Cyberattacken, CaptiveCrunch-Kampagne

Cyberattacken: CaptiveCrunch-Kampagne umgeht 2FA seit Mai 2026

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 01:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Cyberangriff auf Rüstungszulieferer bleibt ohne nachweisbaren Datenabfluss. Neue Taktiken wie Captive-Portal-Hacks und App-Missbrauch gefährden Cloud-Sicherheit.

Rüstungszulieferer: Phishing-Angriff ohne forensische Spuren in Microsoft 365
Abstraktes Bild von Servern und Datenströmen in einem modernen Rechenzentrum als Symbol für Cloud-Sicherheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein gezielter Phishing-Angriff auf einen Rüstungszulieferer hat die Herausforderungen bei der Überwachung von Cloud-Infrastrukturen verdeutlicht. Nach dem Vorfall konnten in den Protokollen von Microsoft 365 keine forensischen Spuren für einen möglichen Datenabfluss gefunden werden. Trotz der Kompromittierung liegen derzeit keine Anzeichen dafür vor, dass Informationen durch die Angreifer kopiert oder exfiltriert wurden. Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Cyberattacken ein, die vermehrt Schwachstellen in Cloud-Diensten und Authentifizierungsverfahren ausnutzen.

Komplexität der Spurensuche in Cloud-Protokollen

Die Analyse des Vorfalls beim namentlich nicht genannten Zulieferer zeigt, dass die Identifizierung von Datenbewegungen nach einer Postfach-Kompromittierung technisch anspruchsvoll bleibt. Da keine direkten forensischen Belege für eine Exfiltration in den Standardprotokollen von Microsoft 365 auffindbar waren, konzentrieren sich Ermittler auf alternative Nachweismethoden.

Ähnliche Beobachtungen meldeten Behörden aus der Schweiz. Das Bundesamt für Informatik (BIT) entdeckte Ende Juli 2026 einen Angriff auf SharePoint-Server, von dem rund 200 Konten betroffen waren. Auch hier gab die Behörde Anfang August bekannt, dass es keine Anzeichen für einen Datenabfluss gebe. Die betroffenen Server wurden zur Sicherheit neu aufgesetzt und der Zugriff für externe Nutzer vorerst gesperrt.

Neue Angriffstaktiken gegen Microsoft-Infrastrukturen

Sicherheitsexperten warnen vor einer Professionalisierung der Angriffe. Microsoft identifizierte eine seit Mai 2026 aktive Kampagne mit der Bezeichnung „CaptiveCrunch“, die dem Akteur Storm-2945 zugeschrieben wird. Dabei werden WLAN-Captive-Portale an öffentlichen Orten wie Hotels und Flughäfen gekapert, um Microsoft-365-Zugangsdaten zu stehlen. Diese Methode erlaubt es den Angreifern, selbst eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) zu umgehen.

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Analysen von Check Point Research bestätigen diesen Trend. Zwischen Ende Juni und der zweiten Juliwoche 2026 wurden über 200 Phishing-E-Mails gegen 120 Organisationen registriert. Die Angreifer nutzten dabei authentische Microsoft-Login-Seiten, um die Einwilligung für bösartige Applikationen zu erschleichen. Einmal autorisiert, erhielten die Akteure Zugriff auf E-Mails, Dateien in OneDrive sowie Teams-Kommunikationen und Kalenderdaten.

Auch großflächige Infrastrukturen für solche Angriffe geraten ins Visier der Strafverfolger. So wurden am 20. Juli 2026 über 200 Server des Phishing-Kits „Kratos“ offline genommen. Das Tool wurde von etwa 1.800 Abonnenten genutzt und war darauf spezialisiert, Session-Cookies zu stehlen, um Sicherheitsbarrieren zu umgehen. Schätzungen zufolge wurden monatlich rund 15.000 Kampagnen über dieses System abgewickelt.

Kommunen und Unternehmen unter finanziellem Druck

Die wirtschaftlichen Folgen von Phishing und Cyberangriffen bleiben erheblich. Die Stadt Pittsburg verlor jüngst 913.839 US-Dollar durch einen Phishing-Betrug, wobei rund 696.000 US-Dollar zurückgewonnen werden konnten. In Singapur summierten sich die Schäden seit dem 24. Juni 2026 auf 1,2 Mio. US-Dollar in insgesamt 251 gemeldeten Fällen.

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Besonders in Deutschland stehen kommunale Verwaltungen unter Druck. In Rheinland-Pfalz wurden im Jahr 2026 bereits acht Cyberangriffe auf Kommunen registriert. Ein Beispiel für die Kostenintensität solcher Vorfälle ist der Rhein-Pfalz-Kreis, bei dem ein Angriff aus dem Jahr 2022 Kosten von mehr als 1,7 Mio. € verursachte. Aktuell ist zudem die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe betroffen, deren Verwaltung nach einem Angriff Mitte Juli 2026 ausgesperrt wurde und sich mit Lösegeldforderungen konfrontiert sieht. Hier erfolgte der Zugriff nach vorliegenden Informationen über den Netzwerkperimeter und nicht über klassisches Phishing.

Technologische Gegenmaßnahmen und Sicherheitsupdates

Als Reaktion auf die Bedrohungslage rollt Microsoft neue Sicherheitsfunktionen aus. Die Purview DLP-Regeln, die sich seit Juni in der öffentlichen Vorschau befinden und deren allgemeine Verfügbarkeit für Ende Juli bis Ende August 2026 geplant ist, sollen externe E-Mails aus dem Copilot-Kontext sperren. Dies erfolgt durch eine Prüfung von Absenderdomänen und Metadaten.

Zusätzlich mahnen Behörden wie die CISA zur schnellen Behebung bekannter Schwachstellen. Neu in die Liste der aktiv ausgenutzten Lücken wurden unter anderem CVE-2026-16812 mit einer kritischen Bewertung von 10.0-CVSS-Punkten aufgenommen. Auch für die Plattform ServiceNow wurde eine kritische Lücke gemeldet, die bereits wenige Tage nach Veröffentlichung eines Patches aktiv für die Fernausführung von Code missbraucht wurde.

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