Commerzbank, Deutschland

Commerzbank erwartet 2025 in Deutschland nur ein schwaches Wachstum

15.11.2024 - 13:10:57

Commerzbank Chefvolkswirt Jörg KrÀmer erwartet im kommenden Jahr nur ein sehr schwaches Wirtschaftswachstum in Deutschland.

"Die leichte Erholung ist vor allem eine Folge der großen Zinswende der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB)", sagte KrĂ€mer am Freitag in Frankfurt. FĂŒr das Jahr 2025 prognostiziere die Commerzbank ein Wachstum von 0,2 Prozent - nach einer Schrumpfung von 0,2 Prozent in diesem Jahr. Im Jahr 2026 sollte das Bruttoinlandsprodukt dann deutlicher um 1,0 Prozent zulegen.

Die Commerzbank-Ökonomen sind damit noch pessimistischer als andere Institutionen. So hat der SachverstĂ€ndigenrat (Wirtschaftsweise) zuletzt ein Wachstum von 0,4 Prozent fĂŒr das kommende Jahr prognostiziert.

"Die seit dem FrĂŒhjahr 2024 fallenden FrĂŒhindikatoren deuten fĂŒr Deutschland auf ein schwieriges Winterhalbjahr, in dem das deutsche Bruttoinlandsprodukt bestenfalls stagniert", sagte KrĂ€mer. "Die lockerere Geldpolitik spricht jedoch fĂŒr eine gewisse wirtschaftliche AufwĂ€rtsbewegung ab dem FrĂŒhjahr." KrĂ€mer erwartet, dass die EZB den entscheidenden Einlagensatz von derzeit 3,25 Prozent bis Mitte 2025 wohl auf 2,0 Prozent reduziert. "Zudem ist die Talsohle beim privaten Verbrauch durchschritten."

Eine durchgreifende Erholung sei in Deutschland aber nicht zu erwarten. "Wegen der seit den Merkel-Jahren erodierenden StandortqualitĂ€t halten sich viele Unternehmen desillusioniert mit Investitionen in Deutschland zurĂŒck", sagte KrĂ€mer. Die nĂ€chste Bundesregierung brauche ein "gemeinsames GrundverstĂ€ndnis von Wirtschaftspolitik", um die nötigen Reformen anzugehen. Belastet werde die Konjunktur auch durch die nachlassende Nachfrage aus China.

Ein Unsicherheitsfaktor ist laut KrĂ€mer auch die Zollpolitik des kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten Donald Trump. Diese könnte die bereits angeschlagene deutsche Automobilindustrie zusĂ€tzlich belasten. Am stĂ€rksten wĂŒrden die Zölle sich jedoch auf die USA auswirken. "Die zuletzt gesunkene Inflation dĂŒrfte von Mitte 2025 bis Mitte 2026 um rund einen Prozentpunkt zulegen, wenn Trump zumindest die HĂ€lfte seiner ZollplĂ€ne in die RealitĂ€t umsetzen wird", sagte KrĂ€mer.

Die US-Notenbank werde die Leitzinsen zwar zunĂ€chst weiter senken. Wegen der gestiegenen Inflationsrisiken dĂŒrfe sie ihre Zinssenkungen Mitte 2025 aber beenden. Zinserhöhungen seien jedoch nicht zu erwarten. "Schließlich wird Donald Trump die Fed öffentlich unter Druck setzen, seine Politik durch niedrige Zinsen zu unterstĂŒtzen", sagte KrĂ€mer. "Man sollte nicht annehmen, dass das die US-Notenbank davon gĂ€nzlich unbeeindruckt lĂ€sst." Die Inflation dĂŒrfte daher in den USA langfristig nicht zum Zielwer von 2,0 Prozent zurĂŒckgehen.

@ dpa.de