Compliance-Krise, Bafin

Compliance-Krise: Bafin rügt Helaba wegen Geldwäsche-Mängel

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 21:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steigende Regulierungsanforderungen von Bafin und EU sowie der Rüstungsboom lassen die Nachfrage nach Compliance-Experten explodieren.

Compliance-Boom in Deutschland: Bafin, DORA und Rüstung treiben Jobmarkt an
Eine Hand setzt eine Schachfigur, die Compliance darstellt, auf ein Schachbrett vor dem Hintergrund der Frankfurter Skyline. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Finanzaufsicht Bafin erhöht den Druck bei der Geldwäscheprävention, neue EU-Verordnungen wie DORA kommen hinzu – und die Rüstungsindustrie sucht händeringend Fachkräfte für Risikomanagement und Rechtsprüfung.

Helaba unter Beschuss: Bafin beanstandet Geldwäsche-Mängel

Ein aktueller Fall zeigt, wie ernst die Lage ist. Die Bundesanstalt für Finanzdienstlei-stungsaufsicht (Bafin) rügte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) gravierende Mängel in der Geldwäscheprävention. Die Kritikpunkte: lückenhafte Kundenidentifizierung, veraltete Datenbestände und eine unzureichende Transaktionsüberwachung.

Bereits Ende 2025 verhängte die Aufsicht ein Bußgeld von 20.000 Euro gegen das Institut. Die Bank muss nun nachbessern. Der Fall ist kein Einzelfall – er steht für eine Serie von Verschärfungen, die vor allem Frankfurt am Main trifft. Die Nachfrage nach Fachkräften ist enorm: Aktuell werden (Senior) Manager für Kapitalmarkt-Compliance und Crypto Assets gesucht, dazu Spezialisten für das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) bei internationalen Beratungsgesellschaften und Investmentbanken.

DORA zwingt Unternehmen zu neuen HR-Prozessen

Seit Januar 2025 gilt die DORA-Verordnung – und sie treibt die personelle Aufrüstung massiv voran. Finanzunternehmen müssen sogenannte Fit-&-Proper-Prüfungen für ihr IKT-Personal durchführen und Mitarbeiter sowie externe Dienstleister kontinuierlich screenen.

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Die juristische Tragweite ist enorm. Ein aktueller Bericht der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA stellt klar: Vorstände haften persönlich bei IT-Ausfällen und mangelhafter DORA-Umsetzung. Über 3.300 IKT-Vorfälle wurden bereits gemeldet. Die Meldefristen sind knallhart: Erstmeldungen müssen innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Das erfordert eine lückenlose Überwachung durch spezialisierte Compliance-Teams.

Rüstungsindustrie als neuer Jobmotor

Neben dem Finanzsektor entwickelt sich die Verteidigungsindustrie zum zweiten großen Treiber. Unternehmen wie KNDS, Rheinmetall und Hensoldt expandieren massiv. Rheinmetall will 2026 weltweit 5.000 neue Mitarbeiter einstellen, Hensoldt schafft rund 1.600 Stellen – davon 60 in Führungspositionen.

Der Fokus liegt auf Exportkontrolle und Industriespionage-Prävention. KNDS sucht in München Compliance-Personal, nachdem bereits im Vorjahr eine dreistellige Zahl an Führungskräften eingestellt wurde. Auch Satellitenspezialist OroraTech schreibt Positionen für Senior Compliance Manager mit Schwerpunkt Export Control aus.

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Der Bedarf ist so groß, dass die Branche verstärkt auf Quereinsteiger aus der Automobil- oder Luftfahrtindustrie setzt. Allein in Bayern sind derzeit über 200 offene Stellen für Juristen verzeichnet.

Politik warnt vor Dual-Use-Risiken

Die Relevanz dieser Positionen untermauern Warnungen aus der Politik. Auf Fachkonferenzen warnten Vertreter zuletzt vor Kooperationen mit Akteuren aus China oder Russland – besonders bei der Forschung an Drohnen, Künstlicher Intelligenz und Hyperschalltechnologie. Compliance-Abteilungen müssen hier prüfen, ob zivile Forschung für militärische Zwecke nutzbar ist (Dual-Use). Ihr Job: Sanktionsverstöße und Technologieabfluss verhindern.

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