Supreme Court prĂŒft Trumps Zölle
05.11.2025 - 22:09:13Der Supreme Court ĂŒberprĂŒft die Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump. Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit hat der Republikaner gegen zahlreiche LĂ€nder Zölle verhĂ€ngt, auch gegen importierte Waren aus der EU. Jetzt klĂ€rt das oberste Gericht, ob das Vorgehen der US-Regierung juristisch einwandfrei war.Â
Die mĂŒndliche Anhörung vor Gericht dauerte knapp drei Stunden. Der Fall gilt als einer der wichtigsten wirtschafts- und auĂenpolitischen Prozesse in Trumps zweiter Amtszeit.
Worum geht es genau?
Es geht weniger um die Frage, ob solche Zölle verhĂ€ngt werden dĂŒrfen, sondern wer das tun darf. Der Fokus dieses Falls liegt darauf, dass laut Verfassung der US-Kongress - das Parlament - normalerweise das alleinige Steuer- und Zollrecht besitzt.Â
Die US-Regierung umging diese Instanz fĂŒr ihre aggressive Zollpolitik mit Berufung auf ein Notstandsgesetz aus dem Jahre 1977, genannt IEEPA. Unter diesem Gesetz kann der PrĂ€sident im Krisenfall selbst Dekrete erlassen, ohne dass das Parlament angerufen werden muss.
Trump sah den Notstand im Land als erfĂŒllt an: Es habe ein Ungleichgewicht im internationalen Handel zulasten der USA gegeben. Die USA seien unfair behandelt worden und die nationale Sicherheit sei dadurch gefĂ€hrdet gewesen.
Warum verhandelt der Supreme Court ĂŒberhaupt den Fall?
Verschiedene Gruppierungen, darunter amerikanische Kleinunternehmen und US-Bundesstaaten, hatten den Fall vor Gerichte unterer Instanzen gebracht. Dort wurde mehrmals entschieden, dass Trump nicht die Befugnis gehabt habe, unter Berufung auf dieses spezielle Notstandsgesetz breit angelegte Zölle gegen mehr als 100 LĂ€nder weltweit zu verhĂ€ngen.Â
Trump ging gegen diese Urteile in Berufung, deshalb blieben die Zölle vorerst bestehen. Dann kam der Supreme Court ins Spiel, das höchste Gericht der USA, dass nun erstmals grundsĂ€tzlich entscheiden soll, ob Trump den IEEPA tatsĂ€chlich fĂŒr flĂ€chendeckende Zollerhebungen nutzen darf. Eine Entscheidung wird in den kommenden Wochen oder Monaten erwartet.
Nimmt Trump an der Verhandlung teil?
Nein, er war am Mittwoch in Miami. An seiner Stelle soll Finanzminister Scott Bessent an der Anhörung teilgenommen haben. Dennoch setzte Trump schon vorab den Ton: Es handele sich um einen der wichtigsten FĂ€lle, die der Supreme Court je fĂŒr Amerika behandelt habe, er warnte vor «wirtschaftlicher VerwĂŒstung», falls das Gericht ihm die Notfallbefugnisse entziehe.
Wie argumentieren beide Seiten vor Gericht?
Die Regierungsseite vertrat die Ansicht, das Notstandsgesetz erlaube dem PrĂ€sidenten bei wirtschaftlichen Notlagen, den Import von Waren zu «regulieren» â und dazu gehörten aus Sicht der Regierung auch Zölle, weil sie andere Staaten unter Druck setzen sollen und idealerweise gar kein Geld einbringen, sondern Handel umlenken oder auslĂ€ndische Regierungen zu Verhandlungen zwingen. Dass die Zölle in diesem Fall Einnahmen erzeugen, sei nur ein Nebeneffekt.
Die Gegenseite erklĂ€rte, Zölle seien faktisch primĂ€r Steuern â und Steuern dĂŒrfe in den USA nur der Kongress beschlieĂen, nicht der PrĂ€sident allein. Das Notstandsgesetz sei fĂŒr Sanktionen, Embargos oder Lizenzpflichten gedacht, nicht fĂŒr weitreichende Handelsabgaben gegenĂŒber Dutzenden LĂ€ndern.
Mehrere Richter fragten kritisch, warum Trump dem Notstandsgesetz zufolge zwar den Handel komplett stoppen dĂŒrfte, aber nach Auffassung der Trump-Gegner keinen Prozent Zoll erheben dĂŒrfe â worauf deren AnwĂ€lte entgegneten: Ein kompletter Importstopp bringe kein Geld ein, Zölle sehr wohl. Und gerade weil sie Einnahmen erzeugen, mĂŒsse das Parlament darĂŒber entscheiden.
Zugleich Ă€uĂerten auch konservative, von Trump ernannte Richter Zweifel an der Argumentation der Regierung. Sie wollten wissen, warum plötzlich fast alle wichtigen Handelspartner â von Spanien und Frankreich bis zur Schweiz â als Gefahr fĂŒr die nationale Sicherheit gelten sollen. Richterin Amy Coney Barrett fragte, ob es wirklich die Auffassung der Regierung sei, dass «jedes einzelne Land» ein Sicherheitsrisiko darstelle. Richter Neil Gorsuch warnte zudem vor einer «EinbahnstraĂe», bei der immer mehr Macht vom Kongress zum PrĂ€sidenten wandert, wenn ein solch breiter Notstandsbegriff akzeptiert werde.
Was steht auf dem Spiel?
FĂŒr Trump sind Zölle zum zentralen Element seiner Amtszeit geworden. Bei einer Niederlage mĂŒsste die Regierung ihre Zollpolitik zurĂŒcknehmen, das könnte bestehende Handelsabkommen infrage stellen und auch einen Einfluss auf das öffentliche Image seiner Administration weltweit haben. Möglicherweise wĂ€re die Regierung dann auch verpflichtet, Milliarden Dollar an Importfirmen zurĂŒckzuzahlen. Viele Unternehmen, deren Kosten durch die Zölle rapide gestiegen sind, haben nach US-Medien weltweit die Anhörung verfolgt.
Noch ist offen, was konkret folgen wĂŒrde, sollte der Supreme Court zugunsten der KlĂ€ger entscheiden. Auch die potenziellen Auswirkungen des Falls auf die EU und damit auch die Zölle, die deutsche Importe in die USA betreffen, sind unklar. Eine Richterin bohrte selbst bei einem der klagenden AnwĂ€lte nach, wie denn seiner Meinung nach RĂŒckerstattungen bei rechtswidrigen Zöllen praktisch abgewickelt werden wĂŒrden, betonend, dass das ein «ziemliches Chaos» werden könnte.Â
Was sind denkbare Folgen?
Falls das Gericht das Notstandsgesetz als juristische Argumentation nicht anerkennt, könnte die Regierung versuchen, ihre Argumentation zu verĂ€ndern und sich auf andere Gesetze berufen, um die Zölle aufrechtzuerhalten. Die Frage ist auch, wie es sich mit FĂ€llen verhĂ€lt, bei denen die US-Regierung mit anderen LĂ€ndern Handelsabkommen vereinbart hat, die Zölle beinhalten. Möglich ist auch, dass sich das Urteil nur auf einen bestimmten Zeitraum beziehen könnte, in dem Trump Zölle verhĂ€ngt hat. UrsprĂŒnglich hatten sich die Vorinstanzen mit den erstmals Anfang April angekĂŒndigten lĂ€nderspezifischen Zöllen befasst, die Dutzende Handelspartner der USA betreffen.
Wann gibt es ein Urteil?
Das ist unklar. Ein Urteil könnte es bald, aber auch erst im nÀchsten Jahr geben. Auf dpa-Nachfrage hieà es vom Supreme Court, dass das Gericht generell eine Entscheidung innerhalb einer laufenden Prozessperiode anstrebe, in der die Verhandlung eines Verfahrens stattfindet. Die aktuelle Periode begann im Herbst und endet im nÀchsten Sommer.


