Cyber, Resilience

Cyber Resilience Act startet heute: Neue Regeln fĂŒr digitale Produkte

Veröffentlicht am: 11.06.2026 um 14:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
EuropĂ€ische Aufsicht meldet ĂŒber 3.300 schwere IKT-VorfĂ€lle fĂŒr 2025. DORA zeigt erste Wirkung, neue Partnerschaften und der Cyber Resilience Act ergĂ€nzen die Regulierung.
Ein modernes Rechenzentrum mit leuchtenden Server-Racks und Silhouetten von Finanzexperten, die Daten prĂŒfen, symbolisiert Cybersicherheit und Compliance. Illustration mit AI erstellt.

Die europĂ€ischen Aufsichtsbehörden (ESAs) haben die ersten umfassenden Zahlen zur Bedrohungslage unter dem Digital Operational Resilience Act (DORA) vorgelegt. FĂŒr das Jahr 2025 registrierten sie insgesamt 3.383 schwerwiegende IKT-VorfĂ€lle.

31 Prozent dieser Ereignisse hatten grenzĂŒberschreitende Auswirkungen. Besonders brisant: 8 Prozent der FĂ€lle betrafen mehr als zehn LĂ€nder gleichzeitig.

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DDoS und Datendiebstahl dominieren

Überraschend: Nur 10 Prozent der Meldungen entfielen auf klassische Cybersecurity-VorfĂ€lle. Innerhalb dieser Kategorie fĂŒhrten DDoS-Attacken mit 33 Prozent, dicht gefolgt von Datendiebstahl mit 31 Prozent.

Die Regulatoren sehen darin einen Beleg fĂŒr die Wirksamkeit bestehender Sicherheitskontrollen. Gleichzeitig mahnten sie angesichts zunehmender KI-gestĂŒtzter Angriffe: Die Verteidigungslinien mĂŒssen weiter gestĂ€rkt werden.

DORA vs. NIS2: Wer hat Vorrang?

Seit dem 17. Januar 2025 gilt DORA fĂŒr mehr als 22.000 Finanzinstitute in der EU. Die Verordnung fungiert als lex specialis und genießt Vorrang vor der NIS2-Richtlinie. FĂŒr betroffene Unternehmen bedeutet das: Sie sind von NIS2-Pflichten befreit, soweit DORA die Bereiche abdeckt.

Die Aufsicht in Deutschland liegt bei der BaFin – nicht beim BSI. Ein entscheidender Unterschied: DORA verlangt eine Erstmeldung schwerer IKT-VorfĂ€lle innerhalb von vier Stunden, NIS2 gewĂ€hrt 24 Stunden.

Die BaFin stellte in ihrem Jahresbericht klar: Der Fokus liegt auf Cyber-Resilienz, datenbasierter Aufsicht und der Integration von DORA in nationale Standards wie die MaRisk-Novelle. KI-Systeme werden als regulĂ€re IKT-Assets eingestuft – keine Sonderrolle.

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Silodenken als grĂ¶ĂŸte HĂŒrde

Die praktische Umsetzung der fĂŒnf DORA-SĂ€ulen bereitet vielen Instituten Kopfzerbrechen. Eine Studie von IDC und KPMG zeigt: 37 Prozent der Befragten sehen siloartige Sicherheitsstrukturen als Hindernis fĂŒr eine effiziente Integration von IT-Betrieb und Security.

Eine neue Partnerschaft soll Abhilfe schaffen. Palo Alto Networks und die Deutsche Telekom kĂŒndigten am 10. Juni 2026 den Dienst „Sovereign Cortex with T Security“ an. Die KI-gestĂŒtzte Sicherheitsplattform erfĂŒllt spezifische SouverĂ€nitĂ€tsanforderungen fĂŒr den europĂ€ischen Markt. Datenverarbeitung und SchlĂŒsselverwaltung bleiben vollstĂ€ndig in europĂ€ischer Jurisdiktion. Der erste produktive Einsatz ist fĂŒr das dritte Quartal 2026 geplant.

Cyber Resilience Act tritt heute in Kraft

Flankierend zur Finanzmarktregulierung startet heute der EU Cyber Resilience Act (CRA). Die Verordnung zwingt Hersteller digitaler Produkte, Sicherheitsstandards bereits vor dem Markteintritt nachzuweisen. Laut ENISA haben 78 Prozent der Organisationen bereits Software-StĂŒcklisten (SBOM) eingefĂŒhrt.

FĂŒr Finanzunternehmen bleibt das Risiko hoch: Bei VerstĂ¶ĂŸen droht neben der persönlichen Haftung der Leitungsorgane eine Sanktion von bis zu 10 Prozent des jĂ€hrlichen Gesamtumsatzes. Bereits im November 2025 begannen die ESAs damit, kritische IKT-Drittanbieter namentlich zu benennen – sie unterliegen der direkten Überwachung.

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