CSRD-Pflicht: 80% weniger Unternehmen betroffen seit MĂ€rz
29.06.2026 - 18:44:34 | boerse-global.de
KrĂ€uter Mix, AWO, GLS Bank â immer mehr Organisationen setzen auf EMAS-Zertifizierung und freiwillige Nachhaltigkeitsberichte. Doch gleichzeitig warnen VerbĂ€nde vor einer Ăberforderung des Mittelstands.
EMAS-Boom trotz geringer Verbreitung
Die KrĂ€uter Mix GmbH hat Ende April 2026 erneut die EMAS-Zertifizierung erhalten. Das Unternehmen veröffentlichte auf freiwilliger Basis einen Nachhaltigkeitsbericht â obwohl es nicht der CSRD-Berichtspflicht unterliegt. Erstmals ĂŒbernahm Janna Seufert die Leitung des Nachhaltigkeitsmanagements.
Auch der AWO Bezirksverband Ober- und Mittelfranken darf sich seit Ende Mai ĂŒber die EMAS-Urkunde freuen. Stefan Schmidt von der IHK NĂŒrnberg ĂŒbergab sie persönlich. Die Branchenstatistik zeigt allerdings: Deutschlandweit sind nur rund 90 Organisationen im Sozial- und Gesundheitswesen nach dem anspruchsvollen Standard zertifiziert (Stand: November 2025).
GLS Bank geht ĂŒber CSRD hinaus
Die GLS Bank legte ihren Nachhaltigkeitsbericht fĂŒr 2025 vor und lieĂ ihn extern prĂŒfen. Das Institut erfasst bereits 97,9 Prozent seiner Firmenkundenkredite im Rahmen der Wirkungsmessung. Eine bemerkenswerte Zahl: Seit MĂ€rz 2026 fallen rund 80 Prozent weniger Unternehmen unter die CSRD-Pflicht als ursprĂŒnglich geplant.
Regulierung bremst Kreditvergabe
Doch die Kehrseite der Medaille zeigt eine Umfrage des Genoverbands unter 277 BankvorstĂ€nden. Demnach bremst die Nachhaltigkeitsregulatorik derzeit die Kreditvergabe und Investitionen. Knapp die HĂ€lfte der Firmenkunden sei mit der Bereitstellung der erforderlichen Nachhaltigkeitsdaten ĂŒberfordert.
WĂ€hrend Nachhaltigkeitsberichte oft freiwillig sind, kommen auf viele Unternehmen durch neue EU-Regulierungen wie die Entwaldungsverordnung verpflichtende Sorgfaltspflichten zu. Dieser kostenlose Leitfaden inklusive Checkliste hilft Ihnen dabei, die neuen Anforderungen rechtssicher zu erfĂŒllen und Sanktionen zu vermeiden. EU-Entwaldungsverordnung: So erfĂŒllen Sie Ihre Sorgfaltspflichten ohne Aufwand
Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) kritisiert die hohe bĂŒrokratische Belastung. Er fordert mehr Rechtssicherheit und eine stĂ€rkere Orientierung an der tatsĂ€chlichen Wirkung â besonders beim Einsatz von Recyclingmaterialien.
Neue Gesetze ab Juli 2026
Zum 1. Juli treten wichtige Ănderungen in Kraft. Das Vergabebeschleunigungsgesetz soll die öffentliche Auftragsvergabe effizienter machen. Höhere Importzölle sollen die Transformation der Stahlindustrie schĂŒtzen.
Der globale Wettbewerb und neue Import-Regulierungen wie der CO2-Grenzausgleich (CBAM) stellen Unternehmen vor komplexe Berichtspflichten. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie Sie die neuen Dokumentationspflichten ohne teure Berater rechtssicher und effizient umsetzen. CO2-Grenzausgleich der EU: So erfĂŒllen Sie Ihre CBAM-Pflichten ohne teuren Berater
Eine Studie der UniversitĂ€t Mannheim im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung zeigt den hohen UnterstĂŒtzungsbedarf in diesem Sektor. Die Autoren fordern einen Industriestrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde und einen Wasserstoffpreis von 12 Cent pro Kilowattstunde. Aktuell gilt nur gut die HĂ€lfte der deutschen StahlkapazitĂ€t von 40 Millionen Tonnen als gesichert.
Indien plant derweil ein Förderprogramm von rund 600 Millionen Euro zur Dekarbonisierung seiner Stahlherstellung â der globale Wettbewerbsdruck bei grĂŒnen Grundstoffen steigt.
Wissenstransfer und Vernetzung
Im Herbst findet eine Fachtagung in Olten statt. Experten wie Martina Blanke von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und CĂ©dric Baier von Zweifel Chips & Snacks diskutieren dort ĂŒber die Weiterentwicklung von Managementsystemen. Schwerpunkte: Lebenszyklusperspektive und Scope-3-Emissionen.
Auch andere Sektoren treiben die Integration von Nachhaltigkeit voran. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) prĂ€sentierte Anfang des Jahres Lösungen fĂŒr biobasierte Baustoffe und Moorschutz. Der SC Paderborn 07 stellte im Rahmen einer universitĂ€ren Ringvorlesung seine Strategie zur sozialen Nachhaltigkeit vor â mit Schwerpunkten in Bildung und Bewegung.
