Cyberangriffe, Vormarsch

Cyberangriffe auf dem Vormarsch: Neue MFA-Tricks gefÀhrden Unternehmen

19.05.2026 - 19:28:15 | boerse-global.de

Hacker umgehen vermehrt die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Das neue Datennutzungsgesetz und der EU AI Act erhöhen den Compliance-Druck auf Unternehmen.

Cyberangriffe auf dem Vormarsch: Neue MFA-Tricks gefĂ€hrden Unternehmen - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Cyberangriffe auf dem Vormarsch: Neue MFA-Tricks gefĂ€hrden Unternehmen - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Hacker umgehen zunehmend die Zwei-Faktor-Authentifizierung – und die neue Datenschutzverordnung erhöht den Druck auf Firmen.

Die Sicherheitslandschaft deutscher Unternehmen gerĂ€t massiv unter Druck. Seit heute, dem 19. Mai 2026, ist das neue Datennutzungsgesetz (DNG) in Kraft – und zeitgleich warnen Sicherheitsexperten vor einer neuen Welle hochentwickelter Cyberangriffe. Besonders perfide: Kriminelle knacken nicht mehr nur Passwörter, sondern hebeln die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) komplett aus.

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Wenn der Feind in der Mitte lauert

Die Methode heißt Adversary-in-the-Middle (AITM) – und sie ist gefĂ€hrlicher als klassisches Phishing. Statt Zugangsdaten zu stehlen, kapern Angreifer aktive Sitzungs-Cookies. Das System glaubt dann, der Nutzer habe sich bereits legitimiert, und gewĂ€hrt Zugang, ohne dass ein zweiter Faktor abgefragt wird.

Emanuel LipschĂŒtz, Sicherheitschef bei Conscia, warnt: „Der Diebstahl von Sitzungs-Cookies macht viele gĂ€ngige MFA-Implementierungen wirkungslos." Besonders im Visier: Finanzabteilungen. Hacker beobachten dort oft wochenlang den E-Mail-Verkehr, um bei großen Rechnungen die Kontodaten zu manipulieren.

Die Zahlen sind alarmierend: Phishing-Links sind fĂŒr ĂŒber 90 Prozent aller Datenlecks verantwortlich. Neue Tricks fĂŒr 2025 und 2026 umfassen HTML- und SVG-AnhĂ€nge, manipulierte QR-Codes („Quishing") sowie gefĂ€lschte Kalendereinladungen.

Phishing-Welle rollt durch Deutschland

Erst gestern warnten VerbraucherschĂŒtzer vor gefĂ€lschten Amazon- und Apple-Mails. Die Amazon-Variante fordert angeblich 8,99 Euro fĂŒr Prime Video – in Wirklichkeit sollen Kontodaten abgegriffen werden. Zeitgleich locken Apple-BetrĂŒger mit gesperrten Konten.

Der Finanzsektor ist besonders betroffen. Heute wurden Warnungen zu gefĂ€lschten „Deutschlandtickets" der Deutschen Bahn veröffentlicht. Bereits gestern gab es Alarme zur Commerzbank-Foto-TAN und in den vergangenen Tagen zu Deutsche Bank, DKB und Rundfunkbeitrag.

Die wirtschaftlichen SchĂ€den sind enorm: In Österreich liegt der durchschnittliche Schaden pro Phishing-Fall bei 4.333 Euro, bei Überweisungsbetrug sogar bei ĂŒber 8.513 Euro. FĂŒr Deutschland beziffern Experten den Gesamtschaden durch CyberkriminalitĂ€t 2023 auf 206 Milliarden Euro – Phishing macht davon 31 Prozent aus.

Neue Schutzschilde gegen alte LĂŒcken

Die Technologiebranche reagiert. Signal hat nach Angriffen auf deutsche Politiker seine Sicherheit verschÀrft: Die App warnt jetzt deutlich vor unbekannten Kontakten und stellt klar, dass sie niemals PINs per Chat abfragt.

Google fĂŒhrt in Android 14 eine „Scan for Scam Apps"-Funktion ein, die lokal den Zugriff auf Passwortfelder ĂŒberwacht. Dashlane setzt auf KI-basierte Phishing-Warnungen, die Webseiten in Echtzeit analysieren.

Unternehmen setzen verstĂ€rkt auf Security-Awareness-Training. Sicherheitsfirmen wie KnowBe4 testen zunĂ€chst die „Phishing-AnfĂ€lligkeit" der Belegschaft, um dann gezielt zu schulen. Gefordert wird zudem eine einstĂŒndige KĂŒhlfrist bei der Registrierung neuer Banking-GerĂ€te.

Neues Datengesetz: Fluch und Segen zugleich

Seit heute gilt das Datennutzungsgesetz (DNG) , das die EU-Verordnung in deutsches Recht umsetzt. Das Statistische Bundesamt (Destatis) wird zur zentralen Anlaufstelle fĂŒr Anonymisierung und Metadaten. Die Bundesnetzagentur ĂŒbernimmt die Aufsicht ĂŒber Datenvermittlungsdienste.

Doch der Druck auf Unternehmen wÀchst. Der EU AI Act kommt hinzu: 78 Prozent der europÀischen MittelstÀndler sind laut Umfragen nicht auf die ab August 2026 beginnenden Audits vorbereitet. 83 Prozent fehlt ein KI-Register, 74 Prozent haben keine klaren Compliance-ZustÀndigkeiten. Die Strafen können bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des Jahresumsatzes betragen.

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Compliance wird zum Dauerbrenner

Dr. Bernd Federmann von KPMG Law betont: „Seit dem Hinweisgeberschutzgesetz mĂŒssen Unternehmen gesetzliche Anforderungen nachhaltig in ihre Compliance-Strukturen integrieren." Doch der Schutz ist nicht absolut: Das Bundesarbeitsgericht entschied im Dezember 2025, dass eine KĂŒndigung in der Probezeit nur dann unzulĂ€ssig ist, wenn sie nachweislich wegen der Meldung erfolgte.

Die BĂŒrokratie bleibt eine Herausforderung: Bis zu 75 Prozent der Arbeitszeit in Datenschutzteams fließen in Dokumentation. KI-Assistenten sollen helfen, Verarbeitungsverzeichnisse (VVT) und Datenschutz-FolgenabschĂ€tzungen (DSFA) zu automatisieren – mit dem Potenzial, den Zeitaufwand um 75 Prozent zu senken.

Ausblick: Audit-Readiness als oberstes Ziel

FĂŒr den Rest des Jahres 2026 und 2027 wird die „Audit-Readiness" fĂŒr den EU AI Act zur zentralen Aufgabe. WĂ€hrend KI-gestĂŒtzte Abwehrmechanismen immer besser werden, bleibt der menschliche Faktor die grĂ¶ĂŸte Schwachstelle.

International zeigt sich ein Flickenteppich: Allein 2025 fĂŒhrten acht US-Bundesstaaten neue Datenschutzgesetze ein. Das Maryland Online Data Privacy Act (MODPA) gilt als eines der strengsten – mit Verboten von Geofencing und Pflicht zu KI-Risikobewertungen. FĂŒr multinationale Unternehmen bedeutet das: Die regulatorische KomplexitĂ€t wĂ€chst genauso schnell wie die technische Raffinesse der Angreifer.

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