Corona-Masken: Textilfirma fordert halbe Milliarde vom Bund
10.06.2026 - 03:00:08 | dpa.deIn einem Streit ĂŒber Corona-Masken droht dem Bund eine Zahlungspflicht von fast einer halben Milliarde Euro. Der Hamburger TextilhĂ€ndler Pure Fashion Agency pocht auf eine Vereinbarung vom MĂ€rz 2020, die nach seiner Lesart ein Kaufvertrag war. Hierzu kommt es am Mittwoch (12 Uhr) zu einer mĂŒndlichen Verhandlung vor dem Landgericht Bonn (Aktenzeichen 1 O 213/25). Mit dem Urteil wird in einigen Wochen gerechnet.Â
Die Firma beruft sich auf Telefonate und Mails mit dem damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und mit Beamten des Ministeriums. Sie fordert 287 Millionen Euro plus Zinsen, was sich laut KlĂ€gerin auf 464 Millionen Euro summiert. Das Ministerium wertet die Kommunikation hingegen nicht als Kaufvertrag.Â
Der Fall ist einer von zahlreichen Rechtsstreitigkeiten rund um MaskeneinkĂ€ufe, die das Bundesgesundheitsministerium 2020 kurz nach Beginn der Corona-Pandemie auf den Weg brachte. Damals bekam das Ministerium Zusagen ĂŒber viel gröĂere Mengen als erwartet. Das wurde zu einem finanziellen Problem, da die Preise zu dieser Zeit der Pandemie hoch waren und schon wenig spĂ€ter sanken: Man hatte zu teuer eingekauft.Â
Details zur MailkommunikationÂ
Verschiedene Gerichte gaben bereits anderen Masken-KlĂ€gern recht, die Corona-Schutzausstattung beschafft hatten. Ihre Ware wurde vom Bund aber nicht abgenommen oder als mangelhaft zurĂŒckgewiesen, was die Lieferanten als Rechtsbruch werteten. In den meisten FĂ€llen, die vor Gericht landeten, setzten sich die Lieferanten durch. Der Bund muss sich daher auf hohe Zahlungen einstellen.Â
Das Verfahren vor dem Bonner Landgericht ist anders gelagert. Hier geht es um die Frage, Kaufvertrag ja oder nein. Bundesminister Spahn bat den TextilhĂ€ndler Matthias Timm am 8. MĂ€rz 2020 telefonisch um Hilfe. Danach tauschten Spahn und der Firmenchef Mails aus, in der das GeschĂ€ft vorangetrieben wurde. Er wolle das «heute rechtlich verbindlich [...] einlocken, damit die Masken bei uns in D (Deutschland) landen», schrieb Spahn am 9. MĂ€rz. Und spĂ€ter: «Jetzt will ich erst mal rechtlich verbindlich das Zeug ;-)». Transportfragen regle man danach. «So, bin jetzt vorerst raus hier, praktischen Rest mit meinen Leuten klĂ€ren.» Die Mails liegen dpa vor.Â
Ist das ein Kaufvertrag?Â
SpĂ€ter bekam Pure Fashion doch nicht den Zuschlag. Das Ministerium argumentierte, dass die Firma nicht seriös sei und wohl eine «mangelnde BonitĂ€t» habe. Diese BegrĂŒndung ist erstaunlich, da das Ministerium wenig spĂ€ter doch noch SchutzausrĂŒstung bei Pure Fashion kaufte. «Das macht keinen Sinn und zeigt, dass das eine vorgeschobene BegrĂŒndung ist, ĂŒber die man unsere Mandantin noch dazu nie informierte», sagt Pure-Fashion-Anwalt Dennis Geissler.Â
Er moniert zudem mangelnde Kommunikation des Ministeriums. So habe er schon vor einem Jahr ein Vergleichsangebot ĂŒber 175 Millionen Euro gemacht, aber nie eine Antwort bekommen. «Seither tickt die Uhr immer weiter, jeden Tag kommen rund 80.000 Euro an Vollzugszinsen hinzu.» Man sei weiterhin Vergleichs-bereit.Â
Rolle einer Schweizer Firma mit CSU-KontaktenÂ
Eine Schweizer Firma bekam hingegen einen groĂen Auftrag, obwohl deren Angebot teurer gewesen war als das von Pure Fashion. Die Tochter eines frĂŒheren CSU-Politikers war hierbei Vermittlerin gewesen. Ăber CSU-KanĂ€le landete das Angebot der Schweizer Firma direkt bei Spahn, wie aus dem MaskenaffĂ€re-Bericht von Sonderermittlerin Margaretha Sudhof (SPD) von 2025 hervorgeht. «Dass Herr Spahn von dem ersten, groĂen Auftrag an Pure Fashion offenbar plötzlich nichts mehr wissen wollte, könnte dafĂŒr sprechen, dass jemandem ein Gefallen getan werden sollte», sagt Pure-Fashion-Anwalt Geissler.Â
Spahn ist inzwischen Fraktionschef der CDU/CSU im Bundestag. Ein Fraktionssprecher sagt, Spahn weise «spekulative Unterstellungen» zurĂŒck. «In der Pandemie ging es Herrn Spahn stets und einzig darum, in Unkenntnis des weiteren Pandemieverlaufs ausreichend SchutzausrĂŒstung zu beschaffen.»
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