Commerzbank, Unicredit-Übernahme

Commerzbank erzielt 2,7 Milliarden Euro vor Unicredit-Übernahme

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 12:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Dax-Konzern meldet für die ersten neun Monate einen Überschuss von rund 2,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig bereitet Unicredit die Übernahme vor, während Genehmigungen und die Zukunft des Vorstands offen sind.

Commerzbank vor Führungsentscheidung

  • Die Commerzbank erzielte im dritten Quartal 859 Millionen Euro Gewinn.
  • Der Überschuss nach neun Monaten stieg auf rund 2,7 Milliarden Euro.
  • Eine außerordentliche Hauptversammlung wird für Ende Januar oder Anfang Februar 2027 erwartet.
  • Unicredit-Chef Andrea Orcel hat sich über fast zwei Jahre an die Commerzbank herangepirscht. (Archivbild) - Bild: Roberto Monaldo/LaPresse via ZUMA Press/dpa
  • Das italienische Geldhaus sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa
  • Muss Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp gehen, wenn die Unicredit die Kontrolle übernommen hat? (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa
  • Gute Geschäfte, aber drohende Übernahme: Der Commerzbank stehen weitere unruhige Wochen bevor. (Archivbild) - Bild: Michael Brandt/dpa
Unicredit-Chef Andrea Orcel hat sich über fast zwei Jahre an die Commerzbank herangepirscht. (Archivbild) - Bild: Roberto Monaldo/LaPresse via ZUMA Press/dpa Das italienische Geldhaus sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa Muss Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp gehen, wenn die Unicredit die Kontrolle übernommen hat? (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa Gute Geschäfte, aber drohende Übernahme: Der Commerzbank stehen weitere unruhige Wochen bevor. (Archivbild) - Bild: Michael Brandt/dpa

Commerzbank meldet Rekordüberschuss vor Übernahme

Die Commerzbank hat in den ersten neun Monaten 2026 rund 2,7 Milliarden Euro verdient und damit bereits mehr Gewinn erzielt als im gesamten Vorjahr. Während das Institut auf ein Rekordjahr zusteuert, bereitet die italienische Unicredit die Übernahme des Dax-Konzerns vor.

Starkes drittes Quartal

Im dritten Quartal belief sich der Gewinn auf 859 Millionen Euro, rund 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand mindestens 3,4 Milliarden Euro an.

Für 2027 und 2028 erwartet Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp trotz Restrukturierungskosten eine weiter steigende Profitabilität. Die starke Geschäftsentwicklung belege das Potenzial der Bank, erklärte sie.

Unicredit bereitet Konsolidierung vor

Unicredit hat sich den Zugriff auf knapp die Hälfte der Commerzbank-Anteile gesichert und strebt die Kontrolle über das Institut an. Nach Angaben der Commerzbank haben die Vorbereitungsarbeiten für die Konsolidierung begonnen.

Unicredit-Chef Andrea Orcel sieht Einsparpotenzial unter anderem beim Einkauf, in der IT, bei Cybersecurity, im Vertrieb und bei gemeinsamen Produktplattformen. Zugleich will er das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden.

Weitere Stellenstreichungen geplant

Die Commerzbank hatte im Februar 2025 den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt. Im Mai 2026 folgte ein weiteres Sparprogramm: Bis 2030 sollen etwa 3.000 zusätzliche Stellen wegfallen.

Rund 1.800 Beschäftigte haben nach Angaben der Bank Vereinbarungen für einen Übergang getroffen. Für ein neues Altersteilzeitprogramm entschieden sich bereits mehr als 1.100 Mitarbeiter. Zum 30. September beschäftigte der Konzern weltweit 40.390 Vollzeitkräfte, davon 25.091 im Inland.

Genehmigungen werden erwartet

Die ausstehenden Genehmigungen für den Übernahmeplan erwartet Unicredit in den nächsten Wochen. Die Commerzbank rechnet damit, dass die Freigaben im vierten Quartal oder spätestens Anfang 2027 vorliegen.

Orcel hat angekündigt, die Führung der Commerzbank neu besetzen zu wollen. Eine außerordentliche Hauptversammlung wird für Ende Januar oder Anfang Februar 2027 erwartet. Orlopp erklärte, die Bank werde auf ein entsprechendes Verlangen vorbereitet sein.

Bund pocht auf Mittelstandsfinanzierung

Der Bund hält noch gut 13 Prozent der Aktien und verlangt, dass die Commerzbank ihre Rolle bei der Finanzierung des Mittelstands weiter erfüllt. Orcel warb zugleich um Vertrauen und betonte, die Zusammenführung solle nicht zu schlechteren Leistungen für deutsche Unternehmen führen.

Für Kundinnen und Kunden soll sich im Tagesgeschäft zunächst nichts ändern. Die endgültige Eigentümerstruktur, die Zukunft des Vorstands und die Folgen für Arbeitsplätze und Auslandsaktivitäten stehen jedoch noch bevor.

Die Commerzbank steht vor einer ungewöhnlichen Verbindung aus operativem Erfolg und strategischer Unsicherheit. Der Rekordüberschuss stärkt zunächst die Position des Managements, weil er zeigt, dass die Bank auch ohne eine Fusion profitabel wachsen kann. Zugleich erhöht ein gutes Ergebnis den wirtschaftlichen Wert des Instituts und damit die Bedeutung der laufenden Übernahme durch Unicredit.

Übernahme verändert den Handlungsspielraum

Unicredit hat sich knapp die Hälfte der Commerzbank-Anteile gesichert und wartet auf weitere Genehmigungen. Mit der Kontrolle könnte die italienische Bank über die künftige Ausrichtung, Kostenstruktur und Besetzung der Führung entscheiden. Für die Commerzbank entsteht damit ein Spannungsfeld: Sie muss ihr eigenständiges Geschäftsmodell verteidigen, während sie zugleich mögliche gemeinsame Effizienzgewinne vorbereitet.

Im Mittelpunkt stehen Einsparungen bei Einkauf, IT und gemeinsamen Plattformen. Diese Bereiche können die Erträge steigern, bergen aber auch Risiken für Arbeitsplätze und die Präsenz im Ausland. Die bereits beschlossenen Stellenprogramme zeigen, dass die Bank ihre Kosten unabhängig vom Ausgang der Übernahme senkt.

Folgen für Beschäftigte und Mittelstand

Für Kundinnen und Kunden soll sich im täglichen Bankgeschäft zunächst nichts ändern. Größere Auswirkungen könnten sich jedoch ergeben, wenn Unicredit das Auslandsnetz neu ordnet oder Aufgaben zusammenlegt. Der Bund verbindet seinen verbliebenen Anteil mit der Erwartung, dass die Commerzbank ihre Rolle bei der Finanzierung mittelständischer Unternehmen behält.

Die nächsten entscheidenden Schritte liegen bei den ausstehenden Genehmigungen und einer möglichen außerordentlichen Hauptversammlung. Sollte die Übernahme vorankommen, dürfte dort auch über die Zukunft des Vorstands und insbesondere von Bettina Orlopp entschieden werden. Bis dahin bleibt der Rekordgewinn ein starkes Argument für die Leistungsfähigkeit der eigenständigen Commerzbank, ändert aber nichts am Einfluss des künftigen Kontrollaktionärs.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Die Commerzbank ist kurz vor der UniCredit-Übernahme auf Rekordkurs“ (05.11.2026)

Der Beitrag habe den Rekordkurs der Bank kurz vor der geplanten Übernahme durch UniCredit hervorgehoben und Bettina Orlopps Aussage zum langfristigen Wertzuwachs aufgegriffen. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Artikel stärker auf die zeitliche Nähe von Geschäftserfolg und Eigentümerwechsel.

stern: „Zwischenbilanz: Commerzbank mit Rekordgewinn in die Arme der Italiener“ (05.11.2026)

Der stern habe den Rekordgewinn und die Übernahmepläne gemeinsam betrachtet. Der Schwerpunkt liege damit ähnlich auf dem Gegensatz zwischen starker Geschäftsentwicklung und der offenen Zukunft der Führung, während die dpa-Meldung zusätzlich Beschäftigungsabbau und Genehmigungen ausführlich darstelle.

Einigkeit besteht über die starke Ergebnisentwicklung und den wachsenden Einfluss von UniCredit. Offen bleiben vor allem die endgültigen Genehmigungen, die künftige Organisationsstruktur und die Zusammensetzung des Commerzbank-Vorstands.

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