Digitales DÀnemark hÀngt seine letzten BriefkÀsten ab
30.12.2025 - 04:43:05Wer noch eine letzte Ansichtskarte aus dem winterlichen Kopenhagen-Urlaub in einen der öffentlichen roten BriefkÀsten werfen möchte, muss sich beeilen. Als wohl erstes Land Europas stellt das hoch digitalisierte DÀnemark die öffentliche Briefzustellung ein und entfernt sÀmtliche BriefkÀsten aus dem Stadtbild.
Das staatliche Postunternehmen Postnord wird heute die letzten Briefe verteilen, danach ist Schluss. Briefmarken werden bereits seit dem 18. Dezember nicht mehr verkauft, und bis zum Jahresende sollen alle öffentlichen BriefkÀsten aus dem deutschen Nachbarland verschwunden sein. Es ist ein ungewöhnlicher Vorgang: Der Weltpostverein teilt mit, ihm sei nicht bekannt, dass ein anderes Land unlÀngst einen Àhnlichen Schritt gemacht habe.
Seit Jahren werden kaum noch Briefe verschickt
«Die DĂ€nen sind immer digitaler geworden, und das, was frĂŒher als Brief verschickt wurde, erhalten die allermeisten heute digital», heiĂt es von Postnord. Seit der Jahrtausendwende sei die Briefmenge im Land um mehr als 90 Prozent gefallen, Tendenz weiter sinkend.
Viele der rund 1.500 roten BriefkĂ€sten im Land wurden bereits seit dem Sommer nach und nach abgenommen. Auf dem Schrottplatz sind sie aber nicht gelandet: Seit Mitte Dezember konnten Interessierte einen von 1.000 der KĂ€sten - «ein kleines StĂŒck dĂ€nisches Kulturerbe», wie es von Postnord hieĂ - online erwerben. Je nach Gebrauchsspuren kosteten sie umgerechnet 200 bis 270 Euro. Die Einnahmen sollen einem guten Zweck zugutekommen. Innerhalb weniger Tage waren alle BriefkĂ€sten verkauft.
Ab Januar sollen weitere 200 Exemplare versteigert werden, darunter auch einige, die von dĂ€nischen KĂŒnstlern gestaltet wurden. Weitere Exemplare der PostkĂ€sten, die mehr als 170 Jahre einen Teil des dĂ€nischen Stadtbildes ausmachten, dĂŒrften einen Platz im Museum finden.
Hoch digitalisiertes DĂ€nemark
DĂ€nemark gilt in Sachen Digitalisierung - gerade auch im scharfen Kontrast zu seinem sĂŒdlichen Nachbarn Deutschland - als Vorreiter. Der GroĂteil des Schriftverkehrs mit öffentlichen Stellen findet fĂŒr DĂ€ninnen und DĂ€nen lĂ€ngst ĂŒber digitale Plattformen statt. Im privaten Briefkasten landet meist nur Werbung. Ausnahmen gibt es fĂŒr diejenigen, die von der sogenannten Digital Post ausgenommen sind: Dazu zĂ€hlen etwa 300.000 der knapp sechs Millionen Einwohner, darunter manche Ăltere auf dem Land.
Die Folgen der Digitalisierung spĂŒrte auch Postnord. Das staatliche Unternehmen, zu dem sich die dĂ€nische und die schwedische Post 2009 zusammengeschlossen hatten, nahm mit der Zustellung von Briefen in den vergangenen Jahren immer weniger Geld ein.
In Zukunft will sich Postnord mit Blick auf den in DĂ€nemark ĂŒberaus starken Online-Handel vor allem auf die Zustellung von Paketen konzentrieren. Man wolle der bevorzugte Paketlieferant der dĂ€nischen Verbraucherinnen und Verbraucher werden, erklĂ€rte das Unternehmen, als es im FrĂŒhjahr die Einstellung der Briefzustellung ankĂŒndigte - und zudem die Streichung von 1.500 Stellen.
Werden bald auch die BriefkÀsten in Deutschland abgebaut?
Auch das BriefgeschĂ€ft der Deutschen Post schrumpft von Jahr zu Jahr. Trugen die Postboten hierzulande 2001 noch 22,7 Milliarden Briefsendungen aus, so waren es 2024 nur noch 12,2 Milliarden. Dennoch betont ein Sprecher des Bonner Logistikers: «Die dĂ€nische Post ist nicht die Deutsche Post, beide BriefmĂ€rkte sind nur bedingt miteinander vergleichbar.» Trotz MengenrĂŒckrangs bleibe der Brief in Deutschland wichtig. «Wir gehen davon aus, dass wir auch noch viele Jahre in Deutschland Briefe bearbeiten und zustellen werden.»Â
Die gelben BriefkĂ€sten werden im deutschen StraĂenbild prĂ€sent bleiben, dafĂŒr sorgt eine erst 2024 erneuerte staatliche Pflicht fĂŒr ein recht engmaschiges Netz an BriefkĂ€sten. Im Rahmen dieser Pflicht gibt es allerdings einen Spielraum, den die Post fĂŒr eine geringe Reduzierung der Standorte nutzte: 2015 hatte die Post in Deutschland 110.000 BriefkĂ€sten, heutzutage sind es noch 108.200.
GroĂer Aufschrei in DĂ€nemark bleibt aus
In DĂ€nemark schlieĂt der staatliche Postdienst hingegen das Kapitel BriefkĂ€sten und Briefzustellung. GröĂere Kritik an dem Schritt wurde dort kaum laut. Die Seniorenvereinigung Faglige Seniorer monierte, dass eine Epoche ende. Man habe eine solche Entwicklung aber schon seit Inkrafttreten eines neuen Postgesetzes Anfang 2024 kommen sehen. Der lĂ€ndliche Interessenverband Landdistrikternes FĂŠllesrĂ„d forderte, dass Briefe auch in Zukunft jeden Landesteil zu gleichen Bedingungen erreichen mĂŒssten. Doch der groĂe Aufschrei, der blieb aus.Â
Den dĂ€nischen Verbrauchern bleibt nun in erster Linie eine private Zustellungsfirma namens Dao, um Briefe zu verschicken. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht: Was die PĂŒnktlichkeit bei der Briefzustellung betrifft, schnitt das Unternehmen in einer Untersuchung der dĂ€nischen Verkehrsbehörde deutlich besser ab als Postnord. Auch der Preis ist attraktiver: Ein Standardbrief innerhalb DĂ€nemarks kostete bei Postnord umgerechnet knapp 3,90 Euro, bei Dao rund 3,10 Euro. Zu einem Aufpreis können sich Kunden den Weg zum Dao-Shop sparen und ihre Briefe sogar von zu Hause abholen lassen.
«Der Brief lebt weiter»
FĂŒr deutsche Verbraucher mögen diese Preise absurd hoch wirken - doch das sind bloĂ die Inlandspreise. Wer einen Brief oder eine Postkarte ins Ausland - etwa nach Deutschland - verschicken wollte, der bezahlte dafĂŒr bei Postnord zuletzt umgerechnet stolze 6,70 Euro. Mit Dao werden es nach jetzigem Stand immer noch umgerechnet knapp 6,20 Euro sein. Deutsche Urlauber, die einen GruĂ per Karte aus DĂ€nemark loswerden wollen, sollten das KĂ€rtchen daher vielleicht am besten nach der RĂŒckkehr zu Hause selbst ĂŒberreichen.
Wer aus Deutschland Post nach DÀnemark schicken möchte, kann das auch weiterhin tun. Das dÀnische Transportministerium hat die Firma Dao damit beauftragt, vom 1. Januar 2026 an Briefe aus dem Ausland innerhalb DÀnemarks zu verteilen.
Und dann wĂ€re da noch die Sache mit den BriefkĂ€sten. Dao verwies darauf, selbst 1.500 PostkĂ€sten im ganzen Land platziert zu haben. Auch diese sind rot, allerdings stehen sie in bestimmten Paketshops und nicht an der StraĂe. Man habe keine PlĂ€ne, sich wie Postnord vom Briefmarkt zu verabschieden, erklĂ€rte Dao: «Der Brief lebt weiter.»


