Union verlangt von Lauterbach Zugehen auf LĂ€nder bei Klinikreform
16.05.2024 - 06:34:59Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mĂŒsse sich bei dieser zentralen Frage mit den LĂ€ndern an einen Tisch setzen und nicht Politik gegen die LĂ€nder machen, sagte Dobrindt der Deutschen Presse-Agentur. "Ein solches auf Konfrontation angelegtes Vorgehen der Bundesregierung schadet der medizinischen Versorgung in Deutschland. Das ist nicht akzeptabel." Dobrindt kritisierte: "Diese Krankenhausreform ist völlig unausgewogen." Sie missachte die LĂ€nder, fĂŒhre zu höheren Kosten fĂŒr die Beitragszahler und werde zu einer Verschlechterung im lĂ€ndlichen Raum fĂŒhren.
Das Bundeskabinett hatte die GesetzesplĂ€ne am Mittwoch auf den Weg gebracht. Sie sollen finanziellen Druck fĂŒr die Kliniken mindern und einheitliche QualitĂ€tsregeln verankern. DafĂŒr soll die bisherige VergĂŒtung mit Pauschalen fĂŒr BehandlungsfĂ€lle geĂ€ndert werden. KĂŒnftig sollen Kliniken 60 Prozent der VergĂŒtung schon fĂŒr das Vorhalten bestimmter Angebote bekommen. Grundlage der Finanzierung durch die Krankenkassen sollen zudem genauer definierte "Leistungsgruppen" sein. Sie sollen Klinik-Behandlungen genauer beschreiben und Mindestvoraussetzungen festlegen.
Die LĂ€nder fordern einhellig Ănderungen an den PlĂ€nen. Lauterbach hat das Gesetz aber nicht mehr so angelegt, dass es im Bundesrat zustimmungsbedĂŒrftig ist. Der Entwurf kommt nun in die Beratungen im Bundestag. In Kraft treten soll das Gesetz Anfang 2025, die Umsetzung soll dann in den Jahren danach folgen.
Gleichwohl will Bayern ĂŒber die LĂ€nderkammer Ănderungen durchsetzen. "Bayern wird jetzt im Bundesrat darauf dringen, dass es doch noch zu Korrekturen bei der Reform kommt", sagte die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) der "Augsburger Allgemeinen" (Donnerstag). "Auch ich könnte mir einen Vermittlungsausschuss gut vorstellen, wenn Lauterbach auf die Forderungen der LĂ€nder nicht genĂŒgend eingeht", sagte Gerlach mit Hinweis auf einen VorstoĂ aus Baden-WĂŒrttemberg. Die LĂ€nder könnten damit das Verfahren ausbremsen. Auch eine Klage als letztes Mittel sei nicht vom Tisch, sagte Gerlach. Eine Kernforderung sei, dass die Bundesregierung die KrankenhĂ€user rasch finanziell unterstĂŒtze, bis die Reform greife.
Die Union befĂŒrchtet zudem höhere KrankenkassenbeitrĂ€ge durch die Reform. Der CSU-Gesundheitsexperte Stephan Pilsinger geht von bis zu 0,5 Prozentpunkten Mehrbelastungen der Beitragszahler aus, wie er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag) sagte. Um den Wandel zu den neuen Strukturen zu unterstĂŒtzen, soll ein "Transformationsfonds" kommen, aus dem von 2026 bis 2035 bis zu 25 Milliarden Euro aus Mitteln der gesetzlichen Kassen flieĂen könnten ? sofern sich die LĂ€nder jeweils in gleicher Höhe an der Finanzierung beteiligen.
Lauterbach machte deutlich, dass mit den LĂ€ndern noch verhandelt werde. Sein Vorgehen begrĂŒndete der Minister am Mittwochabend im "Spiegel"-"SpitzengesprĂ€ch" damit, dass er die Reform nicht vorab habe verwĂ€ssern wollen. Die Reform sei sehr stark angelehnt an dem, was sein Haus fĂŒr richtig halte. Wichtig sei dabei, dass es keine Abstriche bei der QualitĂ€t der Versorgung geben solle. Darauf liefen aber VorschlĂ€ge aus den LĂ€ndern hinaus. "Damit sind wir nicht einverstanden", sagte Lauterbach. Es werde aber noch verhandelt.
Bei der Vorstellung der PlĂ€ne hatte Lauterbach von einer "Revolution" gesprochen, aber auch von einer Notbremse. Ohne StrukturĂ€nderungen drohten Klinik-Insolvenzen, schlechte Behandlung und weite Wege, hatte der Minister betont. Zugleich machte der SPD-Politiker deutlich, dass es zu viele Kliniken gebe. Deutschland habe nicht den medizinischen Bedarf, nicht das Ă€rztliche Personal und auch nicht das pflegerische Personal fĂŒr 1700 KrankenhĂ€user.
Der Sozialverband Deutschland bemĂ€ngelte, dass der geplante Transformationsfonds allein aus Mitteln der gesetzlichen und nicht auch aus der privaten Krankenversicherung gespeist werden solle. Dennoch gehe die Reform in die richtige Richtung, sagte die Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Michaela Engelmeier, der "Augsburger Allgemeinen". Die FDP will im weiteren Prozess darauf achten, dass die Reform möglichst bĂŒrokratiearm umgesetzt wird, wie Fraktionschef Christian DĂŒrr dem RND sagte.
Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Kerstin von der Decken (CDU) aus Schleswig-Holstein, machte deutlich, dass die LĂ€nder die Ziele der Reform von Anfang an mitgetragen hĂ€tten. Sie seien aber mit dem jetzt vorgelegten Ergebnis nicht einverstanden, sagte sie in den ARD-"Tagesthemen". Wenn das Gesetz so komme, werde es teilweise zu einer Verbesserung, teils aber zu einer Verschlechterung der Reform fĂŒhren, warnte sie. Letzteres gelte vor allem fĂŒr lĂ€ndliche RĂ€ume, wo kleine Kliniken vor dem Aus stehen könnten. Das Gesetz sei gemacht fĂŒr groĂe Versorger und BallungsrĂ€ume, nicht aber fĂŒr lĂ€ndliche Regionen, beklagte die CDU-Politikerin.

