hugo-Boss-Papiere um knapp 10 Prozent auf 40,05 Euro – deutlich über dem Gebot von Frasers. Das Angebot entsprach zum Zeitpunkt der Ankündigung einer Prämie von etwa 4 Prozent auf den Schlusskurs vom Vortag.
Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss kündigten an, das unaufgeforderte Angebot eingehend zu prüfen. Ein Konsortium mehrerer internationaler Banken soll die Finanzierung sichern.
Analysten sehen taktischen Schnäppchenkauf
Während die BaFin die Vorgänge bei der Commerzbank untersucht, bewerten Marktbeobachter die Situation bei Hugo Boss als strategisches Manöver. Analysten der DZ Bank stuften die Aktie am 12. Juni von „Kaufen“ auf „Halten“ herab. Der faire Wert liegt bei 42 Euro.
Das Vorgehen der Frasers Group werten Experten als Versuch, die 30-Prozent-Schwelle zu überschreiten. So ließe sich ein verpflichtendes Pflichtangebot zu einem späteren Zeitpunkt vermeiden. Beobachter bezeichnen dies als taktischen Schnäppchenkauf.
Operativ befindet sich Hugo Boss derzeit in einer Umbauphase. Eine Rückkehr zu signifikantem Umsatzwachstum und verbesserten Margen erwarten Analysten erst für das Geschäftsjahr 2027. Die Frasers Group will die Übernahme bis Ende 2026 abschließen. Die Führung um Vorstandschef Daniel Grieder soll dabei weiter unterstützt werden. Die Expansionsstrategie im Premiumsegment läuft unverändert weiter.
